Archive for April, 2011

Als Familienknecht habe ich ein tiefes Vertrauen darauf, dass das Leben weiter geht und sich alles irgendwie richten wird. Und damit meine ich keinen Fatalismus in Reinkultur, sondern eine Art tief innewohnendes Gottvertrauen auf die Weisheit meiner Knechterin. Nur manchmal bringt sie mich damit an den Rand des Wahnsinns. Also genaugenommen jetzt.

Die Analyse unserer Altersvorsorge ließ sie erkennen, dass zügiger Handlungsbedarf gegeben sei. Erst einmal für mich. Denn schließlich müsse man sich die Arbeit ja gerecht teilen.

Und das sieht so aus, dass ich vorerst mal den leichten Teil übernehme:

Ich suche intensiv nach den mir von ihr vorgegebenen Kriterien nach Immobilien in Berlin. Dann schau ich mir die besten 30 – 40 vorab an und gebe die Top 5 zur Entscheidungsvorlage an sie ab.

Dann beginnt ihr schwerer Teil: Sie wägt ab, ob tatsächlich alle 5 in Frage kommen und dann schauen wir uns die übrigen gemeinsam an, bevor sie entscheidet. Toll, was?

Das führt dazu, dass ich bis zu viermal am Tag durch die Stadt düse, fast nebenbei noch arbeite und dann zum Ausgleich am Abend meine Bad- Baustelle bis gegen Mitternacht weiterführe. Und da ist er dann, der Rand des Wahnsinns.

Wie lange das so weiter geht kann jetzt noch niemand sagen. Permanenter Stress bei gleichzeitigem Termindruck und anhaltender Abstinenz soll ja schon zu Geistesschäden geführt haben. Manch einer wurde vielleicht schon beim Gedanken an Gottvertrauen gleich zu ihm befohlen…

Es ist verrückt, was den einen Menschen passieren kann, während anderen wiederum nie etwas passiert. Oder jedenfalls niemals das Gleiche wie den einen oder auch nur annähernd. Das ist bestimmt eine Gesetzmäßigkeit. So eine Art Teufelsgesetz, denn es trifft immer genau die, die es am allerwenigsten gebrauchen können.

Da ist mein alter Freund Ludwig: Ein toller, kluger Hecht. Attraktiv, sehr sportlich, super durchtrainierte Figur, selbstbewusst, mit Kohle und einem Uni- Diplom in der Tasche.

So war er früher. Lange her. Anfang der 90er Jahre fuhr ihm eine Krankheit in den Kopf. Wasch- und Kontrollzwänge prägen seitdem jeden seiner Tage. Phobien und völlig diffuse  Ängste vor Verunreinigungen und Ärzten peinigen ihn. Keine Frau, keine Hilfe von der Familie, niemand zum reden. Wenn er spricht, muss man hinterher lüften, um die negative Energie rauszulassen. Er fristet ein sehr kärgliches, elendes und klinisch reines Eremitendasein. Man sieht ihm die Krankheit inzwischen deutlich an.

Am allermeisten hat er Angst vor Wildtieren, die ihn vermeintlich mit sonst was anstecken könnten. Darum meidet er Kontakt zu allen Tieren. Wie versteinert saß er am Besuchstag bei uns und musste erstarrt zusehen, wie sich der Hund immer genau auf seine Füße legte und die Katze nur um ihn schnurrte. Er war seitdem nicht wieder hier. Aber er telefoniert. Wie gestern Nacht um 0:30 Uhr mit mir.

Er parkte eben sein altes Auto. Das einzige Stück Status einer verloren gegangenen Welt, in seiner Kleinstadt. Da geschah es:

Zwei wild kämpfende und ineinander verbissene Marder rannten auf ihn zu. Sie balgten und sprangen, Sand und Dreck um sich schleudernd, auf sein Auto und dann darauf herum. Immer wieder: von der Motorhaube über die Scheibe aufs Dach und zurück. Keiner gab nach, Minuten lang. Das gab jede Menge Krach, fliegende Fellbüschel, Dreck, Lackkratzer und sogar Blutspuren auf der Karosse. Die Marder hatten es ernst gemeint.

Jeden kleinen Tierfreund hätte das Schauspiel unglaublich fasziniert. Ihn nicht!!

Erst nach zwei Stunden öffnete er die Tür und stieg aus. Dabei rieselte vielleicht etwas Sand auf ihn. Oder hätte rieseln können.

Das war zuviel! Drei Stunden lang musste ich ihm etwa hundert mal mantraartig versichern, dass das nicht ihm persönlich galt und er sich durch den bloßen Kontakt des Sandes mit seinem Auto nicht anstecken könne. Und im übrigen würden sich die Tiere nur dort streiten, wo sie sich wirklich sicher fühlten. Also liebten sie ihn. Sie suchten vielleicht ganz bewusst seine Nähe…

Danach glaubte ich fast selbst daran.

In diesem Jahr ist es irgendwie besonders. Erst dachte ich wie immer, aber nein. Irgendwie ist es diesmal richtig, richtig schlimm und hört nicht auf. Die Flatterhaftigkeit meines Hausdrachen findet kaum Winkel menschlichen Lebens, in denen kein Staub aufgewirbelt wird. Jedenfalls nicht in meinem. Die lange Winterzeit ließ sie scheinbar etwas an Trägheit zunehmen, die nun um so stärker abgeschüttelt werden muss. Vor allem durch die Tätigkeiten anderer.

