Archive for Oktober, 2012

Immer höfter hege ich den Verdacht: das Leben digitalisiert sich zunehmend. Immer mehr Dinge des Lebens finden nur noch virtuell statt. Bald sind wir alle selbst nicht mehr unser Chef, sondern nur noch Halbleiter.

Früher rief man im Sekretariat der Schule an und meldete das Kind krank. Nachmittags kam ein Mitschüler. Er brachte Grüße, Trost und Hausaufgaben. War alles überstanden, gab man dem Kind einen Entschuldigungszettel mit und das war´s dann.

Heute erklärt einem die Sekretärin kurz, dass solche Anrufe gar nicht erst entgegengenommen würden. Man müsse sich schon per E-Mail an die Lehrerin direkt wenden und den Arztbeleg könne man gleich mal einscannen. Die Hausaufgaben sendet die Lehrerin dann umgehend per Mail. Natürlich vergißt sie nicht, das Abgabedatum einzufügen…

So ähnlich ist das auch mit meinen Schuhen. Mit breiten Europäerfüßen trabte ich in den Sportladen, nannte dem Verkäufer meine Wünsche und Belastungsparameter. So erhielt ich damals Turnschuhe und konnte sie sogar noch selbst nach Hause tragen.

Heute gibt es ja nicht mal mehr “TURNSCHUHE”! Sind alles exklusive Running Shoes oder sonstige super special Botten. Aber ich geb gerne zu: die Auswahl ist geil.

Da bättert man im Netz von einer Seite zur anderen und findet die irrsten Farben, Formen und Gestaltungen. Inzwischen kann man sich ja sein Fersenkleid auch farblich zu den Klamotten passend designen. Am Ende stehen sie schon am nächsten Tag meist als Paket auf dem Küchentisch, wenn ich nach Hause komme. Paßt!

Aber die Fachverkäufer/Innen werden mir fehlen. Die, die immer mit dem Daumen auf dem Schuh rumdrückten um zu fühlen, ob der Schuh auch wirklich gut paßt.

Was macht eigentlich Al Bundy heutzutage?

Kriegt er eine Rente oder steht der irgendwo in der Versandpampa am Band und schnürt Schuhpakete?

Manchmal geschehen dem Familienknecht wundersame Dinge.

So geschehen vor wenigen Tagen. Wir waren auf dem Weg zu Verwandten in Randberlin und hielten an einer Gärtnerei an, um Blumen für die Dame des Hauses auf dem Wege frisch zu kaufen.

Auf dem Verkaufstresen der scheinbar netten Gärtnersfrau fanden sich viele interessante Gewächse, darunter ein ganz besonders schöner und glänzender Kürbis. Als ich fragte, ob es sich um eine essbare Sorte handelte sah mich die Gärtnerin ungläubig an. Sie suchte mit den Augen gleichentrüstete Kunden und intonierte nach ihrem Sucherfolg laut in der Art einer Altberliner Backwarenverkäuferin:

“Sagn se bloß se kenn keen Hockaido- Mann den müssn se nich mal scheeln!”

Nein, mußte ich zugeben, kannte ich bis dahin nicht. Sieht ausländisch aus und was der Knecht nicht kennt…

“Passn se uff,…”

Schon diktierte sie mir ihr Rezept in den Kopf.

Jede Silbe betonend, langsam und deutlich hämmerte sie Handhabungen und Gewürze ein. So konnten zum Glück auch die Umstehenden und alle ankommenden Kunden auf dem Parkplatz gleich mitspeichern.

Viele Fragezeichen taten sich im Hirn des Bratkartoffelverzehrers auf: Curcuma, Ingwer, Macis, Coriander- sowas kommt in Suppen und soll auch noch schmecken?

“Und wenn se dit jetz nich jerafft ham, kiekn se in´t Kochbuch, lesen könse doch, wat? Macht siehmfuffzich- und den schnieken Kürbis schenk ick se obendruff! Dankn se nich so doll, sonst wer ick noch rot, komm se lieba ma wieda.”

Was soll ich sagen, die Knechterin fuhr schnurstracks in einem Fachgeschäft für Küchenausrüstungen vorbei, kaufte Topf und Pürierstab. Zuhause dann wurde gekocht und probiert. Also erst mal ich.

Echt lecker. Und zu der Gärtnerin fahren wir trotzdem wieder hin.

Belehrung lohnt sich!

Sind ja Ferien und da kann man was mit dem Racklewack unternehmen. Immer nur zu Haus, unter der Knute der Knechterin ist ja auch nichts.

Also ging es in den Kletterpark. Wir waren schon mal dort und kannten uns aus. Ahnen konnten wir aber nicht, dass dort in den letzten Monaten unglaublich investiert wurde. Neue Klettertouren, neue Schwierigkeiten und jede Menge neuer Spaß sind dazu gekommen. Die Kleinknechte jagten mich ganz schön über die Parcours. Aber ich war ordentlich vorbereitet. Dachte ich.

Kurz vor Ablauf der Zeit freute sich der Familienknecht: schon standen wir am Ausgang und es bestand inwändig dringender Anspruch auf ein ordentliches Astbier in der nahen gastlichen Stätte.

Doch nicht mit meiner Familie. Fast am Ausgang befindet sich nämlich auch der Aufstieg zum Parcour 11. Der ist auf dem Hinweisschild mit dem Wort EXTREM wohl nur ganz und gar unzureichend beschrieben.

