Archive for Juni, 2011

Die Ambrosia Panik Theorie

Neulich waren wir von Freunden auf einem Pferdehof zum Grillen eingeladen.

Kein Schicki-Micki-Stall, wo die Pferde 23 Stunden am Tag in einer kleinen Box eingesperrt sind.

Nicht so was, wo überdrehte Töchterchen und steife ältliche Muttis in heller Reitmode ihre Zossen zweimal in der Woche dann rausholen und mit Kringelreiten quälen.

Nein, sondern ganz normale Leute mit Hirn, die klug genug sind, ihre Pferde gesund im Offenstall zu halten.

War sehr spontan und nett. Jeder brachte etwas mit. Feuerchen, leise Musik, coole Leute, gute Stimmung am Freitag Abend und man musste nicht nur über die Tiere schwafeln. Und es ging auch nicht andauernd darum, wie hübsch irgendwer auf einem Pferd über eine Stange sprang.

Irgendwann wurde es mir aber doch langweilig. Vielleicht ritt mich der Teufel ein wenig, als ich die beiden Typen am Grill ganz beiläufig fragte: „sagt mal, wisst ihr eigentlich wie Ambrosia aussieht?“

„Nö, wieso?“ „Na ich dachte nur, weil das Zeug doch so hoch allergisch für Tiere sein soll…“

meinte ich ganz beiläufig und ging wieder zum Tisch.

Was dann losging kann man gar nicht beschreiben. Panischer Gruppenruf forderte sofort zur  Unkrautkonferenz. Web-fähige Handys suchten emsig nach Bildern des bösen floralen Eindringlings.

Als man sich auf die Physiognomie verständigt hatte schwärmten sie mit Sicheln und  Handschuhen aus, um die böse, böse Pflanze vom Erdboden zu vertilgen.

War ein großes Gelände, dauerte was länger.

Als sie wiederkamen, war das Grillfleisch zugegebenermaßen noch fast warm. Allerdings war es eben nicht mehr ganz vollständig.

Aber die Ruhe zwischenzeitlich war wunderbar.

Bier gab es und Wein, Nachtigallen schlugen- alles ganz herrlich.

Ambrosia war aber wohl nicht da. Auch gut.

Und schön auch, dass mal jemand gefragt hatte…

Mein Mini- Huhn will diesen Sommer wieder baden. Und das, obwohl Küken eigentlich wasserscheu sind.

Eigentlich hatte ich schon erfolgreich abgewinkt. Dieses Jahr würde das nichts werden, denn im Letzten Jahr hatten wir ja soo eine Pleite erlebt, argumentierte ich im Frühjahr. Eigentlich war der Drops für mich schon gelutscht.

Ganz vorwurfsvoll legten mir die Kids vor ein paar Tagen Kroki (ja, der hat jetzt plötzlich auch einen Namen!) mitten ins Bett. Kroki ist der etwas ausgeblichene Schwimmhilfenkaiman vom Vorjah. Natürlich war er bestens aufgepustet und guckte erstmal gaaanz traurig…

Ich sollte dem nun hilfsweise laut und deutlich erklären, warum i c h keinen Pool wollte, während alle Kinder im Haus doch so gern einen hätten…

Wer kann das schon übers Herz bringen, wo Kroki auch soo süß guckt? Na was soll´s für die Kinder muss man halt ran. Macht man ja auch gerne. Sagt mein Großhuhn mir zumindest immer.

Letztes Jahr hatten wir einen Gummipool mit oberem Luftring und einer Nutzlosfilterpumpe mit zwei Schläuchen im Garten. Der war wohl zu flach. Den fanden zwar alle Kinder aus dem Haus und der Umgebung toll. Die Katzen abends aber auch. Die waren total neugierig, was die schreiende Kinderschar tagsüber darin so lustig fand. Sobald es Abends ruhig war, kamen sie aus der Beobachtungsposition und schlichen um den Pool.

