Es war als Aufforderung gedacht, mich um die Pflichten eines Familienknechtes wieder mal besonders verdient zu machen.

„Diesmal gehtst du mit!“

So sprach die Knechterin und schon konnte ich nicht anders. Wie immer.

Mitgehen bedeutet die Eskortierung der Brut bei terminlich teillegalisierten Betteleien nach Süßigkeiten am amerikanisch festgelegten Kürbisgedenktag.

Na sei´s drum.

Vorher musste alles nötige vorbereitet werden. Halloween geht natürlich nur in der richtigen Verkleidung.

Darum wurden wieder mal des Familienknechts ehemals beste Klamotten kurzerhand für entbehrlich erklärt. Das gute weiße Hemd, na klar. Dazu die dunkle Festtagsfliege.

Gruselige Geisterhaftigkeit erfuhr mein dunkler Anzug, als Neonfarbe darauf gemalt wurde. Mit Hinweis auf die löchrige Haushaltskasse konnte gerade noch die Expropriation und Farbgestaltung meiner Schuhe unterbunden werden. Dies ist aber eher ein Grund, um endlich mal neue und günstige Anzüge zu kaufen und mich von den alten zu verabschieden.

Worin sollte ich ab morgen sonst malochen?

Mit den häuslichen Taschenlampengeistern machte ich mich bei Dunkelheit auf die Suche nach ausgehöhlten und beleuchteten Kürbissen. Die sind nämlich ein brauchbarer Hinweis darauf, wer Spaß dran hat und zum Geben neigt oder wer sich ob der Kleingeisterheere genervt fühlt.

Eine Menge Leute gaben freundlich Süßes um nicht Saures zu bekommen.

Viele kleine Geister haben sich echt Mühe gegeben und dann in Beuteln ihre frische und wachsende Karies singend und fröhlich von Haus zu Haus geschleppt.

Für einige waren es echt schöne Stunden.

Fies waren stehlende Banden halbwüchsiger Oberschüler. Die fingen an den Ecken die Kleinen manchmal ab und klauten ihnen das sauer ersungene Süße. Da machte sich die präsentable Ausdrucksfigur eines wohlgefütterten Familienknechts für meine Knirpse echt bezahlt!

Völlig daneben waren einige der Körperhöhe nach Größeren. Sie zogen mit gefüllten Wagen und Hackenporsche besonders präpariert herum. Es ging ihnen nicht um Brauch oder Süßigkeiten, sondern um eine ganz besondere Art des „Spaßes“.

Da flogen wahlweise Eier und Farbbeutel an die Fassaden der umliegenden Häuser. Einfach nur so. Die Schäden allein in unserer Strasse gehen in die zig-Tausende. Und da hört aber auch alles auf. Im nächsten Jahr geht die Knechterin mit und ich diene unserer Hausfassade als Security- Man hinter der Hecke.

Wenn ich da einen erwische…