Archive for November, 2011

Heute hat die Knechterin wieder etwas für die ganze Familie entdeckt!

Kaum ist Totensonntag vorbei, mutiert sie wie jedes Jahr wieder zum Huhn. Sie scharrt mit den Füßen,  flattert wild herum  und hat eine Idee!

Achtung, Panik ! Noch viel schlimmer als das:

Weihnachts- Panik

Diesmal wird´s wirklich hart, unsere viel gerühmte Tante Ortrud hat sich mal wieder angesagt. So früh wie nie (damit wir schon mal planen können)

Aber auch so deutlich wie nie. Nämlich erstmal über fette Geschenkzusagen an die Kinder. Wir waren also machtlos ausgeliefert.

Na ja, Weihnachten ist das Fest der Familie und da kann man einfach nicht nein sagen. Nun müssen wir erstmal in alle Ecken kriechen und die Weihnachtsdekoration raussuchen.

Wir werden´s schon aushalten- wenn wir es denn bis dahin schaffen!

Denn vorher kommt ja noch Sankt Nikolaus. Und damit die Knechterin da nicht so kleine Pumps hinstellen muss, braucht sie unbedingt noch ein paar ganz heiße Schuhe! Hat sie gesagt.

Also, sie meint nicht irgendwie Winterschuhe oder so- das könnte man ja noch verstehen.

Nein, was richtig scharfes, meint sie- kann auch ruhig mal bisschen teuerer sein…

Seit Tagen fährt bei uns nun ein Transporter nach dem anderen vor und lädt beängstigend viele Kartons ab. Ich kenn sie inzwischen alle, die Fahrer von Hermes, DHL und UPS.

„Nur zum probieren, die kauf ich nicht alle“ meint die Knechterin und wollte mich beruhigen.

Aber ich kenn sie doch! Sind alles keine Badelatschen, von denen braucht man höchstens ein oder zwei Paar. Und ich vermute mal, dass nachdem sie die "scharfen" Schuhe gefunden hat, auch noch auf der Suche nach den passenden Ledertaschen ist.

Und angesichts der „klitzekleinen“ Auswahl, die sie dann „nur“ behalten will sehe ich mein Weihnachtsgeld schon wieder wegstöckeln…

Alle Jahre wieder hängt man als fürsorglicher Familienknecht am Euter der Medien um sich über die ja auch richtige Wahl der Winterpneus zu informieren.

So viel steht nach dem großen Test eines Autoclubs wohl fest: runderneuerte Reifen halten zwar eine Weile aber sie bremsen halt nicht gut.

Winterreifen sind ja nun auch Vorschrift, insbesondere wenn man an die beiden letzten Winter denkt. Also muss es wieder mal sein.

Da wünsch ich mir für die kommenden Monate sofort mal schnell eine globale Erwärmung in Berlin- natürlich nur für den Winter aber das dafü mal dalli!

Dann dreht man den Energieversorgern wenigstens etwas eine lange Nase und kann leben ohne täglich Schnee zu schippen.

Was die Reifen betrifft bin ich zu meinem Freund Ebse, dem KFZ- Fuddler meiner Lieblingswahl gefahren.

Ich hab ihm gesagt, dass ich nunmehr das Leben und die Unversehrtheit meiner geschätzten Familie in seine großen und ölverschmierten Hände lege. Er solle klug entscheiden, welche er nimmt und wie viel er für die Gummiringe haben wolle. Natürlich sollten es schon die Besten sein.

Aber wenn ich daheim zu viel abrechnen müsste, ließe mich die Knechterin nie wieder von der Kette und käme statt dessen selbst zur Preisverhandlung her. Schließlich kenne er sie ja und ob er das denn so wolle.

Fazit: so billig hätte ich woanders nie welche bekommen.

Ein guter Ruf als netter Kunde beim Handwerk ist eben Gold wert.

Sonntag Morgen. Sitze seit 04:00 Uhr still in der Küche.

Ist eigentlich nix dabei, hab ich früher auch schon gemacht. Zuerst mit 14, als ich zum Angeln und heimlich rauchen fuhr. Damals musste ich öfter auf meinen Freund warten, weil sein Motorrad nicht ansprang. Später, als die Amis Boxen übertrugen saß ich wieder.

Heute sitze ich einfach nur da und betrachte das langsame Ausbreiten der Schweißränder unter meinen Achseln. Dafür muss ich diesmal weder aus dem Haus gehen, noch an irgendwas sportliches überhaupt denken. Muss nur immer mäßig Kaffee nachgießen.