Sie wollten selbstverständlich auch reinschauen. Immer wenn sie sich daran aufrichteten, bewegte sich durch ihr Gewicht der Luftreifen etwas. Miezi & Co. bekamen dann immer einen Schreck und fuhren ruckartig die Krallen aus. Zisch! Wahrscheinlich kein Pool dieser Welt trug im September mehr Flicken als unserer! Wir kamen mit dem Kleben gar nicht hinterher.

Dieses Jahr sollte es anders werden. Nach Budgetkontrolle und Ansicht im Baumarkt entschieden wir uns für einen aus Wellmetall mit Folie innen. Der sollte das aushalten. Nun steht er im Keller und wartete auf den, der ihn aufbaut.

Mal sehen wer diesmal der Dumme ist. Ich hatte ihn ja schließlich schon geholt!

Sonntag Mittag und am Tisch ist es still. Nur mein Blut pocht in den Schläfen. Sonst pocht da gar nichts und ich bin sprachlos.

Die wollen nicht. Verweigern.
Machen einfach nicht mehr mit.
Einfach so und man kann nichts tun.

Ich habe alles probiert. Mein Zankeisen auch.
Also wir. Da waren wir uns einig.
So viele Worte umsonst, alle Überzeugungsarbeit ist dahin.
Was haben wir nicht alles probiert:

Voressen, Beispiel geben, gemeinsam üben, Kinderkochtage nach Kochbuch. Sogar den „Wir kochen gesund“ -Kurs im FEZ Berlin haben wir besucht.
War schon ätzend:
Hinfahren, warten, Kosteklecks essen, loben, und wieder nach Hause fahren zum Kleidung waschen- alles für den Zweck der guten Ernährung. Aber nichts davon ist heute geblieben.

Direkt nach Schnitzel und Semmelbröseln zieht das undankbare Racklewack die Teller weg. Kein Gemüse!!!
Auf meine Frage: „Aber warum nicht?“ rufen sie:

„Nein, nein Papa, wir wollen nicht sterben, wir wollen doch noch so gern leben!“

In meinen, sagen wir mal wohlmeinend,
ungläubigen Gesichtsausdruck hinein
fragten sie: „Ging EHEC etwa völlig an dir vorbei? An Gemüse kann man sterben, weißt du das etwa nicht?!“

Ich pack das nicht noch mal!
Keinen Lebensmittelskandal haben wir als Argument für Gemüse ausgelassen:

Schweinepest, Dioxin und Nikotin im Hühnerfleisch, Antibiotika beim Putensteak, Rinderwahnsinn, und, und, und…

Wir waren auf einem guten Weg und dann das.Um etwas Überzeugungsarbeit zu leisten, bestell ich beim Pizzaservice eine riesen Pizza mit allerlei Gemüse drauf; wie Tomaten, Zwiebeln, Brokkoli, Auberginen und natürlich lecker Käse oben drauf. Da macht Gemüse essen wieder Spaß!

Aber ich bleibe dabei:
Nur böse Menschen können darüber nachdenken,
dass ausländische Fast Food Firmen
an Viren forschen.
Es gibt keine Weltverschwörung<.

Und wenn doch, dann wenigstens mit viel Geschmacksverstärker!

Es begann alles so schön. Dieser besondere Sonntag sollte endlich mal so richtig frei sein. Ich wollte nix tun, also mal gar nichts. Endlich!

Ein Sonntag wie praktisch alle anderen auch. Diesmal war das Nixtun so richtig echt geplant und ich hab mich lange drauf vorbereitet. Aber auch echt drauf gefreut. Das machte den heutigen Tag zu etwas ganz besonderem, etwas Bleibendem eben. Soo schön sollte es sein!

Und dann der verheerende Anruf: Raimund fragte unsere Bälger ob sie gemeinsam mit seinen ins Kino gehen: Kung Fu Panda II gucken. Erst war ich ja froh, die Blase mal für zwei Stündchen los zu sein. War wohl auch ganz nett der Film. Hape Kerkelings Stimme als Panda kommt wohl auch ganz gut.

