Archive for September, 2011

Das sog. Privatfernsehen darf sich der verantwortungsvolle Familienknecht mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand der Familie nicht mehr anschauen.

Früher war er ein stiller Genießer. Zumindest sobald er eingenickt war. Heute muss er diese Sender schon aus Gründen der Herzinfarktvorsorge meiden.

Die von den Sendern extra superlaut eingestellten Werbeblöcke nerven und sind gefährlich. Zunehmend werden sie in ruhigen Phasen des Programms eingesetzt.

Beginnt die Kommerzunterbrechung, nehmen die Sender besonders hohe Beträge für den ersten Spot ein. Denn durch den Schreck des Krachs und den sofortigen Griff zur Fernbedienung schaut man zum Gerät und so brennt sich der Werbeinhalt ins Unterbewusstsein ein.

So wird Kommerzdreck regelrecht in die Köpfe laut getrommelt. Klappt auch bei vielen. Nur, das Schmerzensgeld für die unerträglich lauten Töne vereinnahmt  allein der Sender…

Aber dafür wird einem ja auch was geboten!

Toller unterschwelliger Sex beispielsweise.

Doch der ist manchmal auch gefährlich- sogar für die ganze Familie.

Wegen der männlichen Reflexe.

Jawohl! Zum Beispiel der allen Männern tief innewohnende Reflex der Hilfsbereitschaft. Der kann wie bei uns teuer und gefährlich sein.

Darum hat die Knechterin festgelegt: der Familienknecht schaut ab sofort keine Werbung!

Aus Gründen der Gefahrenabwehr!

Molkereiwerbung ist ja so potenziell gefährlich!

Da schreitet im Werbespot dieses hübsche Pärchen über die fette, grüne Bergweide…

Immer wenn die gut ausgestattete Naturmolkereiwerbeträgerin näher an die Kamera herankommt und sich zum Betrachter nach vorn zu einem Blümlein am Wegesrand bückt, passiert´s:

Die männliche Genetik wird direkt angesprochen.

Instinktiv und unter Ausserachtlassung aller Sicherheitsvorschriften springt der Familienknecht sofort hilfsbereit zur Mattscheibe auf, um das ihm massiv entgegenkommende Kaufargument aus dem super-extra-weit-tiefen Dekolleté aufzufangen.

Jedes Mal fliegt dabei das Teeservice um. Der Tee verbrüht die Anwesenden und das Geschirr geht kaputt.

Hilfe!!!  Kann mir einer sagen, was die im TV mit dem Spot eigentlich verkaufen wollen?

Hab ihn noch nie zu Ende gesehen, jedes Mal fangen am Abendbrottisch alle an zu schreien und es müssen wieder Tassen und Teller gekauft werden…

Irgend etwas muss der alte Mann aus Rom schon an sich haben, wenn wahre Heerscharen von Leuten nach Berlin fahren. Angeblich seinetwegen. Aus Polen rücken ganze Busstaffeln an, sogar große Radlergemeinschaften fahren von dort bis zum Ort der Messe. Im dicken Verkehr und bei dem vielen Gewirr, da ist der im Vorteil, der ein Moped hat.

Ja, so wie in Rom! Aus Italien ist nicht alles göttlich, sondern in erster Linie auch anscheinend praktisch. Zumindest mit dem Piaggio bei AutoScout24, fährt man immer gut – ob in Rom oder Berlin.

Dem gemeinen Familienknecht bleibt wieder nichts als höhere Kosten durch Umleitungen und ewig lange Standzeiten mit dem Auto in verstopften Straßen. So findet man wenigstens Gelegenheit, die so bekannte wie besondere Berliner Gastfreundlichkeit etwas näher kennen zu lernen.

Jeder routinierte Berlinfahrer kennt sich mit dem Kreisverkehr im „großen Stern“ rund herum um das Siegesdenkmal bestens aus. Auch wenn es viele Fahrspuren sind.

Auswärtige Autofahrer finden manchmal nicht so einfach den Weg um die „Goldelse“ herum. Und wenn ja, dann karjohlen sie ihre besonderen Fahrzeugkennzeichen oft quer durch mehrere Spuren zur gesuchten Ausfahrt. Was wiederum andere behindert und den Verkehr insgesamt mächtig ausbremst.