Geht gut inzwischen.

Und an die Knechterin und ihre Weihnachtsgeschenke denken muss ich.

Kein Problem? Und was das aber für eins werden kann!

Nicht, dass die Knechterin nachtragend ist, neiiin!

Aber sie vergisst auch nichts! Auf alle Fälle nichts, was zu Weihnachten war

– und vor allem vergisst sie nicht, was  n i c h t war!

Worum geht es denn bei Weihnachtsgeschenken für Frauen? Es geht für Männer um einen Tanz auf des Messers Schneide.

Wenn man da nur um Haaresbreite daneben liegt, kann man ganz schön abrutschen. Und das tut sehr lange weh- nicht nur am 24. Dezember. Hallelujah!

Wie einfach ist´s bei Männern: Akkuschrauber, Bitsatz, Flasche Whisky- alles gut, so sind wir immer bestens gelaunt.

Womit kann man aber in diesem Jahr bei ihr richtig liegen? Nachdem über´s Jahr  schon ´ne Menge Klamotten, etwas Schmuck und Dutzende Schuhe in Haus kamen, muss es was ganz besonderes sein.

Nun hab ich ja schon öfter für uns tolle Dinge gebucht: damals die Fahrt im Panzer, den Hummer-Cross oder Lamborghini scheuchen, alles war cool. Aber irgend wie fand sie das nicht ganz so persönlich passend…

Wie ich mich so anseh, könnte ich jetzt gut eine Dusche gebrauchen. Und der Hals tut auch schon weh vom dauernden unter–die-Achsel-gucken.

Da hab ich den Einfall: ich buch ihr ein Wellnesswochenende vom Feinsten mit edlem Diner, Schokoladen-Massage und allem pi pa po. Das gefällt ihr bestimmt und ganz zufällig bin ich dann auch dabei.

Früh aufstehen und Schweiß vergießen lohnt sich also immer.

Und wenn es auch Angstschweiß ist.

Den familienknechtigen Ernährungsauswuchs missbilligend im Blick behaltend meinte die Herrin, es sei Zeit Sport zu treiben.

Also für mich jetzt.

Meinen Hinweis, ich würde in der Wohnung und sonst schon genug zu tun haben und könne mir die Zeit ja auch nicht aus den Rippen schneiden, ließ sie mit einigem Lob über meinen Fleiß auch gelten.

Ich freute mich innerlich über die anstehende Ruhe und war es –dämlicherweise- zufrieden. Allerdings nur kurz.

Dann holte sie zum Männerargumentevernichtungsschlag aus indem sie meinte, ich sollte trotzdem etwas Zeit erübrigen. Schließlich wäre ich zuletzt sehr schnappatmig und unbeweglich bei gewissen Übungen. Und sie wolle ja künftig nicht dauernd zu kurz kommen müssen…

Wer lässt sich das vorwerfen?! Kein Familienknecht!

Also kurz überlegt, dann ran ans Telefon und Unterstützung geholt.

Erste Wahl ist  Raimund. Aber statt mir Hilfsempfehlungen zu geben, meinte er noch, ich wäre in der Tat in letzter Zeit…

„Schöner Freund!“ dachte ich. Er erwähnte, in seinem Stall würde sich ob des Luxustumors in seiner Leibsmitte auch Widerstand regen. Der sei zwar liebenswert-besorgter Natur und hätte sich gottlob noch nicht küchenseitig ausgeprägt- aber man könne ja nie wissen. Vorsorge dahingehend und Bewegung an sich wäre vielleicht nicht verkehrt, er jedenfalls wäre dabei.

Na toll- wenn man mal Freunde braucht! Ich dachte eher, von ihm Ideen dagegen zu bekommen.

Was soll´s, dann eben Sport.

Wir zerbrachen uns bald darauf den Kopf und berieten mehrere Stunden im Kollektiv über die durchführbare Sportart.

Raimund und ich und eine anständige Flasche Whisky.

Wir sprachen lange. Vorsichtshalber erwähnte keiner das Wort Sport.

Raimund hatte dann die Idee.

Draußen stelzten gerade zwei Sportlerinnen im Postklimakterium mit ihrer Bewegungsfreude vorbei. Ich saß am Tisch und hörte nur das Klack-Klack der Sportwanderstäbe.

Aha, Nordic-Walking – die Stockenten.

