Den Frühling nehmen ortsansässige Tauben, Krähen und Elstern gern zum Anlass, die Anlieger etwas früher über den bevorstehenden Sonnenaufgang zu informieren. So ab halb vier. Das freche Federvieh hat einen Baum in der Nähe unseres Schlafzimmers als Thron und Zankapfel auserkoren. Lauthals wird der ergatterte Revierplatz in alle Richtungen annonciert und verteidigt. Welcher Luftschreier auch immer seine Klauen um die Zweige krallt, fliegt nicht freiwillig wieder fort. Mit viel Gekreisch und Gezeter wird er vom Nächst größeren Flugsubjekt vertrieben. Oder von mehreren. Auch ab Sonnenaufgang.

Dagegen muss man was tun. Dringend.

Also Männersache. Treffen um 1800 bei den Garagen. Jeder bringt vorsichtshalber eine Herrenhandtasche mit. Manni außerdem seine alte Knicker. Sicher verpackt in einer abgeschlossenen Kiste. Wir sahen uns an. Gute Idee! Wirksam.
A B E R : wer von uns sollte schon so früh halbwegs ruhig zielen können? Und wer, bitteschön, räumt gleich noch im Morgengrauen die krepierten Viecher weg, bevor die Kinder über die Haustürschwelle geschubst werden? Also anders. Irgendwie.
Was haben wir inzwischen nicht alles probiert: Vogelscheuche, Silberbänder in den Baum gehängt. Selbst eine nachts angebundene Katze hielt den Krach nicht aus und hat sich davon gemacht.

Wir treffen uns jetzt öfter und sind besser organisiert. Keine Herrenhandtaschen mehr, die Garagenlogistik steht. Fast jeder hat eine Kiste Hopfenblütentee im Kofferraum und etwas zu knabbern. Meist sind wir in Mannis Garage, da steht noch der ausrangierte Fernseher. Den haben wir kurzerhand in Betrieb genommen, für Nachrichten, Katastrophenmeldungen oder Fussball. Man kann ja nie wissen…

Klar testen wir gegen die Vögel weiter. Holger hat kräftige Steinwürfe aus dem Küchenfenster probiert. Hat aber schnell aufgehört, als es hinterm Baum klirrte. Aber er ist lernfähig. Gestern warf er mit der Katze. Die hielt die Zweige vogelfrei. Zumindest solange sie sich verzweifelt gegen den Absturz mühte. War auch nicht leiser. Danach kam gleich eine Flugratte und gurrte aufgeregt ein Viertelstündchen.

Das treibt einen echt früh aus dem Bett. Also um das Fenster zu schließen. Davon bin ich dann so müde, dass ich den vorsichtshalber den Wecker ausdrücke. Zum Glück muss der Hund irgendwann raus. Vormittags.