Archive for November, 2012

Als erblich bedingter Kleinknechtaufzieher ist man ständig lauernden Gefahren ausgesetzt, auch unbekannten. Meist merkt man es gar nicht – oder eben zu spät.

Gelegentlich kommen dem Familien-Knecht einschlägige Meldungen der Öffentlichkeit zu Hilfe, die solche Gefahren signalisieren. Man muss sie dann allerdings erkennen, annehmen und umsetzen.

Kürzlich ließ der BGH in einer Urteilsverkündung wissen, dass Eltern von pubertierenden Musicdownloadern doch nicht generell für alles verantwortlich sind. Sie sind also nicht automatisch Zahlmeister für alles, was sich durch die sich permanent ändernde Synapsenvertromung der Entwicklungshirnträger ereignet.

In dem geurteilten Fall war es wohl so, dass die Eltern ihre Kinder über die Gefahren der vermeintlich illegalen Musikschacherei vorab aufgeklärt hatten und ihnen dieses Tun auch untersagten.

Wie von den Eltern leider nicht zu verhindern war, haben die Kids trotzdem heimlich Songs auf irgend einer (vielleicht gar nicht als solche zu erkennenden) Tauschbörse eingestellt.

Üble Sache das, zumal systemisch geiernde Anwälte mit hochentwickelter Software permanent das Netz und einschlägige Tauschbörsen nach sowas scannen. Folglich fischten sie die anbietenden Kinder heraus und wollten Ihre Aufzuchtmeister zu extremen Zahlungen verknacken. Es sollte nach ihrem Gusto auch gern ein Exempel statuiert werden.

Doch die braven Eltern ließen sich nicht von dödeligen Amtsrichtern vereimern und gingen durch die Instanzen bis zum BGH.

Vielen Dank an die Eltern und ihren Anwalt dafür!

Dort erst stellte man kindliches Tun wieder als solches auf die Beine und erteilte den Anwälten und der Musikindustrie mit Blick auf die Wirklichkeit des Lebens eine kräftige Watsche.

Aber nur weil die Eltern ihre Kinder zuvor ordentlich belehrt haben!

Folglich trug mir die Knechterin auf, Gegenmaßnahmen gegen derartige Anwaltsforderungen einzuleiten. Sofort!

Gestern Abend, während sich andere Männer vermutlich die Sportschau ansehen durften, habe ich eine

“Ihr Kleinknechte sollt keine Musik illegal downloaden und/oder zum Tausch im Netz anbieten sowie andere verbotene Dinge tun”- Rede notiert.

Heute wurden dann Kind und Kegel vor laufendem Video und mit ernster Mine belehrt.

Vielleicht schützt es nicht vor allem -ähnlich wie Versicherungen- aber wenigstens kann man sich bei entsprechenden Anwürfen unter Hinweis auf das bereits ergangene BGH-Urteil vor Schlimmerem bewahren. Ich bin mir nämlich nicht immer sicher, dass unsere Kleinknechte dauerhaft die Finger von der Musikzockerei lassen. Wie auch?

Zur Nachahmung ausdrücklich allen Eltern empfohlen!

Der Kleinknecht jammert seit Tagen und trägt mit großem Engagement üble Laune vor.

Alles begann, nachdem er freiwillig in die neue Schule gewechselt war.

Er könne doch soo niemanden aus seinem Gymnasium zu sich nach Hause einladen.

(???)

Da sind seiner Meinung nach tausend Sachen, die erst mal gar nicht gehen.

Vom unbeschäftigten Rest der um meine üppige Freizeit ach so besorgten Familienbande bekommt er natürlich Recht.

Nicht nur das, sogar direkten Zuspruch.

So ginge es auf keinen Fall weiter, es müsse jetzt ein ganz ein anderer Wind hier rein… sofort!

“Ich verstehe ja…” versuche ich einen Einwand, den die Knechterin direkt im Ansatz in eine Zustimmung umzuwandeln weiß.

