Archive for Februar, 2011

Wir haben Dutzende Kartons mit Kinderkleidung und Krimskrams in der Wohnung. Wohin mit all dem Krempel? Immer sagt meine Frau: “Ach nö, das kann man vielleicht noch gebrauchen, oder irgend jemand in der Familie bekommt ein Kind”. Passiert tatsächlich manchmal. Aber dann sind ihr die Sachen zum weggeben doch noch zu schade. Macht ja ausserdem eine Menge Arbeit, das Aussortieren.

Bleiben die Kartons. Früher hab ich mich tierisch drüber aufgeregt. Die Dinger hab ich hin- und – hergeschoben und treppauf, treppab getragen. Jedesmal hab ich mich darüber geärgert.

Mach ich jetzt nicht mehr, den Stress geb ich mir ab jetzt nicht mehr. Ich hab nämlich ein Führungskräfteseminar besucht.

Dabei lernt man neben einigen blasierten Verhaltensweisen: Man muss delegieren können! Arbeiten einfach abgeben, klar anweisen, sich dann erstmal nicht mehr drum kümmern. Später kontrollieren, bewerten und evtl. sanktionieren.

Ach sooo läuft das?! Ja, so einfach kann das Leben sein.

Natürlich wendet der Familienknecht sein neues Managerwissen über Arbeitsdelegierung und Problemlösung zu Hause sofort konsequent an. Meine Frau rollte leicht drohend mit den Augen, tat plötzlich sehr beschäftigt und meinte, ich solle nicht immer so viel herumliegen lassen, jetzt erstmal aufräumen und dann mit dem Hund rausgehen, als hier so rumzulungern und Quatsch zu erzählen. Schade, sie hatte diese intellektuelle Herausforderung also noch nicht dirket verstanden. Oder angenommen.

Einen zweiten Versuch wollte ich nicht starten, aus Furcht, sie wendet das Gehörte später gegen mich an. Meine Frau lernt sehr schnell, wenn sie einen Vorteil erkennt. Und will. Der Vorteil des Arbeit Anweisens lag ja wohl auf der Hand.

Okay, dachte ich: mußt eben weiter unten ansetzen in der Hierarchie. Bei den Kindern, das kannst du. Solltest du. Hab auch gleich Erfolg verbucht und gute Erfahrungen gemacht. Also eher nur Erfahrungen.

Die Nachzucht ist ja so wunderbar direkt. Bis ca. 12 Jahren winken Kinder gleich bei der Problemansprache noch höflich ab und lenken direkt auf ein “total gaaanz wichtiges” Schulthema ein. Ab etwa 13 Jahre sind sie dafür ziemlich merkfrei und haben erstmal für ein paar Jahre Hirndurchzug. Sie sparen sich angesichts der angesprochenen Globalproblematik auch wirklich jede Regung und drehen reaktionsfrei ab. Peng, Tür zu.

Aber man hat mal drüber gesprochen. Und das Gelernte anzuwenden ist ja auch schon ´ne gute Übung.

So hab ich mir die Kartons vorgeknöpft und denen nach genauem Hinsehen erklärt, sie sollen sich verdünnisieren. Und zwar ohne mich. Und sie sollen das mal schön mit sich selbst ausmachen. Die haben wenigstens nicht sofort opponiert. Obwohl, sofort ist ja auch eher ein dehnbarer Begriff. Nun warte ich erstmal ab, bis die da schon drin lebenden Motten das Problem sozusagen von innen heraus für mich aufgefressen haben.

Ich brauch nur Ausdauer. Wenn ich weiß, das Andere für mich arbeiten, hab ich sehr viel davon. Gut zu wissen, dass man diese kleinen Haushaltshelfer hat.

Fazit:

Endlich mal etwas, das klappt, wie geplant und von mir angewiesen.

Familienknecht sein kann so einfach sein- wenn man eine echte Führungspersönlichkeit ist und neu erworbenes Wissen zielsicher anwendet.

Schreibtisch selbst bauen

Man ist ja auf die sparsame Verwendung von Eigenmitteln von Haus aus eingeschworen. Vor allem, wenn man 2011 noch in den Urlaub will.

Mit Tunesien und Ägypten fallen für meine Familie zwei Urlaubsländer erstmal weg. Manche Menschen meinen, dass Deutsche in Griechenland zur Zeit ganz oben auf der Verzehrliste stehen. Ich selbst habe  mit großem Entsetzen festgestellt, dass man mit dem tiefsibierischen Feudalverhalten vieler Russenurlauber in der Türkei nicht klarkommen kann. Da ist die Suche schon etwas eingeengt. Was bleibt, ist vielleicht gut, auf jeden Fall aber viel teurer als vorher. Wenn es nach mir ginge, würde ich lieber eine Kreuzfahrt machen. Die finde ich recht interessant und ist mal was anderes als den ganz normalen Urlaub in einer Stadt. ALSO: sparen!

Mein neuer Schreibtisch wird nicht gekauft, sondern gefälligst selbst gebaut. Eine 200 x 60cm breite Tischplatte aus Holz und einen Satz stabiler Metallbeine (unter 30,- EUR!) holt man am Besten im Baumarkt ( am besten einem mit mehr als drei Buchstaben). Nach meiner Überzeugung auch nicht in einem nordischen Schleppermarkt!. Dazu zwei Bögen 240er Schleifpapier, Holzschrauben und ca. 250ml Farbe oder Wachs- ganz nach Wunsch. Dauert gerade mal 2 Stunden Arbeit, dann ist ein Schreibtisch nach Maß und Wunsch war fertig. Mit 69,- EUR war ich dabei- schön wenig ausgegeben und mehr gespart!

