Oma hat es zuerst gesehen: “Dein Kind onkelt!” Und damit meinte sie nicht vordergründig die Liebe zu meinem Bruder. Sofort begann die ganze Familie über die Fortbewegungsart des Opferkindes herumzunäseln. Alle verbalen Scheußlichkeiten kindlicher Extremitätenwelten wurden in den Raum geworfen. Bis Oma endgültig den Besuch eines Kinder- Chiropraktikers anwies. Welche Alternativen hatte ich? Weghören, inwendiges räsonieren, – gar offener Widerspruch? (Hallo, es war Oma!) Also war klar: dass das Kind hin geht.

Ansgtschweiß rann mir über den Rücken. Ich dachte sofort an den uralten, vierschrötigen Knochenbieger aus Bulgarien, den ich einmal bei der Arbeit sah. Mir schwante furchtbares für mein geliebtes Kind. Kam aber alles ganz anders. Nach einem Anruf hatten wir einen Termin bei d e m Kinderspezialisten Dominique Hélias ! Also Samstag vormittag, Rykestrasse 43 mitten im Prenzlauer Berg Berlin. Fahrt war etwa genauso lang wie die Parkplatzsuche. Die Praxis: mehrere gemütliche Zimmer mit gaanz viel Wohlfühl.

Der Arzt: ein hochsympathischer, junggebliebener Vater von drei Kindern.

Die Behandlung: schmerzfrei und enorm hilfreich.

Fazit: Sollte man unbedingt wirklich jedem Kind 2 x im Jahr angedeihen lassen.

Dazu lernte ich vieles! Zuerst das Gute: Bein- und Fußstellung sind ok. Jedoch: das Kind kaut einseitig! (na und, dachte ich, haben wir auch nie drauf geachtet.)

Aber: Alle Inanspruchnahmen des Kiefergelenks führen zu entsprechenden Reaktionen des Hüftgelenks, lernte ich. Etwa so, als würde das Kind beim Gehen immer vier Hopser auf dem linken Bein machen, dann nur einen leichten Schritt mit Rechts, dann wieder 4x links.

Klar hat das auf Dauer erhebliche Auswirkungen auf Hüfte, Becken, Beine, Füße u.s.w. . Jetzt üben wir täglich ganz bewußt, beidseitig kauen und freuen uns auf den Kontrollbesuch. Dann hat die Ausstellung von Kunststücken in der Praxis gewechselt und wir sind gespannt, was dann kommt.