Archive for Juli, 2011

Wahrscheinlich gibt es in jeder Familie irgend Eine(n), der meint, sich auf das Kochen zu verstehen. Wenn dann auch noch ganz besondere Geschmäcker oder Vorlieben dazukommen, kann das für die Anderen mächtig hart werden.

Bei uns nicht. Wir mögen alle Gemüse  -das sagt zumindest die Knechterin.

Die Knechterin mag Gemüse tatsächlich. So richtig viel und am besten noch ganz Natur. So sehr, dass es im Mund noch so richtig schnurpst, wenn man kaut…

Männer im allgemeinen sind ja zurückhaltendere Gemüsefans, aber das können Frauen so nicht akzeptieren. Meine Knechterin arbeitet mit ihrem Gemüse seit Jahren hart an mir herum und meint, sie hätte mich schon etwas umgekrempelt:

Eigentlich, lautet ihr Fazit, bin ich als Knecht ja ganz tief drin in mir jetzt auch schon so eine Art Vegetarier.

„Ja“ sage ich dann immer und denke bei mir: zumindest dann, wenn richtig viel Fleisch dabei ist. Also bin ich mehr so ein Fleischvegetarier, der zur Not auch mal Gemüse isst.

Wenn sie das unbedingt so will würde ich ja Gemüse sogar mögen – jedenfalls wenn´s nach Schnitzel schmeckt. Macht es aber nicht. Überhaupt: kann Gemüse schmecken? Rotkohl schmeckt doch auch nur, wenn adäquate Beilagen dazu kommen wie Rheinischer Sauerbraten oder Ente.

Um ihren Trend zu verstärken kocht sie unbeirrt ihre Gemüsefleischpfanne, und das geht so:

Etwa 50g mageres Geflügel (bloß nicht zuviel!) werden ohne Öl gut angebraten, gefühlte 8 Kg ganz vieler Sorten Gemüsestücken werden dazugegeben und mit etwas Brühe kurz erwärmt. Dann kommen Spirellinudeln und Gewürze dazu. Das Ganze zieht bei 80 °C ca. 10 Minuten und ist dann schon verzehrfertig.

Meint jedenfalls die Knechterin.

Und weil das sooo gesund ist, kocht sie immer gleich Unmengen davon.

Wir dürfen dann drei Tage lang gesund essen müssen.

Das Zeug steht dann also auch tagelang im Kühlschrank und allein davon bleibt man dann gesund.

Ja, macht man nämlich den Kühlschrank auf um sich mal so zwischendurch eine Scheibe Käse oder eine klitzekleine Knacker rauszuangeln, dann hat man die ganze Nase von dem Zeug voll und der Appetit vergeht.

Außerdem riecht es gleich in der ganzen Küche total verräterisch nach riesigem Gemüsepups. Und Frauen sollen das mögen? Ich versteh` die Frauen nicht!

Lautes Gegacker Sonntagmorgens in der Küche:

sie wollte raus.

Jetzt sofort, bald-gleich!

Wohin? In den Urlaub fahren!

Warum die Knechterin immer erst im Juli zur besten Ferienzeit auf diesen Gedanken kommt? Na weil da alle fahren!

Außerdem habe ich manchmal den Eindruck,
sie würde sich dann ganz gern vor den Kleinknechten brüsten,
nur s i i e e gaaanz allein
wäre auf diese Superidee gekommen.
Papa fällt ja so was tolles nicht ein…

Das ganze Jahr über freue ich mich auf Urlaub und rede monatelang wie gegen eine Wand:

„Komm, lass uns heute schon mal was richtig Schönes raussuchen, jetzt finden wir noch was Feines und im Moment sind die Preise noch bezahlbar.“

Aber nein, da sind immer tausend andere Sachen zu erledigen. Und dauernd hagelt es von ihr beliebig Monatsarbeitsaufgaben wie:

„Du kümmere dich jetzt mal lieber um die Fliesen im Bad und die Wasseranschlüsse, das sieht aus da drin, so kann man ja nicht mal Gäste einladen. Und der Flur sollte auch schon längst gestrichen sein.“

Plobb – und schon ist sie weg, die schöne Urlaubsvorfreude…

Aber im Juli muss es dann schnell gehen. Dann mal eben so für Kind und Kegel und Köter einen Urlaub buchen ist eine echte Herausforderung.

Preiswert -versteht sich, sonst ist man ja kein richtiger Familienknecht.

Heuer geht es wieder an die Ostsee. In das gleiche Haus wie letztes Jahr. Wir treffen auch wieder auf die gleichen Bekannten wie im Vorjahr und vor allem die vielköpfig-vorlaute Rasselbande. Wir werden wieder jede Menge Spaß haben!

Diesmal werde ich mich aber viel besser präparieren:

Zuerst unendlich viel Spielzeug und Schnitzmesser für die Kids.

(Schnitzen hält sehr lange ruhig!)

Autan gegen Mücken, die besten Witze für Vermieter Rüdiger und jede Menge Magenbitter gegen die fette Nachbarin hab ich schon besorgt.
Kuschelkaiman Kroki ist im Koffer und für die Knechterin noch eine Überraschungsluftmatratze.
Das Auto ist fit und für mich nehme ich ein gutes Buch von Anne mit.

Kann eigentlich losgehen. Bin gespannt, was dabei raus kommt. Wünscht mir Glück!

Irgendwann erwischt es jeden.
Unsern Schlitzpapierkorb im Hausflur zu Neujahr.
Er wollte einen Ausflug machen.
Aber nur weil Andy Bettflucht hatte und noch um 06:30 Uhr jemanden zum gemeinsamen Endverdichten brauchte.

Ich hatte schon seit Stunden genug, die Klingel ausgestellt war am schnarchen. Wusste er aber nicht und wollte sich bemerkbar machen.

Dazu bindet der Mann, der auf seinen Ehrennamen Schwarzpulver-Andy besteht, ein paar polnische Sondereinkäufe zusammen und steckt sie funkensprühend in unseren Briefkasten.

Ich das Blechteil später auf der anderen Flurseite jenseits des großen Rußflecks. Jedenfalls das meiste, bis auf die Briefklappe. Kein schöner Anblick!

Andy war lieber noch vor dem Knall getürmt, stand aber am nächsten Tag ganz brav auf der Schwelle.

Dann hat er stundenlang mit Lappen und Eimer die Wand gesäubert. Strafe muss sein.

Später hab ich den Rechnungsschlund wieder provisorisch aufgehängt. Der war doch noch gut! Dachte ich jedenfalls.

Und was hält schon länger als ein Provisorium?

Das Teil wird aber wohl kein ewiges Provisorium bleiben.

Weil nun auch die Tür nicht mehr aufgeht, muss man nämlich alle Briefe mit spitzen Fingern herausangeln.

Männer schaffen das schon irgendwie. Mit Geduld und Spucke allemal.

Aber erklär das mal Deiner Frau, die sich gerade den zweiten Fingernagel daran ruiniert hat…