Archive for Juni, 2012

Manchmal gibt man Dinge viel zu schnell auf. Und damit ein Stück weit sich selbst.

Es war so, dass unsere Ingeborg den Geist aufgab. Wir hatten sie schon abgeschrieben.

Auf der Suche nach einer neuen Spülerin bat ich einen Freund um eine Empfehlung. Statt einer Maschine empfahl er mir, mich mal wirklich drum zu kümmern. Es wäre eine Ehrensache, ein Familienmitglied nicht einfach nach Polen oder in die Ukraine abzuschieben. Was wohl passieren würde, wenn man mit dem Ding vor dem Recyclinghof anrollte.

„Mann hier geht´s um deutsche Ingenieurskunst! Das ist eine gute SIEMENS, die geht doch nach 8 Jahren nicht kaputt! Externe Küchenmonteure nehmen die Kiste mit, messen sie durch, grinsen und machen sie anschließend innen nur sauber. Dann läuft sie ganz sicher wieder. Du bist nur zu faul, das ist es!“

Ende der Durchsage. Was war ich wütend- guter Freund!

Kein echter Familienknecht lässt so was auf sich sitzen. Na gut, dachte ich, wahrscheinlich hilft es ihr nichts, aber kaputter geht sie auch nicht.

Zuerst hab ich mich durch den Gedankenwust der einschlägigen Laien- und Handwerkerforen gelesen und interessante Tipps bekommen. Dann also ran an´s Gerät!

Netzstecker raus, Wasser abdrehen und in nur einer Stunde sah die Küche aus wie Wallensteins Lager, ich mittendrin schwitzend auf dem Küchenboden.

Was soll ich sagen, es war so, wie es im Forum stand: zwei Ventile waren etwas verkalkt und ein Riffelschlauch der Laugenpumpe war mit Fett zugeschmiert. Das darf er aber auch nach dieser Zeit.

Also: Ventile einfach gespült, Schlauch beidseitig einfach und leicht abgezogen und anschließend innen wieder frei gemacht. Zusammenbau, Probelauf: Reanimation erfolgreich.

Die Prozedur war letztlich so einfach wie das Reinigen der Waschmaschinen- Laugenpumpe. Nun schnurpelt die Ingeborg wieder fröhlich vor sich hin. Kosten: drei Stunden Zeit, eine halbe Rolle Küchenpapier, ein Lappen und einmal nur etwas Überwindung…

Mein Tip: Familienknechte dieser Welt, befleißigt Euch!

Und Danke SIEMENS, für die fleißige und eigentlich unkomplizierte Ingeborg. Sie hat nun noch viele schöne Jahre vor sich.

Todesfall beim Knecht

Es war wohl Altersschwäche, multiples Organversagen oder etwas Schlimmeres. Am Ende jedenfalls stand es fest:

Die mit der großen Klappe ist nicht mehr. Sie hat von 2004 – 2012 bei uns gelebt und wir danken ihr dafür.

Eines Tages ließen fremde Männer sie hier zurück, ein Mädel aus gutem Hause. Da stand sie also rum, bekam von uns den Namen „Ingeborg“, wurde irgendwie integriert und seitdem wohnte sie bei uns.

Mietfrei. Für uns war sie eine dunkelgehäutete Schwarzarbeiterin.

Eine in Ämtern weitgehend unbekannte Angestellte ohne Sozialversicherungsnummer. Wir haben nie einen Cent an ihre Krankenkasse überwiesen, keine GEZ für sie gezahlt. Auch sonst war sie mit dem Wenigen, das man ihr geben musste ganz zufrieden.

Jahrelang war sie mitten unter uns. Immer fleißig, immer bemüht, das beste aus ihrem Dasein zu machen.

Stand immer nur still da und brummte.

In der letzten Zeit etwas lauter, das wohl. Aber im Großen und Ganzen waren wir recht zufrieden miteinander.

So sehen Intergrationssieger aus!

Gestern hat sie inwändig still räsoniert, eine Weile getottert und dann brannte ihr irgendwann eine Sicherung durch. Sie hat  noch etwas rumgestunken und dann die Brocken hingeworfen.

Nun stehen wir ohne sie da und plötzlich muss man sich erinnern, wie das war: alles Geschirr selbst abwaschen.

Ich zog ihr noch das braune Holzkleid aus und später hole ich die Jungs in Orange zum Abtransport. Ja, so grausam ist es, denn der Tod gehört immer auch zum Leben dazu!

Aber bald scheint wieder die Sonne. Dann füllt der Chef wieder das Konto des Familienknechts und dann gehen wir los ins Küchenstudio, eine neue Angestellte zu kaufen.

Is halt nix, so ohne Geschirrspüler.

Danke Dir, liebe Ingeborg, wars ein braves Mädel, der Herr sei Deinen Teilen gnädig.