“Na dann ist ja alles klar”, höre ich, “fang schon mal mit den Plüschtieren an, zieh die Haken und Dübel raus und schmier die Löcher alle mit Acryl zu…”

Der ungeübte Knechtleser sollte an dieser Stelle wissen, dass sich um die ausufernde, textile Zooplage der Knechtsfamilie Legenden ranken.

Zum Beispiel die, das die Knechterin schon beim Einzug darauf bestand, dass alle ihre Lieben aus Kindertagen mit umziehen.

Sie hatte damals sehr viele Lieben. Und jeder gute Besucher brachte der kleinen Süßen damals Plüschtiere aus aller Welt mit…

Im Prinzip kamen alle Wochen neue hinzu. Große und kleine, einschließlich des dicken blitzblauen Rummelhundes vom Schießbuden-Hauptgewinn.

So zogen hier damals viele stinkalte, mottenzerfressene Gnome und schlimmeres ein. Und inzwischen kamen noch viele, viele hinzu.

Nichts, aber auch gar nichts davon durfte je in den Müll- auch wenn sie längst dort hin gehörten.

Durch Herrinnen-Definition und Ukas-di-Mufti wurde nämlich allen, sogar den krümelnden und teilamputierten Viechern, eine jeweils eigene Seele vergeben.

Mehr Familienbindung als Seele geht bekanntlich nicht. Was also sollte ich tun?

Im Laufe der Zeit gelang es mir, jeweils 20 bis 30 kleine Exemplare zu separieren und sie so dem Teilvergessen anheim fallen zu lassen.

Später fielen die dann jeweils in eigens vom Handel bereitgestellte Vakuum- Aufbewahrungsboxen. Zum Konservieren wurde mit dem Staubsauger die Luft aus diesen Tüten rausgesaugt und dann ab mit den bizarren Plastiksärgen in die hinterste Ecke der Kammer.

Wehe dem, der einmal unvorbereitet die Türe öffnet und dem plastinierten Pluto ins Auge schaut! Der bekommt einen Schreck, der wirklich Nerven zehrt.

Nun durften also mit höchstem Segen all diese Milbengrüfte in das Kabinet des Schreckens- zur Aufbewahrung für die nächste Generation.

Die Ärmsten dieser nächsten Generation, wenn die nur wüßten!

Es gilt also, die Jungs zu ihren Kameraden und damit um die Ecke zu bringen.

Juchee !

Inzwischen sind ein gutes Dutzend der 1200 x 900 großen Knittertüten hinzugekommen und noch ist kein wirkliches Ende abzusehen.

Mein geliebter Staubsauger mußte schon umziehen deswegen.

Als hätte der keine Seele.

Aber es ist ja halt nur meiner…

Der alte Gummibaum im Wohnzimmer verließ bereits mehrmals die Horizontale, um sich mit Hilfe der Katzen einmal flach zu legen.

Darum wurde sein häufigeres Begehren dieser Art auf direkte Weisung der Knechterin vom Familienknecht mittels Schnur und Hakendübel verhindert.

Das allerdings beendete nicht automatisch den Spieldrang der schnurrenden Gesellen. Die

schon-lange-nicht-mehr Mäuse-Fänger

machten sich aus meinem Geschrei und Gezeter gar nichts, wenn sie ihre Katzbalgereien mitten im tropischen Weichholzgewächs ausübten. Muss man das von den Tieren hinnehmen?

Ständig rissen die Viecher mit ihren Krallen tiefe Schlitze in die Gummibaumrinde oder knickten beim Springen die großen Blätter ab. Und die Pflanze hatte dann natürlich nichts Besseres zu tun, als auf diesen Umstand mit weißem Geklecker hinzuweisen.

Wer schon mal Gummibaumlösung aus dem Teppich waschen mußte, der weiß, wovon die Rede ist. Gott behüte, dass das Zeug auch noch einen Tag unbemerkt bleibt und aushärten kann!

So konnte es nicht weitergehen!