Raimund stand am Fenster, drehte sich um und meinte:

„Das machen wir.“

„ ???! “

Ich schaute auf die Flasche und versuchte zu fragen: „wir gehen als Stockenten, meinst du das? War was mit dem Drink nicht in Ordnung?“

Ich fand den Fusel wie immer: schmeckte nach Pinselreiniger, drehte das Hirn und machte aus der Zunge langsam eine Rolltreppe.

Raimund meinte „Nein, nein wir machen das ohne Stöcker. Nicht wie die weibischen Stockenten, sondern wie die Männer, die Erpel eben. Wir erpeln!“

Ich hob den Kopf und sah ihn in dem Moment als Großbrillenerpel schnatternd vor mir. Ein irgendwie beängstigendes Bild, das man schnell runterschlucken musste.

„Echt, erpeln?“           „Jaaha!“

Also erpeln. Beschlossen und den Frauen zu ihrer Glückseligkeit verkündet. Als Zweites sammeln wir nun für die neue Sportart “Erpeln” jede Menge gute Argumente. Dann kommt die wichtige Ausrüstungsauswahl

(…und bald hoffentlich der erste Schnee und Weihnachten…)

… und dann wollen die Frauen ernsthaft etwas sehen. Ich glaub es geht los!

Im wahren Leben ist es manchmal so, wie es die Politik vormacht- oder genau umgekehrt:

kommt irgend ein Ereignis, dann muss „angemessen“ reagiert werden.

Passiert etwas, so erheben Politiker gern reflexartig und öffentlichkeitswirksam einige längst für selbstverständlich gehaltene Forderungen. Manchmal schießen einige zum „Abtesten“ der Reaktionen wohlbedacht über das Ziel hinaus, um sich auf das von der Öffentlichkeit gewollte Maß herunterstutzen zu lassen.

Hilfreich ist es für Politiker, eilig Arbeitsgruppen zu gründen um erst mal ein Konzept auszuarbeiten. Das zeigt Reaktion, heißt aber lange nicht, dass auch etwas passiert.

Die Reaktion dauert genau so lange, wie das öffentliche Interesse durch die Medien lautgeschrien wird. Nach dieser Halbwertzeit verständigt sich die Arbeitsgruppe stillschweigend darauf, das man wichtigere Aufgaben hat und das Problem kommt in die Schublade. Bis zum nächsten medialen Aufschrei.

Nicht so meine Knechterin! Wenn die ihre Arbeitsgruppe bildet (also mich) dann hält sie deren Tätigkeit auch am Laufen.

Ich dachte echt, sie meint es nicht so sehr ernst, als sie die  Suche nach dem  “Alterssitz” beauftragte. Ich schleppte ein paar Objekte an und hoffte auf Versenkung in der Schublade…

Doch anders als die Medien bei einem Problem treibt sie mich dauernd an.

Nicht genug, dass ich ab letzten Mai dauernd neue  Objekte suchen musste. Jetzt geht es in die nächste Runde, legte sie fest.

Zumindest erstmal für mich. Erkundigungen einziehen!

Was ist so eine Immobilie tatsächlich wert? Schließlich kauft man ja mit einer Immobilie viel mehr als z. B. eine Aktentasche. Gefragt ist darum eine umfassende Recherche und nicht nur ablesen, was der Makler schreibt:

Wo liegt die Immobilie, was war früher dort und was ist künftig geplant  (Flughafen, Autobahn, Einkaufszentrum, Grundwasserbedingungen, Bodenkontamination…) Und natürlich so Dinge wie Schulen, Freizeit, Nachbarschaftsumfeld u.s.w. Im Prinzip genau das, was der Familienknecht schon immer mal machen wollte. So als Donald-Trump-Sherlock-Holmes stundenlang unterwegs zu sein.

Wie gesagt, wenn man gerade nichts anderes zu tun hat und einem die Knechterin im Nacken sitzt…

Also kümmere ich mich bei den letzten drei Objekten nun um den tatsächlichen Immobilienwert. Neben der „Netzhilfe“ habe ich mich immer wieder stundenlang dort zu Fuß herumgedrückt um einen Eindruck von der Lebensqualität zu bekommen, die einen da erwartet. Man will schon wissen, welche Sprache dort gesprochen wird. Und was sagen die Kriminalstatistik und Sarrazin zu der Gegend?

Wenn man alles fein vergleichend zusammen trägt und dann auf dem Tisch vor sich hat ist´s schon schön. Da fällt die Entscheidung nicht sehr schwer.

Hoffe ich jedenfalls, sonst muss ich ja schon wieder los, im Auftrag der Knechterin…