Das war ein echt harter Tag, völlig fertig bin ich. Halbtot sozusagen. Alles tut weh und Familienknecht sein hat mich heute wieder richtig ausgelaugt. Ich bin auch müde. Sehr, sehr müde. Und mein Kopf ist leer. Sehr, sehr leer. Also eigentlich alles wie immer.

Darum leg ich mich ins Bett und bin gerade beim so richtig beim Abnicken in Richtung Tiefschlaf. Da umfasst jemand meinen großen Zeh. Aber Hoppla, beginnt mein Hirn an der bekannten Turbostelle zu erwachen, diese Eröffnungstechnik ist aber jetzt neu. Schön neu. Meine vielen Gedanken konzentrieren sich schnell auf nur einen Einzigen und der findet sich blitzartig irgendwo in der Körpermitte ein. Noch während mein Gedanke mir ein wohliges Grinsen aufs Gesicht legt, geschieht weiter unten etwas anderes.

Mein Zeh wird jetzt ruckartig und schmerzhaft in alle vorher undenkbaren Richtungen gerissen, herumdreht und ausgedehnt. Der Grinsegedanke blendet sich dabei aus wie im Film. Ich muss dem Schmerz ausweichen, muss mich bewegen. Jetzt! Wollte ich eigentlich gerade unbedingt vermeiden. Eher still liegen bleiben und genießen, was da kommt. So ziehe ich das Bein doch mal weg, um wieder intensiv an der Gedankeneinblendung anzuknüpfen. Da kräht es auch schon los:

„Papa steh jetzt endlich auf, ist schon fast halb sehechs, wir wollen doch den Text machen“

Halb sechs, da muss ja die ganze Nacht schon rum sein. Mein Gedanke findet nun sehr schnell den Weg zum Hirn zurück. Da angekommen vernichtet er sich wie eine Geheimdienstnachricht sofort von selbst. Leider vollständig und für wer weiß wie lange.

??? Hä- Text ??? Keine Ahnung, hab ich noch nie gehört. Kann es sein, dass das Kind beim Schlafwandeln jetzt auch phantasiert? Wenn man da jetzt ganz doll nicht reagiert, geht es  wieder ins Bett, hoffe ich.

Ich beschließe fest, dazu jetzt eisern zu schweigen. Da höre ich mich auch schon fragen: „welchen Text denn?“

Na bitte, das war´s dann!

Zwei Minuten später sitze ich am Computer. Nebenbei durfte ich mir vorwurfsvoll anhören, dass ich ja gestern so lange arbeiten musste. Nur deswegen muss ich heute so früh raus. Und bevor ich diese Logik nachvollziehen kann, erfahre ich, dass nur ich allein noch die Schularbeitsgruppe retten kann.

Die Einführung in das Thema erfahre ich dumpf im Schlafnebel. Und weiter: der Gruppenvortrag soll schon recht  ansprechend sein, braucht aber nur 10 Minuten dauern. Ach ja, zum Lernen des fertigen Vortrags braucht das Kind etwa eine halbe Stunde. Und ich solle ja nicht vergessen: um halb Acht geht Schule los –aber ich könne ja heute mal mit dem Auto chauffieren. Frühstück will man natürlich auch noch. Selbstverständlich.

Kann das ein einfacher Tag werden? Aber ja! Er wird es, denn der leichteste Tag eines Familienknechts ist immer: Gestern.