Archive for Januar, 2012

Seit Ewigkeiten lasse ich es mir so richtig wohl sein. Ich gehe nur meinen Freuden nach und streichle dabei zärtlich an meinen Lieblingen herum…

So jedenfalls würde meine Knechterin das nennen.

Genau genommen hocke ich seit gefühlten 14 Stunden in schmerzhafter Tiefkniestellung auf dem Betonboden der Garage und denke über mein Fehlverhalten nach.

Was habe ich nur getan?! Muss ich doch, wenn ich hier so Buße tue.

Konkret gesagt putze und pflege ich mit Werkzeug und Öllappen sämtliche technischen Großgeräte der Familie.

Was man so macht: nachziehen der Muttern und Schrauben, prüfen der Elektrik und herstellen der allgemeinen Betriebsbereitschaft für das Ende der Winterzeit.

Schließlich will die Knechterin gleich beim ersten Lärchengezwitscher wieder den alljährlichen Kampf der elektrischen Freilandschere mit den Heckenbrütern bis zum blutigen Ende führen…

Da muss man schließlich gewappnet sein.

Die faule Katze macht das ja nicht, die spielt auf der Straße lieber „wild rumrennen“ und freut sich, wenn die Autos schlingern!

An manchen Geräten ist gar nicht so viel zu tun. Der Bohrhammer ging ganz schnell und die Schneefräse hat schließlich noch den verkaufsüblich industriellen Ölfilm vorzuweisen. Zum Glück, bei diesem Wetter.

Ach bitte:

Wer kauft mir das spöttische Gesicht meiner Knechterin ab, wenn sie im Bekanntenkreis über die Sinnhaftigkeit und unbedingte Notwendigkeit meiner Neuerwerbung “Schneefräse” schwadroniert?

Hilft mir da jemand?

Hallo?!

Haustiere aller Länder, vermehret Euch!

Egal wo und egal was. Die Knechterin nimmt am Ende jede Kreatur auf, die sie in Gottes großem Tierreich heimatlos wähnt.

Kaum war unser Meerschweinchen verendet und die 3-tägige Staatstrauer vorbei, wurde über die Anschaffung eines Kleintierzoos nachgedacht.

Die Unterbringung des Viehzeugs ist bei dieser Verschwörungen zwischen Kindern und Knechterin üblicherweise kein Thema.

Selbst die vorsichtigste Frage danach würde mit einem „ach, Papa fuddelt da schon irgendwas…“ abgebürstet, wenn sie denn überhaupt gestellt werden würde. Was ich nicht glaube.

Der Familienknecht wird über die getroffenen Entscheidungen erstmal nur derart informiert, dass ihm am Samstagmorgen alle mitteilen, dass wir in Berlin gemeinsam einkaufen fahren…

Hoppla, da merkt auch der wohlmeinendste und schläfrigste Knecht auf. Noch nie hat die Familie einfach nur so eine gemeinsame Einkaufstour gemacht. Immer steckte ein Ziel dahinter.

Mitten während der Fahrt wird die Zielrichtung geändert und eine neue Marschrichtungszahl ausgegeben. So in der Art: „Wir wollten dich überraschen, wir fahren nicht einkaufen sondern zum …“

So wie damals, als ich mich in kurzen Hosen, T-Shirt und Sandalen überraschend im Sportkletterwald wieder fand. Der Ausrüster hat mich von oben bis unten irritiert gemustert  und gefragt, ob ich sooo wirklich klettern will. Was sollte ich darauf antworten?

Nun, ich hatte ja keine Ahnung und so was auch noch nie gemacht.

Zur Überlegung ob ich gewollt hätte kam ich gar nicht. Aber nun war ich schon mal da, und dann gibt es da noch ein ehernes Gesetz:

ein Familienknecht kneift nicht!

Also nickte ich, ließ mir das Gurtzeug umschnallen und stand zwei Stunden später als Vollkörperhackfleisch aus allen Rohren blutend wieder vor ihm. Sein mitleidiger Blick war vielsagend. Er sah mir an, dass ich zwischen den Bäumen Rutschpingpong gespielt hatte und er nutzte mich direkt als schlechtes Bekleidungsbeispiel für die nächste Gruppe.

Heute war es nicht ganz so schlimm.

Wir fuhren zum Tierheim und haben eine Kaninchendame geholt, damit unseres nicht so allein ist. Dabei hat der Familienknecht nicht mit ausgesucht, sondern sich im Hintergrund –sprich: an der Kasse- aufgehalten.

nebenbei, was die Menschen dort für einen Dinest an den Tieren leisten ist aller Ehren wert und darum hab ich auch noch schnell einen Schein in die große Tierheimspendenbox geworfen. Wir werden weiter unsere Tiere von dort holen.

Aber so erfuhr ich auch erst zu Hause durch ein lautes, nachdenkliches Ui, jui, jui… des Kleinknechts, dass die Kaninchendame vielleicht nicht ganz allein ist.