Die alternative Lösung war ein Kratzbaum. Das soll sie ablenken und den Spieltrieb lassen sie dann mehr an dem um die Stämme gewundenen Sisal aus, als an den Wänden und den Holzschränken. So steht es jedenfalls in der Beschreibung.

Sagt die Knechterin.

Gesagt getan. So wurde das neue Stubenmonster angeschafft.Kauf ganz einfach.

Zusammenbau ist mega- einfach und schon war das Teil zwischen Boden und Zimmerdecke

fest wie der christliche Glaube in Deutschland!

Bedauerlicher Weise erhielten die lieben Miezekätzchen genau den Platz, den ich als gepeinigter Familienknecht seit Jahren mit dem geheiligten Fernsehsessel für mich beanspruchte.

Die Entscheidung fiel mir aber ganz leicht, denn sie war ja zum Wohle der Katzen- sagte die Knechterin. Und eigentlich brauchen wir doch den großen Sessel auch gar nicht so dringend, meinte sie weiter…

Gut zu wissen, wer jetzt auf der Katzentreppe scheinbar eben mal so ganz nebenbei die Bedeutungsleiter an mir vorbei kletterte und mich links überholte.

Aber wahrlich, Katzen, denkt bei aller Freude daran, wer als Familien- Knecht der wirkliche Dosenöffner im Hause ist….

Die Welt ist irre da draußen- und ich will gern dabei sein. Da geht es dem Familienknecht wahrscheinlich genau so wie Hunderten anderen gleichgepeinigten Menschen auch.

Wie sie, sehnt er sich aus seiner Hamsterrolle heraus nach etwas Verrücktem, Ausgelassenem und etwas, das total von eben dieser Rolle ist. Zumindest wenigstens von der Rolle der Knechterin.

So sucht man sehnsüchtig im Netz und liest dann sowas: Nordseetaufe spezial bei dosensucher.de

Gott, haben die Leute da etwa Spaß gehabt ?!

Wie machen die das nur, dass die das überhaupt dürfen?

Haben die vielen, vielen Teilnehmer denn gar keine Knechterin? So eine wie ich, die schon vorher schreit, direkt in den Gedanken hinein. Also noch bevor man den klaren Gedanken zur Teilnahme kurz vor dem Aussprechen inwändig zu ordnen und zu formulieren vermag?

Was sagen deren Knechterinnen dazu? Und gibt es tatsächlich Exemplare, die ihre Partner sogar mitnehmen? Und dann vielleicht trotzdem Spaß haben? Fragen über Fragen tun sich auf.

Zeit, sich mit den Dingen, die z. B. dort bei der Nordseetaufe vorkommen, intensiver zu beschäftigen.

Was tun die da alle und wieso zum Teufel sollte es ihnen Spaß machen? Hilft nix, erst mal Lesen- und Video gucken. Ist schon irgendwie geil, im Kollektiv quer durch die Nordsee zu schippern um die Dosen zu finden.

Eigentlich das ewige Spiel: alle sind auf der Suche.
Nach dem Woher und Wohin, dem Wieso und Warum und oft auch dem von wem und wieviel. Hier haben Menschen ihre inneren Beweggründe kombiniert mit dem Drang zu Mutter Natur und dem technischen Fortschritt. Und offensichtlich Freude. Eine Markierung genügt heute oft schon dafür.

Wenn man von Bieren, leckeren Matjesbrötchen und Prosecco liest und Massenwanderungen zu Fuß und zu Rade mitbekommt kann man sogar den Spaß entdecken. Müßte man eigentlich gar keine Bilder haben.

Auch im Nordeenebel glasklar, dass diese Allerhalligen-Cruise 2012 eine runde Sache war. Schade, ging diesmal am Knecht vorbei.

Ich bleib aber dran und versuch Geocaching erst mal auf´m Land, bei uns im Moor. Vielleicht hat ja die Knechterin gar keine Lust darauf, durch die Botanik zu schlendern und Piepse zu orten. Dann kann es im nächsten Jahr was werden mit meiner Teilnahme- woll´n mal sehen!