Als sie zurück kamen, haben die Bälger erst mal eine halbe Stunde lang, mit Besen und Schrubber bewaffnet, sämtliche Kinokämpfe vorgeführt. War das ein heilloses Geschrei!

Mal abgesehen vom ohrenbetäubenden Krach heute, wird erfahrungsgemäß irgend ein Aufsichtsnotleidender Nachbar spätestens morgen früh das Jugendamt über ungewöhnliche Geräusche und Kinderschreie aus unserer Wohnung informieren. Dann stehen bald zwei amtlich-neugierige Birkenstocklatschenträger in der Tür und wollen sich überzeugen, dass es den „lieben Kleinen“ gut geht. Meine Knechterin fängt schon mal augenrollend an den neuen Staubsauger aus der Abstellkammer rauszuholen und aufzuräumen.

Damit es mir auch gut geht, hab ich die nächsten zwei Stunden damit zu tun, einige verbliebene Restscherben aus dem Wohnzimmerschrank zu brechen um die Arbeiten für den Glaser vorzubereiten. Wenigstens Besen und Schrubber sind noch ganz.

Das musste ja so sein. Gerade heute.

Gute Idee das Kino, danke Raimund. Mach weiter so, bist eben ein echter Freund!

Sonntagmorgen halb sieben und es gab unten schon Krach. Dauernd drückt so ein Idiot auf die Klingel und wummert gegen die Haustür. Ich sitze am Küchenfenster und sehe einen blutverkrusteten und verdreckten Mann zitternd außen am Hauseingang sitzen. Er hat keinen Schlüssel und kommt nicht rein. Sitzt da wie nach intensiver Beendigung einer längeren Durstphase. Er hat nichts an außer Unterhosen und Fenripp. Aha, denke ich: also Durstende mit Poker!

Schaue näher hin. Der eigentlich sympathisch wirkende Typ tut mir nun leid. Es ist ja viel zu draußen kühl und er ist auch noch pitschnass von Kopf bis Fuß. Auch das noch! Eigentlich müsste doch gleich jemand kommen und sich um den bedauernswerten Menschen kümmern. Man sieht, dass er es nötig hat und auch sehnlichst erwartet. Macht aber keiner. Kann ich gucken wie ich will. Nachbarn sind das!

Dass er da sitzt geschieht ihm aber auch ganz recht, finde ich nun. Weil er einfach eine zu große Klappe hatte und seine Wette verlor. Und außerdem, weil er sich dauernd mit allen anlegt. Was muss er auch den Kids das Radfahren verderben, indem er im Hof ein Nagelbrett in der Fahrlinie an der Wäschestange vergräbt…

Fischt er dann als Wetteinsatz den Pool in Unterhosen sauber, dann kann es schon mal sein, dass die Kids sich ranschleichen und ihm die Klamotten klauen. Dann gehört es sich aber für ihn als gesetzten Mann auch wiederum nicht, denen in Unterwäsche brüllend hinterher zurennen. Merkt der gar nicht, was sich gehört?! Sind sowieso schneller mit den Rädern. Das weis er aber jetzt auch. Hätte dazu nicht erst im vollen Lauf auf dem Schotter hinfallen müssen. Ist er aber. Den Schrei und das Fluchen hat man bis hierher gehört. So sitzt er nun da unten und wartet. Geschieht ihm ganz recht, diesem Trottel. Muss man so einen peinlichen Typ als Nachbar dulden?!

Dann klappert es plötzlich und meine Knechterin steht unten in der Haustür. Ich höre sie sagen: Los komm jetzt bevor dich wer sieht, du schaust aus wie ein Penner. Und ich bin so glücklich, dass sie das sagt und folge ihr sofort nach oben. Den Mann an unserem Küchenfenster habe ich danach nicht mehr gesehen…