Archive for März, 2011

Viele Berufe entwickeln sich und werden leichter. Dreher z. B. war früher ein außerordentlich schwerer Beruf. Ich selbst habe sehr, sehr oft davon gehört.

Nach einer harten 55-Stunden-Woche schleppten sich die ausgemergelten, spindeldürren Metaller gerade noch zur „Schwarzen Laterne“ an der Ecke. Dort blieben sie entkräftet hängen. Am Tresen. Tapfer kämpften sie gegen das Dehydrieren an. Ihre ölverschmierte Hand hielt das Glas, bis sie mit den Worten:

„Ich bin der Dreher Eilig,

was ich nicht dreh, das feil ich“

entkräftet vornüber fielen und einschliefen.

Heute stellt ein gewerkschaftlich programmierter Computer die Maschine für den CNC-Bediener nach durchschnittlich 37,85 Gleitzeit- Wochenarbeitsstunden ab. Er selbst fährt auf ärztliche Empfehlung die 10 Km mit dem Fahrrad nach Haus. Er bewegt sich sonst so wenig und sollte abnehmen.

Oder KFZ- Meister. Früher hatten die hinten rechts oft schmierige Kratzstellen am Kopf. Sie mussten lange Raten und Überlegen, wo der Fehler liegen könnte. Heute clipt er ein Diagnosegerät an, schaut darauf und sagt: „Tja Männeken, muss ´ne neue Steuerplatine rein.“ Fertig.

Man bemerkt oft mit Freude, wie neue Erfindungen die Arbeitsplätze verändern.

Aber:

mit jeder Idee werden Dinge komplexer. Mentale und technische Anforderungen an Ausführende und deren Umfeld steigen enorm. Und damit die Unfallgefahren und Fehlerquoten.

Wer kümmert sich um diese Probleme?

Warum z. B. ignorieren alle den wahnsinnigen Anstieg der Arbeitsbelastung für den Familienknecht?

Stellt Euch mal meine Arbeitsplatzbeschreibung vor!

Hat irgend jemand eine Ahnung, wie groß Arbeitsanfall und Verletzungsgefahr für meine Berufsgruppe wirklich sind? Wie viel da aus allen Richtungen auf einen einströmt?

Fakt ist: die meisten Unfälle passieren im häuslichen Bereich!

Wem denn wohl, darf man hier mal fragen?
Aber diese Erhebungen werden ja verschwiegen.

Für Familienknechte wird es höchste Zeit, ihre Rechte in einen eigenen Verein zu vertreten. Jawoll!

In die verschiedenen Arbeitsgruppen der Familien- und Arbeitspolitik müssen wir aktiv eindringen. Und interdisziplinäre Lobbyarbeit sollten wir auch betreiben! Unbedingt.

Obwohl, wann eigentlich?

Ach Kacke!

Ist am Ende des Geldes noch viel Monat übrig, handelt es sich um einen Extremmonat. Einen, mit mehr als zwanzig Tagen. Der leere Kühlschrank wirft die Frage auf: wie weiter?

Am Kalender steht die Lösung! Nichte Paulinchen hat Geburtstag. Die süüße, kleine Pauline! Da fahren wir hin.

Kindergeburtstage sind am Monatsende viel mehr, als nur

gerade recht.

Mal rein theoretisch angenommen, jemand sähe darin eine Möglichkeit, mit Hilfe der Familie des Geburtstagskindes über den Restmonat zu kommen. Das wäre schon ein recht böser Mensch.

Der bräuchte dazu aber auch eine verdammt gute Vorbereitung!

Er durchforscht seinen Haushalt nach leeren Dosen und Behältnissen. Die Meisten und Größten dürfen nichts mit der zu besuchenden Familie zu tun haben. Sonst bleiben sie noch dort. Das sollte nicht passieren!

Würde jemand -mal weiter theoretisch angenommen- so denken, dann wäre das bestimmt nicht in Ordnung. Und man würde sich von diesen Personen klar distanzieren.

Auf alle Fälle brauchen diese Menschen unbedingt ein Geschenk.

Womit erfreut man die liebe, kleine Nichte?

Die Frage stellt sich solchen Menschen nicht!

Jedenfalls nicht so.

Die berechnenden Menschen würden überlegen, was hilfreich wäre.

Ein Kleid von Name it ist sicher.

