Archive for Januar, 2012

Schnee zur Ferienzeit

Die Kleinknechte haben lange drauf gewartet und gehofft.

Mir war das weiße Zeug noch von den beiden Vorjahren zuviel. Aber nun kommt es ins Gleichgewicht und es wird alles wieder gut:

Schnee ist angesagt!

Aber was musste ich zuvor schon alles erleiden?

Die Knechterin hatte meine scheinbar unnützen Anschaffungen für den kommenden Winterdienst sogar öffentlich gegeißelt.

Ich gebe zu, den Kaufzeitpunkt hätte man noch etwas optimieren können. Aber das hätte die BSR auch machen können und trotzdem mußten dort die Fahrzeuge und Salzvorräte schon lange vor der angesagten Glätte angeschafft werden.

Dadurch gleich meine Reputation als Familienknecht in Zweifel zu ziehen, war wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen.

Meine liebes altes Zankeisen !!

Wie glücklich habe ich doch gestern auf mein Kachelmännchen geschaut und mit Freude den nahenden Schneefall beobachtet!

Frohen Herzens konnte ich angesichts des zu erwartenden Schneefalls nun daran gehen, auszupacken und das Wunderwerk einsatzbereit zu machen.

Was für eine tolle Maschine!

Blitzblank wird es alles sein bei uns und Oma Kasulkes Gehweg mach ich auch noch mit!

Angeben werd ich damit- wie eine Tüte Wintermücken!

Pah, Schneefall – wen juckt´s?

Meine Knechterin als Haushuhn “par excellence” schielte ja längst auf einen neuen Bauklotz.

Sie nennt den Erwerb einer Immobilie Altersvorsorge für unsere Familie.

Also muss ich los und suchen und suchen.
Wahrscheinlich es ist einfach ihre Art vor zu sorgen, daß ich schneller altere.

Denn das steht ja wohl fest wie der christliche Glaube in Deutschland:
An der Seite meiner Knechterin kann man richtig gut alt werden.

Jawohl, und zwar schneller und stärker, als man es je für möglich hielt!
Nach vielen Versuchen hatte ich ein Objekt gefunden. Es war ganz gut für uns und liegt im Budget. Das reichte aber nur bis hierher.
Eben fiel ihr mir nichts- dir nichts ein, ob ich auch daran gedacht hätte, dass unser neues Heim einen Treppenlift aufnehmen kann. Falls Oma oder Tante Ortrud bei uns einziehen…
Treppenlift?! Ja klar – nee!

Wie konnte ich nur darauf nicht achten?! Tausend Sachen hab ich noch nicht bedacht.

Z. B. an die ökologische Verwertung künftig zu wünschender Enkelwindeln hatte ich noch nicht gedacht…
Nun sitz ich wieder bei der Prüfung der Unterlagen- wehe wenn das nicht drin ist. Die Dinger sind heutzutage ja zum Glück nicht mehr die Fahrstuhlmonster von damals. Da passt schon was.

Oma zerren wir irgendwie liebevoll die Holztreppe rauf.

Und für die besonders liebe Tante Ortrud ist es ganz einfach. Da besorge ich vom ehemaligen Luftwaffengeschwader einen ausgedienten Schleudersitz.

Uuups…

Jeder tut, was er kann. Ich als Familienknecht auch.
Obwohl die Knechterin meint, ich würde meist genau das tun, was ich eben nicht kann – oder gar nichts, aber das sehr konsequent.

Und genau darum habe ich mir vorgenommen, es ihr zu zeigen und jetzt sofort richtig berühmt zu werden.

Einfach so, weil ich das jetzt eben so will.
Lange, selbst für meine Verhältnisse sehr lange, hatte ich darüber nachgedacht, wie man das macht, „berühmt werden“.

Schon nach vier Tagen kam mir die Idee:
Erst mal sehen was ich denn so kann.

Montagmorgen am Küchentisch begann ich ganz radikal mit meiner gnadenlosen Selbsteinschätzung.
Ihr kennt das: so ein großes, weißes Blatt mit Spalte links für „kann ich“ und Spalte rechts für „kann ich nicht“.
Zuerst das Leichte, dachte ich mir: die Spalte „kann ich“.
Also nahm ich mir einen Kaffee, setzte ich mich ran und begann wie ein Irrer zu schreiben.

Zumindest rangesetzt, angefangen und dann drüber nachgedacht hab ich.
Leider war mein Blatt mit der schonungslos ehrlichen Bestandsaufnahme auch am Mittwoch noch fast leer.
Aber nur fast!
In jeder Pause zwischen dem Nachlassen der Kaffeewirkung und dem übermächtigen Sitzschlaf schaffte ich es mit schier übermenschlicher Kraft des Geistes, meine Wissensvorräte auf das Blatt zu bannen.

Jedesmal ziemlich genau einen Buchstaben.
Nun saß ich also da und vor mir stand nach tagelanger Hirnmassage „ G d i n f s t “.

- Ich rätselte drei Tage herum, was das bedeutet- kam aber nicht drauf.
So´n Mist, wenn berühmt werden gleich so mies anfängt, hab ich auf den Rest gar keine Lust.
Also Taktikwechsel!

Oft hilft innere Ruhe und Sammlung.

Sie führt zur erhöhten Konzentration und befördert uns in eine neue Qualität des Denkens.

Praktisch ganz von selbst – und das ist mir von allen anstrengenden Tätigkeiten immer noch die Liebste.

So war ich den Rest der Woche ganz bewußt und aktiv abstinent.