Na das hat uns gerade noch gefehlt: eine ganze Kiste voll Karnickel. Ich werde den allen Namen geben: Ragout, Rotkohl, Klößchen…

Aber im Ernst, ein paar aus der Kiste bringen wir dann wieder in Tierheim Berlin. Hoffe ich.

Es sind genau diese Momente, die das Leben komplett zerreißen und einen Familienknecht am Boden zerstören. Es zermürbt mich und macht mich völlig fertig.

Mit einem einzigen Ringeldingelding ist alles kaputt. Da hat man auf noch eins gar keine Lust mehr.

Müde und matt von der Wochenarbeit kam ich ins traute Heim. Und doch war ich sehr aufgeregt, ich hatte so dringendes zu berichten.

Gerade war ich dabei, der Familienknechterin von all den fantastischen Unglaublichkeiten in meiner Firma zu erzählen, für die ich mich aber so was von doll zum absoluten Schweigen verpflichtet hatte. So sehr zum Schweigen also, dass ich es ihr s o f o r t alles haarklein erzählen musste.

Zugegeben, es war angesichts des seit Tagen fortlaufenden Regens nicht besonders schön, erst hinterher die Schuhe auszuziehen. Aber es war zumindest der Nachricht und der gegebenen Situation entsprechend angemessen- meinte ich.

Gerade hatte ich begonnen und geschickt den ersten erzählerischen Spannungsbogen aufgebaut, klingelte das Telefon:

Ringeldingelding! — ? Und dann noch mal.

Die Knechterin rief gleich nach der Vorstellung der Anruferin  (natürlich eine Anruferin, was sonst?)

„Hallo Heidi, toll dass du anrufst“ und begann ein nach Frauenart typisches Ganzlangezeitgespräch ohne Luftholen…

Aber das wusste ich da noch nicht. Eigentlich wähnte ich mich selbst ja noch im Erzählfluss und dachte an ein Kurztelefonat.

Derweil stand meine Erzählhälfte auf und verschwand laut schnatternd in der Küche.

Heidi…, den Namen kannte ich irgendwoher- kann vielleicht eine Kollegin von früher sein.

Sie kommt bestimmt gleich wieder, hoffte ich.

War ja schließlich spannend, was ich zu sagen hatte…

Nach einer Viertelstunde flog die Tür auf aber die Knechterin fragte mich nur kurz nach dem Namen des jungen Tierarztes, der vor elf Jahren einmal unseren vormaligen Hund behandelt hatte…

Da wusste ich in etwa, wie lange sich die Beiden nicht gesprochen hatten und konnte abschätzen, wann die lange Geschichte im Hier und Jetzt des Jahres 2012 etwa zu Ende sein würde.

Na prima, dachte ich, nun kann ich genau an der Stelle weiter warten, an der sie eben hereinkam und mich mitten beim intensiven Warten unterbrach.

Was haben Frauen nur so lange zu erzählen? Urlaub, Männer, Sex, Autos?

Oder Sex im Urlaub mit Männern in Autos??

Ich werd´s nie erfahren.

Wenn das schon so lange dauert, könnte ich mir wenigstens die Schuhe ausziehen. Die sind jetzt eh trocken.

Eine halbe Stunde später -so nahm ich mir nun fest vor- esse ich dann zur Strafe erst ganz allein  Abendbrot, nehme anschließend ein ausgiebiges Wannenbad bei Kerzenlicht und wenn sie dann noch immer telefoniert, … dann treib ich´s aber richtig bunt!

Dann setze ich mich an den Computer, denke lange, lange nach und werde einen bitterbösen Artikel in mein Blog schreiben.

Über fremde Frauen nämlich, Frauen die ganz doll herzlos sind und ihren Männern nicht mal zuhören können. Sie hat es also selbst in der Hand.

Aus völlig unbegründeter Furcht vor Rache der Knechterin werde ich vorsichtshalber keine Namen veröffentlichen. Es könnte sich jemand fälschlicherweise angesprochen fühlen…

Aber soweit wird meine Liebste es nie und nimmer kommen lassen!

Sicher ist sie gleich fertig und hört mir weiter zu.

Allein die Nichtexistenz meines anonymen Pamphlets über weibliche Ungezogenheit beweist ja wohl  hinreichend, dass die Vermutung eines längeren Knechterinnentelefonates eine völlig unbegründete Annahme war…

Dann fiel es mir doch ein: Heidi ist bestimmt diese langweilige ehemalige Nachbarin, die mal ein Vierteljahr neben der ungeehelichten Jungknechterin wohnte.

Sie quatschte der Knechterin damals oft die Taschen voll, bevor sie in die städtische Irrenanstalt verbracht wurde.

Nee, versteh ich schon, Heidi ist heut wichtig…

Aber eins hab´ ich mir fest vorgenommen: über Heidi schreibe ich auch noch, und dann nenne ich sie auch HEIDI!

