Archive for Februar, 2010

Wasser marsch!

Endlich taut es. Niemand hat nach den Wochen im Schnee damit gerechnet, dass sooo viel Wasser draus wird. Also ich jedenfalls nicht. Unser Haus liegt an  einer Senke des Strassenbau. Alle Einmündungen fallen zur Kreuzungsmitte  ab und finden dort ihren Tiefpunkt. Und auch das Wasser findet diesen Weg. Allein und ganz schnell. Wie üblich säuft die ganze Kreuzung  ab und kein Mensch schert sich darum, dass dort Leute Unmengen von stinkendem Tauwasser im Keller haben. Wenn – ja wenn nicht jemand mit Spaten und Schippe auf der Kreuzung die Eiskanäle für Tauwasser freihackt. Aus dem Büro gekommen ohne sich umzuziehen und frisch ans Werk! Zur Sicherheit ziehe ich mir aber vorher eine orange Sicherheitsweste über.

Später sagte mir ein Bekannter, dass es ihm jetzt endlich wieder mal gut ginge da er sich heute mal  rächen konnte. Für Gemeinheiten der letzten Wochen: die ewig ungeräumten Strassen, die nachlässig zugeschobenen Einfahrten, Bushaltestellen und Parkplätze und besonders für die Streuwagen, die immer extra langsam vor ihm über die Autobahn kurvten.

Wie? Na da hätte so einer von den Stadtwerken heute mit seiner Schippe mitten auf der Kreuzung über das Eis gefaulenzt, meinte er. Und dem hätte er es mal so richtig gegeben: Mit dem Jeep vom Chef unterm Hintern so richtig gezielt und dann dem Kerl die volle Breitseite Wasser an´s Revers.

Japp, sagte ich, stimmt genau!

Aschermittwoch

Et ist wiedermal geschafft! Rheinisch und in vielen anderen Gegenden hat die Menschheit die Jecken wieder zurück. Mitten aus der fünften Jahreszeit rutschte dat Funkenmariechen auf dem eben noch so beklatschten Hinterteilchen geradewegs auf´s Glatteis der Normalwelt. Faschingsprinz “Bodo der XIII.” würgt schnell noch dat letzte bisschen Saumagen auf den Gehweg, dann schläft er nur noch Rausch und Muskelkater aus. Gleich wenn er wieder bei Stimme ist, geht er daran, die entstandenen Lücken im produktiven Bruttosozialprodukt aufzufüllen. Nö, vorwefen muss er sich nix. Für Umsatz hat er ja gesorgt. Mehr als sonst sogar, bis zu zweieinhalb Promille.

Ingeborg!

Meine heimliche Liebe heißt seit Jahren Ingeborg und ich bin auch jetzt so richtig scharf auf sie. Nun ja, der Name macht sie scheinbar etwas älter. Dabei ist sie jung, sexy und energiegeladen. Im Gegensatz zu vielen anderen jungen Dingern ist sie sehr sparsam. Sie ist genau das, was ein richtiger Mann braucht! Immer wenn ich es will ackert sie selbstlos Tag und Nacht und gibt mir ihr Bestes. Ingeborg tut das, was Männer so sehr lieben: sie quatscht nicht viel, sondern hält hinterher einfach die Klappe. Ich gestehe es: ich liebe sie immer wieder heiß und innig. Männer glaubt mir: wen Ingeborg einmal in sich aufgenommen hat, macht sie ganz schön frisch. Oh Himmel, welche Wonne!

Und das Schönste: meine Frau toleriert das nicht nur, sie meint sogar, Ingeborg täte mir echt gut. Sie gibt mir als Persönlichkeit Freiheit, Raum zur Entfaltung und Platz für mich selbst. Warum kam Ingeborg nicht früher zu uns? Ach wenn nur alle so gut zu mir wären!

Aber von Zeit zu Zeit bemerke auch ich ihren Makel: Ingeborg riecht aus dem Mund. So stark, dass ich sie noch nie geküsst habe. Mach ich auch nicht, denk ich nicht mal dran! Ich steck ihr dann meist schnell so ein Bonbon in den Schlund, drücke sie kurz und drehe mich dann einfach weg. Genauso wie Nachts bei meiner Frau, dort nur eben ohne Bonbon. Nach rund zweieinhalb Stunden schon ist der Drops gelutscht und meine Ingeborg strahlt mich wieder an. Eigentlich sollte sie kurz Inge heißen. Aber da die Kohle damals nicht reichte und wir uns einen Teil geborgt hatten, heißt unsere Geschirrspülmaschine eben INGEBORG.

… darum!

Mal unter uns…

eigentlich bin ich ein netter Kerl. Aber ganz ehrlich: ich habe eine große Schwäche:
ich kann mich nicht entscheiden. Konnte ich noch nie.
Schon wenn ich als kleiner Junge gefragt wurde: „Was wünschst du dir denn nun zum Geburtstag?“ ging es schief. Ich legte mich bis zu letzt einfach nicht fest und so mussten eben andere für mich entscheiden. Zuerst bekam ich statt der Feuerwehr einen selbstgestrickten, kratzenden Rollkragenpullover und statt der erhofften Geburtstagsparty einen Zirkusbesuch. Ich mochte damals keinen Zirkus!

Weil ich nie klar machte, was ich wollte und was nicht, haben sich andere meiner angenommen. Manchmal gezwungenermaßen, manchmal freiwillig. Es ging immer irgendwie so weiter. Manchmal ging es gut, manchmal nicht. Immer kam etwas Neues dazu. Stets war mehr Arbeit für mich dabei. So hab ich jede Menge am Hals. Wohnung, Kind, Hund, Katzen, Wellensittich. Dank all dieser Umstände und meiner lieben Frau wurde ich, was ich heute bin: FAMILIENKNECHT.

Wahrscheinlich bin ich kein Einzelfall. Es gibt eine Menge Leute, die sich damit auskennen.

Natürlich geht es keinem selbst so! Manche haben so jemanden in der Familie und andere konnten sich zum Glück früh genug von so einem trennen…

Man muss eben nicht nur nicht wissen, was man will, man muss auch unfähig sein, es auszudrücken. Ich schreibe als Familienknecht meine stummen Schreie in diese Welt und hoffe auf Wohlwollen, Verständnis und vielleicht etwas Hilfe…