Richtig doll abstinent –jedenfalls was das Schreiben betrifft.

Hab mich so halt ganz konzentriert auf den großen Durchbruch vorbereitet.

Ich warte aktiv auf den Anstieg meines inneren Berühmtheitspegels und bringe ihn kurz vorm Überschwappen ganz gezielt auf´s Papier.

Aber Obacht!

Dabei hatte ich mich gestern in einer Phase des Power-Relaxing mental einmal so richtig verausgabt. Fast völlig verausgabt!

Sofort musste ich davon weg und bin nun für ein paar Tage wieder im cool-down.
Der Zustand hält jetzt wahrscheinlich noch eine ganze Weile so an.

- Ich muss halt erst mal wieder locker werden, bevor es weiter aufwärts geht.
Man soll sich auch nicht zu verbohrt in eine Idee hineinsteigern.

Airbag zum Reiten

Hatte ich gegenüber dem mit seinem Familienknecht treu mitleidenden Leser schon erwähnt, dass vornehmlich Nachwuchsknechterinnen einen Teil ihrer Freizeit einem privaten und doch elitären Vergnügen kaprizieren?
Sie lassen es sich angelegen sein, einige Tage im Jahr dem stundenweisen Reiten von Pferden zu widmen.

Es beginnt wie immer:

Sie entziehen ihren Knechten eine gehörige Menge Geldes und machen sich direkt auf den Weg, der sie wie üblich zuerst in ziemlich kostenintensive Ausstattungsläden führt.

Edel ausgerüstet begeben sie sich sodann zum Pferdehof um bald auf einem Zossen ungebremst und scheinbar ganz und gar nur nach dem Pferdegusto wilde Kapriolen zu schlagen.
Nun, die Freude an den teils ungewollt-artistischen, equinen Einlagen ist sicher Ansichtssache.

Das eine oder andere Pferd vollführt nämlich hin und wieder gänzlich unerwartet gewaltige Bocksprünge oder plötzliche Richtungswechsel.

Oft sieht die Reiterin das ganz gelassen- und manchmal eben vom Boden aus.

Doch egal wie es ausgeht: überlebt die Amazone den wilden Ritt, wird für jegliche Ausbrüche des so edlen wie eigensinnigen Vierbeiners eine passende Begründung gefunden.

Völlig unabhängig von Art und Ausmaß des Unbill wird der große Grasfresser in jedem Fall geherzt, gepflegt und dazu mit Möhren und Leckereien vollgestopft.

Sogar gekuschelt wird, dass es nur so eine Art hat.
Leidensgenossen, gelb vor Neid kann man als Familienknecht werden, wenn die Schöne den Wallachhals umarmt und das Tier innig küsst! Welche Verschwendung!
Um die Ausfälle zahlender Reiterinnen gering zu halten, hat die Reiterhofindustrie Airbag-Westen entwickelt.

Die pusten sich schon auf, während die Peitschenhalterin den unerwartet schnellen Weg vom Sattel auf den Boden des Geläufs noch sucht ohne ihn finden zu wollen.

Freunde, geht hin und schaut Euch das einmal an!

Es ist bockkomisch, wie aus einer schlanken Amazone plötzlich eine aufgepustete Michelinfrau wird.

Obwohl, es erinnert einen an irgend etwas.

Manche Knechterinnen brauchen ohne solch eine Weste dafür spezielle Zuwendung…

Oder sie finden einen Familienknecht…

Die weibische Front wider den eigenen und männlichen Bauchspeck treibt zuweilen stilvolle Blüten.

Seit Tagen schon wird die Familie von der Knechterin mit Futter gesättigt, das einfach seinen Weg in den Karnickelstall nicht finden will.

Obschon es eigentlich dorthin gehört. Es ist schon erstaunlich, was der grobe Gemüsehäcksler nicht alles im Unterholz abseits der Landstraße erlegt und verkaufsfähig ausweidet.

Noch verwunderlicher ist´s, dass man große Teile davon tatsächlich auch magentechnisch reizfrei tolerieren kann. Ein paar Soßen und andere nicht unleckere Zutaten dazugegeben und schon füttert man damit die Familie ab.

Ich sehe vor meinem geistigen Auge in den 60er jahren Tante Ortrud im Sommer abends mit  Fahrrad und Drahtkorb hinten drauf ans Luch fahren um Futter zu sicheln. Die Futtergäste waren, freilich nicht wissend, dass sie später der höheren Küche geweiht seien,  stets  ganz versessen auf das Zeug.

Vielleicht waren damals auch ein paar heut längst verbotene, einjährige weibliche Pflanzen dabei, deren Blätter stark duften, wenn man sie anräuchert.

Ja, früher war die Natur noch in Ordnung.

Da hatte man so viel von dem auch frei wachsenden Kraut, da hat man es sogar zu Seilen verarbeitet und an Karnickel verfüttert…

Heute gibt es so wenig davon, dass Menschen es teuer unter der Hand kaufen und dennoch mit zusätzlich mit geschnittenem Tabak strecken müssen.

Aber Vorsicht liebe Naturfreunde, geht damit ja nicht rauchend zu nah an Bundesliga- Fussballtrainer oder TV-Moderatoren heran!

Sonst atmen die es noch ein und werden öffentlich verdächtig!

Passiv rauchen kann ja so schädlich sein!

Ein Glück, dass ich als einzig wahrer Familienknecht nur Interesse am essbaren Grünzeug habe (n darf).