Schon drängten alle, ich hätte doch noch ein paar Minuten und solle mich mal nicht so haben, schließlich hätte ich doch auch sonst…

Was soll ich also sagen, um meinen guten Ruf nicht zu ruinieren schwang ich mich auf die Leiter und hangelte dem Gaudi entgegen, leider nicht meinem.

Wer kennt nicht den Effekt, der eintritt, wenn eine Familie laut rufend nach oben schaut? Im Nu gafften die Neuankömmlinge, alle Umstehenden und das Personal zu mir hoch. Sie sahen dann auch nicht gerade den jungen Reinhold Messner, sondern eher den ältlich schnaufenden Yeti im Seilgewirr.

Ich hatte mich bei der Vorbereitung wohl etwas vergriffen. An Statt Unmengen von Muskeln hatte ich versehentlich jede Menge Hüftspeckiger Schwungmasse dabei.

Die paar aktiven Muskeln fühlten sich bereits abgegriffen an und waren echt sauer nach den ersten 8 Parcours. Mein Kopf hatte sich dem roten Helm gut angepasst. Farblich zumindest.
Jetzt wenigstens ein isotonisches Erfrischungsgetränk, ein Riegel oder sonstwas, Hauptsache es hilft…

Aus allen Richtungen prasselten wohlmeinende Tips auf mich ein.

Seehr hilfreich! Und bestimmt hätte ich sie alle umgesetzt, wenn mir das Blutsausen zwischen der Hechelatmung nicht dauernd die Ohren verstopft hätte.

Gelegentlich rutschte ich von einer Wand oder Schlaufe in den Sitzgurt um baumelnd abzuhängen. Natürlich mit voller Absicht, rief ich den Aufschreienden unten zu. Nur um die schöne Aussicht…hechel, hechel.

Nach gut 20 Minuten erreichte ich den Notausstieg nach dem ersten Drittel und kletterte nach unten. Sonst wären die Schwächlinge am Boden ja nur kalt geworden…

Der Typ bei der Helmrückgabe erklärte dem Kleinknecht auf Nachfrage, das einigermaßen gute Kletterer den gesamten 11er Parcour schon locker in 9 Minuten bezwingen.

Kacke, wer wollte das denn schon wissen?

Die Knechterin ließ nicht locker. Sowas wie im vorletzten Winter wollte sie nicht noch mal erleben: nach Hause kommen und die Wohnung wurde von fremden Menschen besucht. Weil die uns auch gleich lieb gewonnen hatten und sich soo sehr gern an uns erinnern wollten, haben sie auch einige Andenken mitgenommen. Also alles im Prinzip, was klein, teuer und schnell verkäuflich ist.

So kam es, dass nicht nur unser Erbschmuck wahrscheinlich nach Mazedonien ging, sondern auch, dass die Knechterin meinte, sowas mag sie nicht. Ihre Gäste wollte sie zumindest persönlich kennenlernen, bestenfalls bewirten.

Aber so schäbig wie sich die verhielten: Abends im Dunkeln die verschlossene Glastüre aufhebeln und dann schnell wieder verschwinden- das gibt´s bei uns nicht.

Wie sichert man eine zweiflügelige Glas- Terrassentür (und auch ein großes Fenster) ? Klar mit Licht und Lärm oder mit elektronischem Schnickschnack. Aber wie verhindert man das Aufhebeln? Denn bis bei Krach jemand da ist, sind die längst weg.

Es gibt handelsübliche Sicherheitseinrichtungen. Die sehen meist martialisch aus, sind oft teuer aber auch im Sommer dran, wenn wir die Tür benutzen wollen. Zu umständlich.

Das waren meine Aufgaben: Eleganz, Reversibilität, Sicherheit und Unauffälligkeit.

Genau dass, was ein Knecht braucht. Da musste fachliche Hilfe aus dem Baumarkt ran. Der Verkäufer bei Holz Possling nahm sich die Zeit, meine Problemdarstellung zu verstehen und wußte das sogar in Tips und Hinweise umzumünzen.

Schlußendlich habe ich die Variante für nicht mal 30,- EUR pro Eingang/ Fenster der Knechterin vorgestellt und erhielt schon beim ersten Anlauf die Freigabe:

Seitlich ein größeres Loch in beide Faschen gebohrt. Mit Montagezement aus der Spritzkanüle wird eine handelsübliche 14er Stahlhülse (ca. 12 cm tief) mit Innengewinde bündig sauber eingeklebt. So sieht man im Sommer je nur ein kleines Loch, dass auch noch verstöpselt werden kann. Im Herbst wird dort je links und rechts eine Gewindestange eingedreht, die ungefähr 10 cm aus der Wand hinausragt.

Ein quadratischer Hohlstahl 20 x 20 x 1,2 wird in entsprechender Länge an einer Seite mit der Flex so ausgespart, dass die Stange bündig zwischen die Wand auf die Gewindestangen aufgesetzt werden kann. Idealer Weise direkt hinter der Tür. So kann die Tür theoretisch aufgehebelt aber eben nicht geöffnet (nach innen eingedrückt) werden.

Die Einbrecher müßten das Glas zerschlagen um die stabile Stange irgendwie auszuhebeln- das aber wollen sie vermeiden. Effektiv, sicher und preiswert!

Was war ich stolz und konnte ganz ruhig in den Urlaub fahren.