Es ist oft nicht auszuhalten. Man sitzt stundenlang neben einem nörgelnden, nasebohrenden Kind, dass sich körperspannungslos wackelnd und wippend am Küchentisch windet. Bloß ja nicht Hausaufgaben fertig machen, bloß das jetzt nicht! Papa könnte ja vom Tisch aufstehen und ganz allein was anderes machen, als hier zu sitzen. Vielleicht die to-do-Liste abarbeiten oder Kellerwerkstatt aufräumen.

So vergeht eine Viertelstunde nach der Anderen mit nutzlosem Rumgesitze am Küchentisch. Im Schulheft vor mir passiert nichts. Gar nichts. Und man hat als Elternteil keine echte Beschleunigungs- Chance. Hab alles ausprobiert: Belohnungsversprechen, gutes Zureden, hochstimmige Engelsgeduld, völlige Teilnahmslosigkeit, tiefe Enttäuschung, leichte Drohungen, schimpfen… Hat alles nix genutzt. Heutzutage kommen die Kleinen anscheinend mit manifestierten Schulresistenzen und pränatalem PISA-Opfersyndrom auf die Welt.

Ich war da anders. Also in meiner Erinnerung jedenfalls. Wirklich völlig anders. Aber gaanz sicher doch! Fragt meine Mutter! Sie mußte sich kaum ein Dutzend Jahre mühen, bis ich -zack, schon den Abschluss der 8. Klasse bekam.

Hat mal jemand berechnet, wie lange so ein hochintellektuell gebildeter Familienknecht wie ich nutzlos und geistige Ressourcen verschwendend, am Küchentisch hirnunnützig dahinsiechen muss? Und weiß jemand wie weh er tut, dieser mentale Leerlauf?

ABER: Das begründet sicher einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Warte Bürschchen, wenn ich erst im Pflegealter bin und DU mal willst, dass was klappt…