Sie verschenken das zuckersüße Kleidchen Miva in der Farbe rosa/pink und ziehen es dem Kindlein auf der Feier an. Andere Gäste nutzen diesen Anlass, die Jubilarin zu lobpreisen und werden so unwissentlich zu Werkzeugen gemeiner Menschen. In Kürze ist es sein Lieblingskleidchen, das es nicht mehr hergeben mag.

Oft und vernehmlich loben die eigennützigen Menschen dann die Küche ihrer Gastgeber.

Die mitgebrachten Behälter überreichen sie nach der Abendmahlzeit als angebliche Rückgabe. Einer Diskussion über die Eigentümerschaft unbekannter Dosen entziehen sie sich mit dem Hinweis, diese ja eben wieder mitnehmen zu können.

Dann passiert, was diese egoistischen Menschen bezwecken:

Gute Gastgeber geben fremde Dosen nur gefüllt heraus. Und in große Behältnisse muss man eben viel einfüllen. Wie sähe das denn sonst aus? So werden sie randvoll mit den Leckereien der Feier gefüllt und mitgegeben. Wobei “Leckereien” neuerdings auch Merkwürdigkeiten nach veganen Rezepten beinhaltet.

Ergebnis: die berechnenden Menschen wären dort gern wieder gesehen. Und gut zu essen hätten sie nun auch noch!

Aber das ist ja wirklich nur ein angenommenes und rein theoretisches Gedankenspiel. Daran, dass es wirklich so üble Zeitgenossen gibt, glaubt sowieso niemand. Höchstens vielleicht ein paar ganz Wenige. An Hand dieser Beschreibung wird aber ohnehin niemand erkannt.

Und mit uns hat das schon rein gar nichts zu tun! Wir geben unseren Gastgebern ausschließlich deren eigene Dosen zurück. Ganz selbstverständlich und völlig ohne Hintergedanken.

Wir haben ja auch gar kein Paulinchen in unserer Familie. Die heißt nämlich ganz anders und ausserdem ist ihr Kleidchen Miva auch nicht rosa/ pink, sondern weiß/blau!

Aber dass wir gerade Monatsende haben, ist nun wirklich Zufall.

Familienknechte sind bekanntlich ideale Opfer unliebsamer Hausaufgaben. Auch diese Anforderungen wachsen stetig. Oft sehnt man sich zurück nach Zeiten, wo man nur Dreiecke, Kreise und Quadrate aus buntem Papier schneiden musste. Und dafür gab´s dann noch Lob!

Bei neueren Themen hat man es oft nicht mehr so leicht. Wenn Pauker über gesunde Ernährung sprechen, finde ich das prima. Wenn die kleinen Fresslinge dabei etwas für ihr eigenes (länger gesundes) Leben lernen, auch. Nur die Themenvertiefung ist gelegentlich aufreibend.

Heute: wie wird mein Lieblingsessen  hergestellt?

Bei Spaghetti und Tomatensoße kam das kleine Leckermäulchen gut zurecht. Aber in unsere Soße schneiden wir neben Zwiebeln auch angebratene Wiener Würstchen. Klare Kinderfrage: wie kommt denn die Wurst immer so rein, in den kleinen Darm? Gute Frage.

Also Kurzexkurs in die Lebensmitteltechnologie. Die Kette vom Schwein im Stall bis zur Masse und dann die Krönung der Verarbeitung: der Vakuumfüller! Wie das Ding funktioniert, ist sogar für den Laien interessant. Antrieb, Steuerung, Dosierung, das sind schon kleine technische Meisterwerke. Dazu gibt es einen Einblick, wie raffiniert und gleichzeitig hochsauber in diesem Bereich gearbeitet wird. Werden muss.

Aber die Krönung bleibt doch die Profilierungssucht der kleinen Besserwisser. Was freut sich der Schlingel, wenn er als Einziger in der Klasse mit solch technischen Details aufwarten kann. Wie andere Menschen Dollarzeichen in den Augen haben, führt er die Wunschzensur 1 im Schilde.

Und dann hab ich als Familienknecht meine Hausaufgaben doch wohl bestens erledigt, wie?

Heute waren wir wieder mal bei Dominique Hélias, dem Kinder-Chiropraktiker. Die Kiefer- Hüft- Geschichte hat sich schon prima gebessert, trotzdem hat er mit seinen Druckimpulsen einige Korrekturen und Hilfen gegeben. Nach der intensiven Arbeit am Rücken fragte er nach der Art der Schultasche.

