Haustiere aller Länder, vermehret Euch!

Egal wo und egal was. Die Knechterin nimmt am Ende jede Kreatur auf, die sie in Gottes großem Tierreich heimatlos wähnt.

Kaum war unser Meerschweinchen verendet und die 3-tägige Staatstrauer vorbei, wurde über die Anschaffung eines Kleintierzoos nachgedacht.

Die Unterbringung des Viehzeugs ist bei dieser Verschwörungen zwischen Kindern und Knechterin üblicherweise kein Thema.

Selbst die vorsichtigste Frage danach würde mit einem „ach, Papa fuddelt da schon irgendwas…“ abgebürstet, wenn sie denn überhaupt gestellt werden würde. Was ich nicht glaube.

Der Familienknecht wird über die getroffenen Entscheidungen erstmal nur derart informiert, dass ihm am Samstagmorgen alle mitteilen, dass wir in Berlin gemeinsam einkaufen fahren…

Hoppla, da merkt auch der wohlmeinendste und schläfrigste Knecht auf. Noch nie hat die Familie einfach nur so eine gemeinsame Einkaufstour gemacht. Immer steckte ein Ziel dahinter.

Mitten während der Fahrt wird die Zielrichtung geändert und eine neue Marschrichtungszahl ausgegeben. So in der Art: „Wir wollten dich überraschen, wir fahren nicht einkaufen sondern zum …“

So wie damals, als ich mich in kurzen Hosen, T-Shirt und Sandalen überraschend im Sportkletterwald wieder fand. Der Ausrüster hat mich von oben bis unten irritiert gemustert  und gefragt, ob ich sooo wirklich klettern will. Was sollte ich darauf antworten?

Nun, ich hatte ja keine Ahnung und so was auch noch nie gemacht.

Zur Überlegung ob ich gewollt hätte kam ich gar nicht. Aber nun war ich schon mal da, und dann gibt es da noch ein ehernes Gesetz:

ein Familienknecht kneift nicht!

Also nickte ich, ließ mir das Gurtzeug umschnallen und stand zwei Stunden später als Vollkörperhackfleisch aus allen Rohren blutend wieder vor ihm. Sein mitleidiger Blick war vielsagend. Er sah mir an, dass ich zwischen den Bäumen Rutschpingpong gespielt hatte und er nutzte mich direkt als schlechtes Bekleidungsbeispiel für die nächste Gruppe.

Heute war es nicht ganz so schlimm.

Wir fuhren zum Tierheim und haben eine Kaninchendame geholt, damit unseres nicht so allein ist. Dabei hat der Familienknecht nicht mit ausgesucht, sondern sich im Hintergrund –sprich: an der Kasse- aufgehalten.

nebenbei, was die Menschen dort für einen Dinest an den Tieren leisten ist aller Ehren wert und darum hab ich auch noch schnell einen Schein in die große Tierheimspendenbox geworfen. Wir werden weiter unsere Tiere von dort holen.

Aber so erfuhr ich auch erst zu Hause durch ein lautes, nachdenkliches Ui, jui, jui… des Kleinknechts, dass die Kaninchendame vielleicht nicht ganz allein ist.

Na das hat uns gerade noch gefehlt: eine ganze Kiste voll Karnickel. Ich werde den allen Namen geben: Ragout, Rotkohl, Klößchen…

Aber im Ernst, ein paar aus der Kiste bringen wir dann wieder in Tierheim Berlin. Hoffe ich.