Die Küken wurden zuerst vor diesen Angriffen geschützt. Es sind gerade Ferien und sie kamen per Kinderlandverschickung zu den Großeltern. Also blieb nur noch ich. Ich hatte auftragsgemäß alle Fliesen im Bad abgeschlagen und war gerade beim Fliesenkleber anrühren als sie meinte, wir sollten mal echt was für unsere eigene Altersvorsorge tun. Okay, dachte ich, vielleicht solltest du dir wirklich ein Hemd bei der Arbeit anziehen. Aber sie meinte es ernst.

Alterspyramide, Rentenlüge, Inflation und andere Horrormeldungen warf sie mir verbal in den Kleistereimer. Ich dachte schon, das wär´s dann und wollte grad losarbeiten aber im Weggehen ordnete sie an: „Kümmere dich mal darum, am besten morgen.“

Klar, dachte ich mit Blick auf das abgerissene Bad: kann man ja mal machen, wenn schon nichts zu tun ist…

Also am nächsten Tag erst mal bei der DVAG einen Termin für ein unverbindliches Beratungsgespräch gemacht.

Ich kann nur sagen: wenn man für sich selbst seine Altersbezüge vorgerechnet bekommt, sitzt man erst mal sehr, sehr blutleer da. Mir war angesichts der beklemmend niedrigen Zahlen stark schwindelig geworden. Was da in Zukunft auf uns zukommt, hätte ich ja auch nicht für möglich gehalten.

Na egal, die Fliesen sind bezahlt, jetzt müssen sie erst mal ran. Dabei kann ich ja schon mal drüber nachdenken, was für uns sinnvoll ist. Dass es dringend nötig ist, durfte ich ja inzwischen einsehen.

Hatte das Huhn also mal echt fett getroffen.

Softeis – retro total

Ein Temperaturwarnschuss des Sommers vor den Bug der Stubenhocker schreckt die Knechtfamilie.

Tagelang hatte ich mit der Fahrradreparatur zugebracht. Nun folgt unweigerlich die Nagelprobe:

Geheimtipp der Knechterin: coole, alte Eisbude in Müggelheim.

Voll retro: Softeis, wie in der DDR

Original Eisbecher aus den 70ern! Ein echtes “musse seehn”!

Nur am Wochenende und nur bei Sonnenschein.

Aber: Ein Muss!

Radelt man die Wege durch den Wald, vorbei am Müggelsee so, dass die Nörgelei der Kinder nicht hörbar ist -dann ist es sogar entspannend.

Vorbei an allen Versuchungen!

Da! Tatsache, die uralte Eisfahne hängt vor der kleinen Hütte an der Buswendestelle!

Anstehen vor dem Ausgabefenster gehört dazu, wie vor 30 Jahren. Gute Arbeit braucht Zeit. Trotzdem, alle sind fröhlich.

Rotznasen erhalten großväterliche Tagesbelehrungen: „Hier hat Opa schon mit der Ur- Omi Eis geholt, als ich noch ganz klein war.“

Wirklich Retro-Look. Mit Bedacht so, wie damals. Schwedenbecher aus Original- Plaste und Alu- Eisschalen wie damals. Unschlagbar.

Sogar originale, kleine Eislöffel mit Namen drauf haben die von damals noch. Uns schenken sie gleich zwei: KARIN und OLAF!

Neben Getränken gibt es eigentlich nur zwei Sachen: lecker Softeis und: Currywurst.

Auf Porzellantellern angerichtet, mit selbstgemachter Currysoße und Pommes.

Erst Eis,

dann Currywurst,

dann Eisbecher mit Kaffee.

Schließlich fährt man ja auch zurück, da darf man schon mal…

Sei Generationen machen die selbst Eis. Das ist geblieben, zum Glück.

Es ist schwer, ein Gefühl aus der eigenen Kindheit von damals wieder in Erinnerung zu rufen.

Dort klappt es auf Imbissniveau. Und leckerer als im Prenzelberg war es allemal!

Respekt von einem, der genießen durfte.

Ablenkung erleichtert bekanntlich das Ausschalten geistiger Aktivität. Fasten wird darum gern in Gemeinschaft ertragen. Vor allem Hirnfasten.

Gehen zu DSDS ins Studio nur Einfältige oder steckt mehr dahinter? Viele sind überzeugt, dass es sich bei Dieterjunkies vorwiegend um Probanden handelt. Handeln muss.

Dort werden wahrscheinlich Testreihen an den mit teilhumanoiden Lebensformen durchmischten Versuchsobjekten im Publikum durchgeführt. Wie anders könnte man erklären, wöchentlich frenetisch jubelndes Publikum zu sehen?

Ziel der geheimen Experimente sind belastbare Erkenntnisse über Maximalleistungen des Hirnfastens.

IQ- Messungen am Ausgang zeigen einheitlich gesunkene Werte im Vergleich zum Eingang. Zur Differenzierung und Abgrenzung der Probandengruppen werden die Experimente in sogenannten „Staffeln“ durchgeführt.

Wahrscheinlich wird das Mentalfasten von der Pharmalobby vorfinanziert. Ist ja klar.

Nur so lässt sich dieses Phänomen erklären. Nur so.