Wir haben Dutzende Kartons mit Kinderkleidung und Krimskrams in der Wohnung. Wohin mit all dem Krempel? Immer sagt meine Frau: “Ach nö, das kann man vielleicht noch gebrauchen, oder irgend jemand in der Familie bekommt ein Kind”. Passiert tatsächlich manchmal. Aber dann sind ihr die Sachen zum weggeben doch noch zu schade. Macht ja ausserdem eine Menge Arbeit, das Aussortieren.

Bleiben die Kartons. Früher hab ich mich tierisch drüber aufgeregt. Die Dinger hab ich hin- und – hergeschoben und treppauf, treppab getragen. Jedesmal hab ich mich darüber geärgert.

Mach ich jetzt nicht mehr, den Stress geb ich mir ab jetzt nicht mehr. Ich hab nämlich ein Führungskräfteseminar besucht.

Dabei lernt man neben einigen blasierten Verhaltensweisen: Man muss delegieren können! Arbeiten einfach abgeben, klar anweisen, sich dann erstmal nicht mehr drum kümmern. Später kontrollieren, bewerten und evtl. sanktionieren.

Ach sooo läuft das?! Ja, so einfach kann das Leben sein.

Natürlich wendet der Familienknecht sein neues Managerwissen über Arbeitsdelegierung und Problemlösung zu Hause sofort konsequent an. Meine Frau rollte leicht drohend mit den Augen, tat plötzlich sehr beschäftigt und meinte, ich solle nicht immer so viel herumliegen lassen, jetzt erstmal aufräumen und dann mit dem Hund rausgehen, als hier so rumzulungern und Quatsch zu erzählen. Schade, sie hatte diese intellektuelle Herausforderung also noch nicht dirket verstanden. Oder angenommen.

Einen zweiten Versuch wollte ich nicht starten, aus Furcht, sie wendet das Gehörte später gegen mich an. Meine Frau lernt sehr schnell, wenn sie einen Vorteil erkennt. Und will. Der Vorteil des Arbeit Anweisens lag ja wohl auf der Hand.

Okay, dachte ich: mußt eben weiter unten ansetzen in der Hierarchie. Bei den Kindern, das kannst du. Solltest du. Hab auch gleich Erfolg verbucht und gute Erfahrungen gemacht. Also eher nur Erfahrungen.

Die Nachzucht ist ja so wunderbar direkt. Bis ca. 12 Jahren winken Kinder gleich bei der Problemansprache noch höflich ab und lenken direkt auf ein “total gaaanz wichtiges” Schulthema ein. Ab etwa 13 Jahre sind sie dafür ziemlich merkfrei und haben erstmal für ein paar Jahre Hirndurchzug. Sie sparen sich angesichts der angesprochenen Globalproblematik auch wirklich jede Regung und drehen reaktionsfrei ab. Peng, Tür zu.

Aber man hat mal drüber gesprochen. Und das Gelernte anzuwenden ist ja auch schon ´ne gute Übung.

So hab ich mir die Kartons vorgeknöpft und denen nach genauem Hinsehen erklärt, sie sollen sich verdünnisieren. Und zwar ohne mich. Und sie sollen das mal schön mit sich selbst ausmachen. Die haben wenigstens nicht sofort opponiert. Obwohl, sofort ist ja auch eher ein dehnbarer Begriff. Nun warte ich erstmal ab, bis die da schon drin lebenden Motten das Problem sozusagen von innen heraus für mich aufgefressen haben.

Ich brauch nur Ausdauer. Wenn ich weiß, das Andere für mich arbeiten, hab ich sehr viel davon. Gut zu wissen, dass man diese kleinen Haushaltshelfer hat.

Fazit:

Endlich mal etwas, das klappt, wie geplant und von mir angewiesen.

Familienknecht sein kann so einfach sein- wenn man eine echte Führungspersönlichkeit ist und neu erworbenes Wissen zielsicher anwendet.