Archive for November, 2011

Es war als Aufforderung gedacht, mich um die Pflichten eines Familienknechtes wieder mal besonders verdient zu machen.

„Diesmal gehtst du mit!“

So sprach die Knechterin und schon konnte ich nicht anders. Wie immer.

Mitgehen bedeutet die Eskortierung der Brut bei terminlich teillegalisierten Betteleien nach Süßigkeiten am amerikanisch festgelegten Kürbisgedenktag.

Na sei´s drum.

Vorher musste alles nötige vorbereitet werden. Halloween geht natürlich nur in der richtigen Verkleidung.

Darum wurden wieder mal des Familienknechts ehemals beste Klamotten kurzerhand für entbehrlich erklärt. Das gute weiße Hemd, na klar. Dazu die dunkle Festtagsfliege.

Gruselige Geisterhaftigkeit erfuhr mein dunkler Anzug, als Neonfarbe darauf gemalt wurde. Mit Hinweis auf die löchrige Haushaltskasse konnte gerade noch die Expropriation und Farbgestaltung meiner Schuhe unterbunden werden. Dies ist aber eher ein Grund, um endlich mal neue und günstige Anzüge zu kaufen und mich von den alten zu verabschieden.

Worin sollte ich ab morgen sonst malochen?

Mit den häuslichen Taschenlampengeistern machte ich mich bei Dunkelheit auf die Suche nach ausgehöhlten und beleuchteten Kürbissen. Die sind nämlich ein brauchbarer Hinweis darauf, wer Spaß dran hat und zum Geben neigt oder wer sich ob der Kleingeisterheere genervt fühlt.

Eine Menge Leute gaben freundlich Süßes um nicht Saures zu bekommen.

Viele kleine Geister haben sich echt Mühe gegeben und dann in Beuteln ihre frische und wachsende Karies singend und fröhlich von Haus zu Haus geschleppt.

Für einige waren es echt schöne Stunden.

Fies waren stehlende Banden halbwüchsiger Oberschüler. Die fingen an den Ecken die Kleinen manchmal ab und klauten ihnen das sauer ersungene Süße. Da machte sich die präsentable Ausdrucksfigur eines wohlgefütterten Familienknechts für meine Knirpse echt bezahlt!

Völlig daneben waren einige der Körperhöhe nach Größeren. Sie zogen mit gefüllten Wagen und Hackenporsche besonders präpariert herum. Es ging ihnen nicht um Brauch oder Süßigkeiten, sondern um eine ganz besondere Art des „Spaßes“.

Da flogen wahlweise Eier und Farbbeutel an die Fassaden der umliegenden Häuser. Einfach nur so. Die Schäden allein in unserer Strasse gehen in die zig-Tausende. Und da hört aber auch alles auf. Im nächsten Jahr geht die Knechterin mit und ich diene unserer Hausfassade als Security- Man hinter der Hecke.

Wenn ich da einen erwische…

Herbst ist auch iregendwie doof, dennnun wird´s echt ganz früh dunkel.

Seit wieder auf Winterzeit umgestellt wurde, weiß ich gar nichts mehr. Morgens im Dunklen zur Arbeit und Abends im Dunkeln zurück.

Dann bleibt zum Glück also völlig unklar, was ich so den ganzen Tag gemacht habe. Oder auch nicht.

Aber nicht nur das. Im letzten Herbst wurde ja bei uns eingebrochen.

“Glückwunsch”, sagte der Mann vom LKA, nachdem er wirklich die halbe Wohnung ganz und gar unnütz mit seinem schmierigen Pulver bestäubt und nichts gefunden hatte. Damit wollte er davon ablenken, dass ihm gerade seine volle Pulverdose runtergefallen und durch die Stube gekullert war.

„Glückwunsch, sie sind die ersten, die es in diesem Herbst getroffen hat…“

Na, Glückseligkeit sieht für mich anders aus und schmiert auch nicht so…

Keiner aus meiner Familie hatte in diesem Jahr schon wieder Lust auf einen Gruppenbesuch aus Moldawien. Man hatte sich schließlich schon ein ganzes Jahr entfremdet, nachdem diese Herrschaften sogar das Allerheiligste nach Wertsachen durchsuchten.

Also hatte ich für Licht und Lärm in der Dämmerung zu sorgen. Also ran an den Bildschirm und nach Lampen gesucht. Hat auch nicht lange gedauert und schon war was passendes dabei. Der Herrin gefiel meine Wahl, weil sie so die Haushaltskasse um eine weitere Leselampe und eine Leuchte für ihren Nachttisch schröpfen durfte. Wenn man eh schon Porto berappt…

Samstag soll bestes Wetter sein. Da steh ich draußen auf der Leiter und montiere Lampe und Bewegungsmelder an.
Mal sehen ob´s hilft.

Obwohl: was sollten sie jetzt noch klauen?