Oh Gott, schon wieder so ein Thema! Ist dass denn wichtig? Wir hatten bei der erste Mappe  eher darauf geachtet, dass hübsche Bilder drauf sind und reichlich Reflektoren für die dunkle Jahreszeit. Sogar ein Rückenpolster war dran. Nun ist das aber schon ein paar Jahre her. Die Kids schleppen täglich jede Menge Zeug, meist passt da nichts mehr rein. Es ist ewig schwer und schön sieht das Ding schon lange nicht mehr aus. Es sollte ohnehin bald eine neue her.

Wichtig sei vor allem hoher Tragekomfort für den wachsenden Kinderrücken. Und das heißt: körpergeformte Taschen mit Tragegurten und vor allem stabilisierende HÜFTGURTE. Wenn er die Kinder ihre Gepäcke zur Schule tragen sieht, überkommt ihn als Fachmann kaltes Grausen.

Ich hatte keine Ahnung, aber an Hand eines Beispiels zeigte er w i e wichtig die richtige Wahl ist. Er empfiehlt darum eher gute Treckingrucksäcke als Schulranzen. Die „mitwachsenden“  Tragesysteme von bekannten Spezial- Ausrüstern wie TATONKA oder VAUDE seien sehr gut entwickelt. Diese Hersteller würden auch durch unabhängige Tests empfohlen. Man solle, wenn möglich, wirklich darauf achten, welche Lasten man seinen Kindern wie aufbürdet.

Zum Glück gibt es da wieder das web, in dem wir heut Abend bequem eine Vorauswahl treffen können.

Einbruch / Schadensbericht

Bei uns wurde vor einiger Zeit eingebrochen. Ist keine nette Sache, wenn man nach Hause kommt und die ganze Bude wurde von Fremden auf den Kopf gestellt. Türen aufgehebelt und rein. Reparaturen waren nötig, riesiger Ärger, Unbehaglichkeit und dann wurde das Verfahren eingestellt. Täter waren nicht zu ermitteln. Schade um unsere Erbstücke, die kann auch Geld nicht ersetzen. Auf alle Fälle waren es Doofe, konnten nicht mal lesen. Positiv bleibt: das moldawische Bruttosozialprodukt wurde unfreiwillig durch uns wahrscheinlich erheblich gesteigert.

Heute komm ich nach Hause: die Tür steht offen. Am Rahmen überall deutliche Griffspuren. Schon wieder! Heute krieg ich ihn!

Der Familienknecht hat inzwischen gut vorgesorgt. Leise gehe ich mit einem Schlagwerkzeug in der Einen und dem filmenden Handy in der anderen Hand den Spuren nach. Die sind nicht zu übersehen: überall schmierige Abdrücke. An Türen, Rahmen, dem Tisch, in der Küche an den Schränken. Die Kinderschultasche liegt ausgekippt, verdreckt und offen auf dem Küchenboden. So eine Gemeinheit! Und überall dieses Zeug. Na warte!

Da, ein Geräusch! Fließendes Wasser und Rascheln.

Kalte Wut steigt in mir hoch, fasse den Prügel fester und gehe weiter.

Hinter der Badtüre lauert der Einbrecher!

Also Überrumpelung!

Ich mache mich bereit und springe mit einem markerschütternden Schrei hinein. Die Tür fliegt krachend auf und zersplittert laut, während die Klinke eine Fliese an der Wand zerschlägt.

Von diesem Auftritt völlig geschockt steht mein Sohn wie vom Donner gerührt, zitternd am Waschbecken. Ich sehe noch, wie ihm etwas aus der Hand fällt, auf dem Boden zerbricht und die ohnehin im Bad bestehende Sauerei nur noch viel größer macht.

Er hatte Ordnungsdienst und ist sehr sorgfältig. Als alle den Klassenraum verlassen hatten, wollte er das unansehnliche Farbkissen für den Bienchenstempel seiner Lehrerin abwaschen. Nachdem er nun am Waschbecken des Klassenraumes schon ein gehöriges Unheil angerichtet hatte, wollte er es dort nicht übertreiben. Er packte es ein und nahm das Ding im Ranzen mit nach Haus.

Wer jemals versuchte, ein Stempelkissen zu waschen oder verschmierte Tinte im Haus zu entfernen, weiß, was ein Familienknecht leiden kann. Ich freu mich morgen schon auf das Geputze im Klassenraum unter den Augen und Fragen von 24 Kindern.

Aber die Handyaufnahme bleibt, die ist ein echter Brüller.