Mein alter Jodelknochen hat den Dienst quittiert. Er hat die Hufe hochgerissen und sich von der Bilderfläche in das Reich der ewigen Dunkelheit verabschiedet.

Ohne noch einmal Pieps zu sagen.

Schade drum, er hat mir eine Menge Spaß gemacht, während seines wechselvollen Lebens.

In der Kondolenzrede wird man sagen, er sei einer von den guten Alten gewesen. Einer von der Sorte die nie aufgeben und immer zu dir halten. Einer, der auch mal durch´s Feuer für dich geht und der mit allen Wassern gewaschen war.

Und trotzdem: irgendwann war Schluss. Nun werde ich aber noch zusehen ob ich mein Handy anständig verkaufen kann. Wird trotzdem noch was wert sein.

Meine Knechterin hat gestattet, ein Neues Smartphone zu besorgen. Schließlich hat sie mir schon die beiden Letzten aus meinem Vertragsverlängerungskontingent der britischen Telefonschlitzohren abgeluchst.

Jetzt muss ich erst mal zu Raimund.

Ist aber nicht schlimm, denn meist können wir da auch mal in Ruhe klönen. Manchmal sind auch Getränke dabei und gelegentlich gießen wir auch was davon weg. In uns rein.

Raimund ist ein echter Spezialist. Einer, der oft schon -zig Wochen vor der Markteinführung über ein Gerät sagt: „Lass die Finger davon, das taugt nichts, da kannste auch deinen alten Ohrwärmer behalten.“

Ja klar, so einen kennt vielleicht jeder aus seinem Bekanntenkreis –meint man.

Aber wenn man Raimund genau nach dem „warum?“ fragt, reagiert er ganz anders als alle Anderen. Die kommen dann ins Schwitzen und palavern nur Blödsinn.

Er ist der Einzige, den ich kenne, der auf diese Fragen immer mild lächelt.

Und wirklich immer zieht die zwei oder drei neuesten unglaublichen Geräte des überübernächsten Quartals aus der Jacke und erklärt nicht nur genau was das Teil kann, sondern auch was genau drin steckt. Und welche Qualität die verarbeiteten Bauteile haben.

Ja, es gibt Menschen die in ihrem Hobby so technikaffin sind, dass sie das ganz genau wissen wollen und darum die Geräte aufschrauben. Er sieht sich die Bauteile alle fachmännisch sehr genau an- einfach so.

Ich dagegen will ja meist nur telefonieren und fotografieren und simsen und so.

Letztens zeigte ich ihm das neueste PfuiPhone 4Schlimm, das mir meine Firma anvertraute. Er hat mich mitleidig belächelt und mir seine Hilfe angeboten, wenn ich mal ein Smartphone  suchen sollte, das wirklich etwas taugt. Er meint, es sei selten von Erfolg gekrönt, bei verschiedenen Herstellern deren Teile zu ordern und die in eine eigene Hülle einbauen zu lassen. Und sei die noch so hübsch im Design.

Okay, ein paar Systemabstürze und das Problem beim Synchronisieren kenn ich ja aus eigenem Erleben. Aber es gibt da Foren, wo selbsternannte Experten über ihre nachvollziehbare Unzufriedenheit nicht so zimperliche Worte finden wie ich.

Grund genug,  mal dort vorbeizuschauen und auch auf mein neues Smartphone  anzustoßen. Bin gespannt, was er mir aussucht. Schon toll, jemanden zu kennen, der sich auskennt.

Was habe ich doch für wunderbare Kinder!

Das meine ich ganz ehrlich und zugegeben: ich sage es leider nicht sehr oft, weil die Bagage meist auch ganz schön nerven kann.

Aber manchmal erfährt man schon Rührung, und das kam heute so:

Die Auseinandersetzung mit meiner Eierlikör-Sahne-Diät im Hinterkopf strömte die Knechterin heute in ihrer so knapp bemessenen Arbeitspause in die Gemüseabteilung des Supermarktes und kaufte wieder Grünzeug.

Zuhause treusorgte sie vor meinem Eintrefffen zum Einen für ein- wie sie es meinte- wunderbares Abendbrot, zum Anderen sah sie zu, dass ich auch danach nichts in der Küche zu tun hätte, was mit Nahrungsaufnahme auch nur entfernt in Verbindung stehen könnte.

Meine Abneigung gegen Katzenfutter war ihr bekannt, also blieb mir nichts weiter übrig, als meinen Schmerz zu teilen und die Kinder ins Bett zu bringen.

Als ich den kleinen Frechdachs müde gelesen hatte, zog er einen Schokoweihnachtsmann hervor und sagte: “Hier Papi, Salat schmeckt dir ja nicht und von irgendwas musst du ja satt werden…”

Ich bin noch immer ganz gerührt.

Jetzt, wo ich die leere Weihnachtsmannfolie vor mir liegend glattstreiche…