Grund und Gelegenheit ergibt sich in diesem Fall für Berliner allemal, denjenigen dann ordentlich in seiner Heimatstadt zu begrüßen.

Wie heute der Taxifahrer, der einem Münchener nach dem ausdauernden Anhupen durch die offenen Fenster zubrüllte:

„Eh du Vollpfosten, so kannste in dein Dorf fahrn- aba nisch hier!“

Der ältere Herr war ob der ihm so zuteil gewordenen besonderen Berliner Herzlichkeit anfangs schon etwas irritiert. Den stark türkischen Akzent hat er dabei sicher wohl überhört.

Auch schon toll, was Integration alles bewirken kann. Soll noch mal einer sagen, es hapere dem wackeren Berliner Droschkenführer an Sprach- oder Kulturkenntnis!

Dem würde ich aber den Weg zeigen...

Die Knechterin ist weg.

Macht echte Mädchenferien mit ihren Mädels und hat mich hier allein gelassen. Ganz allein!

Sitze nun schon seit ´ner Woche täglich für ein paar Stunden in der Depri-Ecke und schmolle. Nicht wegen der Knechterin, das ist schon in Ordnung.

Aber was soll das für ein Sommer sein? Haben schon September und noch immer ist nicht richtig Sommer gewesen. Kalt und Nass vom Himmel: das ist nicht schön und treibt einen in die Verzweifelung. Und zum Schmollen.

Aber ich, ich bin ja ein Steher! Ich kämpfe tapfer dagegen an.

Bevor es so weit ist, dass es mich völlig runter zieht, setze ich mich jeden Nachmittag mal ruhig mit einem Tumbler in die Küche und genehmige mir einen ordentlichen Muntermacher.

Und dann noch einen, weil man ja auf einem Bein nicht stehen kann. Manchmal, also meistens dann noch einen auf die erhoffte Wetterbesserung und doppelt hält besser.

Aber allein macht das auch keinen Spaß. Bald dürstet es mich nach Weisheit und Gesellschaft.

Irgendwann tippe ich wahllos eine im Telefon gespeicherte Nummer an. Wenn sich eine  Männerstimme meldet rufe ich in den Hörer: „Is so Schittwetter, kommste quatschen? Ich hab Whisky da…“

Wer könnte schon einen Freund seelisch verkümmern lassen, wenn er so flehentlich nach Hilfe ruft?

Und außerdem ist ja noch der Schottentee da.

Keinen Abend war ich in den letzten Tagen allein. Geredet wird ja unter Männern zum Glück nicht so viel. Ist auch nicht nötig: das Wetter ist wie´s ist.

Man muss nur etwas gegen die verdammten Depressionen tun.

Machen wir, versprochen

Die schönen Tage sind so selten und vergehen viel zu schnell.

Jetzt ist die Knechterin wieder da. Sie war auf Reisen und ich konnte hilfsweise die Nachzucht gängeln ohne mich selbst übermäßig beschäftigen zu müssen.

Adé du Glück der Abende mit Nachbarn an der Garage, vor dem Fernseher und dem Recht, das einzukaufen was man wirklich wollte.

Nicht nur, dass jetzt wieder plötzlich gesund gelebt werden soll. Nun soll ich auch plötzlich Kleidung für die freche Brut mit einkaufen. Angeblich würde es nun Herbst und da könne man doch die Kleinen nicht vor die Wahl stellen nur in Sandalen oder den mittlerweile besorgten Kinderstiefeln zu gehen. Schließlich bräuchten sie auch Jacken und so Zeug eben.

Was eignet sich dafür besser, als ein verkaufsoffener Sonntag? Weil einige schon Erwischte und viele Nochnichterwischte Design- Software- und Elektronikdiebe in Berlin ihre Waren auf teurem Messegelände öffentlich feilbieten, herrscht auch für alle anderen Berliner ein allgemeiner Einkaufszwang.

Okay, was sollte ich auch mit einem teuren a-phone 4 eines Herstellers, der den angefressenen Apfel für schick hält, wenn ich damit doch telefonieren will. Oder wenigstens meine Familienkalender synchronisieren möchte...

Und weil das bei denen nicht klappt, bleibe ich bei meinem alten Handy und kaufe lieber Kindersachen. Faule Äpfel sollen sich in anderen Kisten stapeln...