Samstagsdepesche
Es ging streng wissenschaftlich zu. Internationales Reihenexperiment der Lebensmitteltechnologie. Wir hatten das Thema angekündigt und vorbereitet. Arbeitsgeräte lagen bereit, der Versuchsaufbau war pedantisch – geradezu perfekt- erfolgt!

Erkenntnis gewinnend, saßen wir drei Männer am Küchentisch und stritten wie die Kesselflicker. Es ging um Önologie.
Die Sache war seit Stunden irgendwie festgefahren. Niemand wollte seinen Standpunkt aufgeben. Kamen wir scheinbar zu einem wissenschaftlichen Konsens, glitt das Thema vorsichtshalber in philosophische Tiefen ab. So wurde es auf eine andere Ebene gehoben und begann praktisch wieder von vorn.

Wir rangen ums Ergebnis, konnten aber partout keine Einigung finden, ob die diskutierte Rotweinflasche nun schon Depot bildete oder nicht.

Diese schwierige Frage lässt sich nur klären, wenn man den Inhalt einer Flasche vorsichtig in eine Glaskaraffe gießt. Also dekantiert.
Der Wein ist sofort überflüssig und wird praktisch nicht mehr benötigt. Um den geht es ja gar nicht! Man analysiert ausschließlich den verbleibenden Rest in der Flasche.
Ein Ergebniskonsens war jeweils nicht möglich. Darum ging es zügig zur nächsten Flasche. Leider benötigt man aber für das nächste Experiment wieder die leere Karaffe. Wir hatten nur eine.

Einigkeit konnte immerhin darüber erzielt werden, dass für die Wissenschaft jeder Opfer bringen muss. Unter diesem Druck wurde einmütig beschlossen, der drohenden Dehydration der Diskutanten entgegenzuwirken. Nicht aus Eigennutz, sondern um eine lange wissenschaftliche Auseinandersetzung zu ermöglichen!

Trotz einer Vielzahl durchgeführter Versuche, wurde kein Ergebnis erreicht. Gegen Ende der Diskussion am frühen Morgen wurde es auch immer schwieriger, den Problemkern zu finden. Oder ihn wenigstens etwas verständlich zu beschreiben. Es setzten teils längere Denkpausen ein.

Das Experiment musste also vertagt werden. Über den derzeitigen Ergebnisstand und die Höhe der Aufwendungen wurde Stillschweigen vereinbart. Einerseits um das wissenschaftliche Ergebnis nicht zu verwässern, andererseits um uns nicht vom Budget abzuschneiden. In der Problemdiskussion wird derweil weiter rein wissenschaftlich vorgegangen. Zunächst prüfen wir eine Änderung des Versuchsaufbaus. Vielleicht eine andere Karaffe. Wegen der Durchschnittswertermittlung klimatischer Verhältnismäßigkeit ist außerdem ein Ortswechsel in Betracht zu ziehen. Vielleicht in Raimunds Küche.