Alles andere kann man teurer kaufen, Mamas stolzer Blick nach weit, weit, oben zu ihrem Familienknecht: unbezahlbar!

Kinder-Chiropraktik 1

Oma hat es zuerst gesehen: “Dein Kind onkelt!” Und damit meinte sie nicht vordergründig die Liebe zu meinem Bruder. Sofort begann die ganze Familie über die Fortbewegungsart des Opferkindes herumzunäseln. Alle verbalen Scheußlichkeiten kindlicher Extremitätenwelten wurden in den Raum geworfen. Bis Oma endgültig den Besuch eines Kinder- Chiropraktikers anwies. Welche Alternativen hatte ich? Weghören, inwendiges räsonieren, – gar offener Widerspruch? (Hallo, es war Oma!) Also war klar: dass das Kind hin geht.

Ansgtschweiß rann mir über den Rücken. Ich dachte sofort an den uralten, vierschrötigen Knochenbieger aus Bulgarien, den ich einmal bei der Arbeit sah. Mir schwante furchtbares für mein geliebtes Kind. Kam aber alles ganz anders. Nach einem Anruf hatten wir einen Termin bei d e m Kinderspezialisten Dominique Hélias ! Also Samstag vormittag, Rykestrasse 43 mitten im Prenzlauer Berg Berlin. Fahrt war etwa genauso lang wie die Parkplatzsuche. Die Praxis: mehrere gemütliche Zimmer mit gaanz viel Wohlfühl.

Der Arzt: ein hochsympathischer, junggebliebener Vater von drei Kindern.

Die Behandlung: schmerzfrei und enorm hilfreich.

Fazit: Sollte man unbedingt wirklich jedem Kind 2 x im Jahr angedeihen lassen.

Dazu lernte ich vieles! Zuerst das Gute: Bein- und Fußstellung sind ok. Jedoch: das Kind kaut einseitig! (na und, dachte ich, haben wir auch nie drauf geachtet.)

Aber: Alle Inanspruchnahmen des Kiefergelenks führen zu entsprechenden Reaktionen des Hüftgelenks, lernte ich. Etwa so, als würde das Kind beim Gehen immer vier Hopser auf dem linken Bein machen, dann nur einen leichten Schritt mit Rechts, dann wieder 4x links.

Klar hat das auf Dauer erhebliche Auswirkungen auf Hüfte, Becken, Beine, Füße u.s.w. . Jetzt üben wir täglich ganz bewußt, beidseitig kauen und freuen uns auf den Kontrollbesuch. Dann hat die Ausstellung von Kunststücken in der Praxis gewechselt und wir sind gespannt, was dann kommt.

Heute Du, morgen ich

Es ist oft nicht auszuhalten. Man sitzt stundenlang neben einem nörgelnden, nasebohrenden Kind, dass sich körperspannungslos wackelnd und wippend am Küchentisch windet. Bloß ja nicht Hausaufgaben fertig machen, bloß das jetzt nicht! Papa könnte ja vom Tisch aufstehen und ganz allein was anderes machen, als hier zu sitzen. Vielleicht die to-do-Liste abarbeiten oder Kellerwerkstatt aufräumen.

So vergeht eine Viertelstunde nach der Anderen mit nutzlosem Rumgesitze am Küchentisch. Im Schulheft vor mir passiert nichts. Gar nichts. Und man hat als Elternteil keine echte Beschleunigungs- Chance. Hab alles ausprobiert: Belohnungsversprechen, gutes Zureden, hochstimmige Engelsgeduld, völlige Teilnahmslosigkeit, tiefe Enttäuschung, leichte Drohungen, schimpfen… Hat alles nix genutzt. Heutzutage kommen die Kleinen anscheinend mit manifestierten Schulresistenzen und pränatalem PISA-Opfersyndrom auf die Welt.

Ich war da anders. Also in meiner Erinnerung jedenfalls. Wirklich völlig anders. Aber gaanz sicher doch! Fragt meine Mutter! Sie mußte sich kaum ein Dutzend Jahre mühen, bis ich -zack, schon den Abschluss der 8. Klasse bekam.

Hat mal jemand berechnet, wie lange so ein hochintellektuell gebildeter Familienknecht wie ich nutzlos und geistige Ressourcen verschwendend, am Küchentisch hirnunnützig dahinsiechen muss? Und weiß jemand wie weh er tut, dieser mentale Leerlauf?

ABER: Das begründet sicher einen Anspruch auf Schmerzensgeld. Warte Bürschchen, wenn ich erst im Pflegealter bin und DU mal willst, dass was klappt…

Erfindergeist gefragt

Immer, wenn ich nachmittags die noch volle Brotdose aus der Schultasche der Kinder ziehe, ärgere ich mich, dass noch niemand das gutaussehende, kompakte, wohlschmeckende, gesunde Kinderfrühstück erfunden hat. Vielleicht ein vorgefertigtes, ohne viel Schmieren am hektischen Morgen. Ohne viel Zucker, ohne all die fiesen E´s und vor allem ohne völlig überteuerte, rot-weiße Verpackung mit Kindergesichtern darauf!

Ist das so schwer? Muss ich das jetzt auch noch machen?

Hallo, Ihr Diplomirgendwasse da draussen! Tut endlich was! – Das ist mal ein echtes Problem. An dem sich auch im Jahr 2011 liebende Familienknechte Abend für Abend die Hasenbrotzähne ausbeißen müssen.