Hirnforschung ist ein weites und interessantes Feld. Sie gewinnt seit vielen Jahren stets an Bedeutung. Leider sind ihre wunderbaren Erfolge noch nicht jedem zugänglich. Und wenn ja, also wenn man sich mal so richtig in die Thematik reinliest, bleiben die Inhalte und richtigen Schlussfolgerungen den meisten Menschen trotzdem verborgen. So wie mir.

Die in der Hirnforschung anerkannten, ethischen Prinzipien der Autonomie und des Nichtschädigens hab ich leider mit Füßen getreten. Nicht, dass ich mich irgendwie daran beteiligte. Bewahre!

Von allen Dingen die irgendwie mit Hirn zu tun haben, bin ich ja sowas von dermaßen weit weg. Ich habe vielmehr das Wesen der Hirnforschung als Ganzes ignoriert.

Sitze darum seit drei Stunden im Keller und fühle mich besonders hirnleer.

Meine praktizierte Verfahrensweise brachte mich in eine, sagen wir, gewisse ethisch-rechtliche Konfliktsituation. Man könnte formulieren: die große Klappe vor dem Denkprozess hat mich mitten ins Desaster geführt. Aber das wäre eine unwissenschaftliche Formulierung und gehört nicht hierher.

Unbedachtheit ließ mich am Frühstückstisch festlegen, dass die Winterzeit vorbei sei und nun wieder die Räder benutzt werden. Gilt ab sofort für den Schulweg! Also nicht für mich. Die Bildungsverweigerer sollten gleich heute beginnen.

Schluss mit Autofahren! Also auch nicht für mich.

Die Begeisterung der Kinder fand keine Worte und blieb darum erstmal ganz aus.

Heulend und mit abgesprungener Kette stand aber der Milchzahnträger bald wieder vor mir und sagte trotzig, er käme nur zu spät zur Schule, weil ich zu faul wäre, ihn zu fahren. Dauernd würde die Kette abspringen, das wäre schon so oft passiert, aber ich würde ja nie zuhören und nix machen…

Aha, die gemeine Rache des Kleinfüßigen bestand also darin, mir fehlende Wartung vorzuwerfen! Na warte, dachte ich, da will ich mir jetzt aber auch mal was ganz Kluges überlegen. In diesem Moment hörte ich mich leider schon vor dem eben erst geplanten Hirneinsatz prahlen:

Hoho, Kette sei doch gar kein Problem, Pipileicht zu machen, hab ich schon im Kindergarten immer gaanz allein repariert, meine Kette…

„Na dann viel Spaß, das gucke ich mir aber nachher an“, sagte der Grundschullümmel und stapfte wütend zu Fuß los.

Oh ja, Kinder lernen sehr schnell aus Erfahrungen. Viele Kinder messen ihre Vollversorger darum nur noch an deren Taten. Ich finde ja, das ist eine sehr einseitige Betrachtungsweise der Komplexproblemnegierer. Und leider läßt mich genau diese Betrachtung gelegentlich in einem etwas ungünstigen Licht erscheinen.

Aber frisch ans Werk: Reparieren dauerte nur drei Minuten: Rad umdrehen, Muttern lösen, Hinterrad spannen und justieren, Schrauben fest, fertig!

Jaa, schon erstaunlich, was vor dreißig Jahren alles so ging mit den Rädern! Damals.

Heute musste ich direkt nach dem Rad umdrehen sofort an der doppelt fixierten Nabenschaltungsaufhängung kapitulieren.

Keine Ahnung, wie ich das alles erst ab, dann gespannt und später wieder fest bekommen soll. Nix mit „schnell mal“.

Sitze nun seit Stunden und versuche zu erinnern, was bei Hirnforschung über Problemlösung stand. Werde weiter überlegen.