Ich hätte es kommen sehen müssen

So schöner Sonntag.

Zum Frühstück besorgte die Nachzucht frische Schrippen und Zeitung. Von meinen geliebten Kaffee, den ich mir immer bestelle, war zum Glück ausreichend da. Kaffee so wie ich ihn mag: mit einer Prise Salz und einer guten Messerspitze Kakao; dazu lecker Rührei.

Dann plötzlich gackerte mein Haushuhn und scharrte mit den Füßen: es wäre so langweilig und wir könnten uns doch mal bewegen heute.

Ich hatte nichts dagegen und sagte: „Könnt ihr machen, räumt mal schnell ab!“

Sie meinte mit Bewegen mehr: wir alle.

Ganz konkret meinte sie Radfahren.

Ich verwies mit Grausen auf unsere Urlaubstortour, die ich bis heute noch nicht ganz verarbeitet hatte.

Aber es nützte nichts: Plötzlich wollten alle eine Radtour machen. Die Knechterin hatte angeblich eine große freie Brombeerhecke gesehen und die schrie angeblich danach, abgeerntet zu werden.

Wieso sind da angeblich soo viel Brombeeren dran und wieso wäre sie die Erste, die auf diese Idee kommt.

Die Familie wollte unbedingt Konfitüre kochen und “zufällig” sei jede Menge Gelierzucker im Hause.

Ich ahnte Verschwörung doch es gab kein Entrinnen.

Als wir da waren sah ich eine Riesenhecke.

Unten herum war von Heerscharen vorbeifahrender Radler alles abgefressen worden.

Nur die oberen Beeren, meist ganz tief drin, waren noch dran.

Da die ganze Familie unbedingt volle Konfitürengläser wollte, mussten wir ran. Also mehr ich.

Die anderen Familienmitglieder leiteten meine schmerzenden Hände mehr verbal von außen.

Letztendlich ernteten wir eine Menge. Eine kleine zumindest.

Ich gab mir echt alle Mühe und musste abenteuerliche Gerüste bauen, um ran zu kommen.

Aber als ich vom Fahrradgerüst bäuchlings in die Hecke fiel, war der Spaß vorbei.

Für die anhaltenden Radfahrer war es ein Heidenspaß zu sehen, wie einer  in der Hecke liegt und flucht.

Niemand kann sich die hämischen Kommentare auch nur vorstellen, die man in dieser misslichen Lage hört.

Dabei mußte ich auch tief greifen um an meine Brille zu kommen, die den Weg zum Boden ganz allein gefunden hatte.

Mein Unfall war mir danach gut anzusehen.

Ich sah aus wie zwei Zentner Hackfleisch in zerrissener Verpackung.

Peinlich das Ganze. Montag im Büro musste ich vor den Kollegen abwiegeln und schnell was von Nachbars junger Katze sabbeln.

Ging auch erstmal gut, zumindest bis meine Knechterin Mittags bei einem Kollegen telefonisch besorgt nachfragte, wie es denn ihrem Gärtnerlehrling ginge…

Noch peinlicher!

Aber die Sorte ist echt lecker:

„Knechts Heckensturz”

Bio-Brombeer mit Ingwer, Zimt und Wildminze