Eigentlich ist es jedes Jahr da Gleiche: man nähert sich dem 24. des letzten Monats und hat doch keine Ahnung, was man der buckligen Verwandtschaft gefahrlos schenken kann.

Klar, Onkel Edwin freut sich auch dieses Jahr wieder über die Flasche guten Whiskey und die freche Nichte Chinill bekommt einen Schein zugesteckt. Besser kann sie es gar nicht abfassen.

Bleiben noch die Traditionalisten.

Besonders meine ebenso fleischgewordene wie  überraschungssüchtig- traditionalistische Tante Ortrud. Sie besteht seit jeher lauthals und sehr offen auf einer ganz gewaltigen Überraschung unterm Tannenbaum. Es schickt sich einfach nicht, der Tante so profane Fragen zu stellen, was sie sich denn nun vom Christkind wünscht…

Sie würde es als persönlichen Angriff auf den Weihnachtsgedanken im Allgemeinen und ihren guten Geschmack im Besonderen sehen und nicht zuletzt als abscheulichen Akt gemeiner Weihnachtsbarbarei verurteilen.

Und dann würde sie mit Zeter und Mordio die Kübel der Unglaublichkeit mit all seiner Weltempörung über der ganzen Verwandtschaft und Bekanntschaft ausgießen.

Das kann so kurz vor Weihnachten keiner gebrauchen. Schon gar nicht wenn sich Tantchen zum Fest selbst eingeladen hat. Da hängt die Latte schon ganz schön hoch. Da spürt man sofort einen kalten Hauch im Nacken, als wenn die ganze Welt einen anstarrt und hämisch fragt: und, was schenkst du ihr nun?

Um hinterrücks schon darüber zu spekulieren, wie vernichtend Tante Ortruds Urteil diesmal ausfällt.

Und ganz plötzlich merke ich den kalten Schweiß wirklich: was schenken wir der Tante?!