Archive for Dezember, 2012

So´n Mist!

Eigentlich war doch ganz ordentlich der Weltuntergang angesagt. Alles seit langer Zeit original überliefert, von bekannten Wahrsagern bestätigt und von Gott-weiß-wem alles abgesegnet.

Leute standen wie beim Böllerkauf reihenweise an, um sich in den plötzlich vor ihnen aufreißenden Boden zu stürzen…

Normaler Weise wären wir heute zeitreisend irgendwo im schwarzen Loch des Universums unterwegs.

Aber nix, kein Allerweltbeben und kein jüngstes Gericht.

Ich selbst hatte zwar an den ganzen Mumpitz überhaupt nicht geglaubt. Nur auf Weihnachtsgeschenke hab ich aus Sparsamkeitsgründen vorsichtshalber verzichtet verzichtet wie auf eine Riesterrente. Also gar nix gekauft.

Nur ganz vorsichtshalber wollte ich als guter Familien-Knecht wenigstens etwas vorbereitet sein und hab schon mal für uns alle Reise- Stullen geschmiert. Mit Gurke! Die liegen jetzt paketweise im Kühlschrank. Und wer isst die jetzt – he?

Wenigstens hätte ich selbst nie gedacht, dass ich meine eigene Jagdwurst statt des jüngsten Gerichts essen müßte.

Nun hat der Wecker, dieses fiese Geschmeiß, morgens wie üblich sein ungeliebtes Brüllen vorgetragen. Wie jeden Tag hieß es früh raus und dann rein in die Tretmühle…

Das tägliche Knechteleben – wie es halt im Buche steht. Mit noch viel mehr Ärger!

Denn plötzlich findet Weihnachten nun doch wieder statt. Und nicht genug damit! Zu allem Elend sogar noch in diesem Dezember. Doof jetzt, Weihnachten und so hatte ich ja eigentlich komplett abgewählt.

So kommts eben, wenn man sich einmal auf gutgemeinte Ratschläge und “absolut sichere” Vorhersagen verläßt. Und nun?

Verflixter grüner Pfeffer, wo bekomme ich für Knechterin und die ganze Blase nun noch ein paar akzeptable Geschenke her?

Die Tanke an der Ecke ist noch nicht wirklich in annehmbarer Sortimentstiefe auf mein zeitlich eingeengtes Bedürfnis sortiert.

Alexanderplatz fällt total aus. Niemand mag das nächste “Isch-hasse-scheißdeutsche-Feiertag-ey” -Opfer einer bekifften Horde testosteronisierender Jungmohamedanermännchen mit “voll-krass-alder-BMW” und “isch-mach-disch-platt”-Messern sowie ihrer “Brüüdaaa” mit “voll-krass-Ähre” werden.

Ich lieg dann wochenlang komatös und hemdsärmelig an Schläuchen in der Charité herum. Die “polizeibekannten jungen Heranwachsenden” aus den bekannten “Problemkiezen”verkrümeln sich derweil nämlich hinterher wie üblich zu Renovierungsarbeiten in ihre warmen Länder. Dort geben sie entspannte Interviews, während die Berliner Justiz -natürlich mit Recht!- christliche Weihnachtsmilde walten läßt. Kommt mir nicht in die Tüte.

Und wer dient dann meiner Knechterin und mimt für die Kleinknechte den Ruprecht?

Also nix da.

In den Berliner Hauptbahnhof, früherer Hort und Zufluchtstelle aller “hab-ich-glatt-vergessen!” -Knechtezeiten traut man sich ja nun nicht mehr ohne Helm rein.

Nachdem man dort die früher  mal so herunterklatschenden Fassadenteile verklebte, fällt einem nun neuerdings die Decke in dicken Brocken auf den Kopf.

Bliebe als letzter Ausweich für einen gepflegten Nacht-und-Nebeleinkauf eigentlich noch derlängst eröffnete

Flughafen Berlin-Brandenburg-International.

Aber ach Quatsch, wir haben ja noch nicht 2020…

Komme also langsam in Hektik. Denke nun schon den ganzen Tag ganz angestrengt darüber nach und finde keine Lösung.

Das einzig probate Mittel gegen grassierende Hektik ist bekanntlich: Ruhe bewahren. Totale Ruhe und Entspannung- dann kommen schon die Ideen.

Oohhmm….

Meine gutmeinende innere Stimme ruft mir pauenlos zu:  finde Deine Mitte, suche Deinen Halt tief in Dir.

Das geht mit ein paar Übungen und einer Tasse Tee sehr gut:

Man muss es nur selbst ein wenig wollen.

Apropos wollen: was wollen denn Frauen jeden Alters außer Schuhe immer ?

Handtaschen! Aber wie um alles in der Welt da jetzt noch rankommen, morgen ist doch…

Einkaufssonntag – ich bin gerettet.

Obwohl: die ewig kramige Gelenkschleuder allein machts ja noch nicht.

Das hoffentlich schnuckelige Plastilinkroko ist aber immerhin ein prima Anfang.

Den Inhalt kann ich mir ja dann auch noch aussuchen.

Schlicßlich hab ich ja der Knechterin Bankkarte.

Die Abrechnung sieht sie erst ab 27. und ob wir bis dahin nicht doch ein wenig untergegangen sind, werden wir sehen.

Bleibt zumindest zu hoffen!

Sonst wirft sie mir wieder ein ganzes Jahr lang vor, ich hätte als Ewigvergesser gerade mal in letzter Sekunde…

Und ich muss ihr dann jedesmal wortreich versichern, das Ding wäre soo superhip-cool-begehrt, dass ich es wochenlang vorher bestellen mußte und froh war, dass dieses heiße Teil überhaupt noch geliefert wurde…

Weltuntergang hat doch von Zeit zu Zeit auch was Gutes.

Der Kleinknecht sah zur Einschulung in seinen Bewegungen noch recht bröckelig aus.

Um ihn nicht den Rest ihres Lebens als Bewegungstrollo durch die Gegend taumeln zu sehen legte die Knechterin fest:

“Der Junge muss Sport machen – er geht jetzt zum Karate!”

Na klar, das Glück trifft nur den, der vorbereitet ist. Und angesichts der um sich greifenden Gewalt bestimmter Jugendgruppen im öffentlichen Raum kann man nicht gut genug vorbereitet sein. Schließlich wollen alle Eltern ihre Kinder ohne Tritte an den Kopf heil vom Alexanderplatz nach Hause kommen sehen, da sind wir nicht anders als andere Familien.

Also Karate.

Sofort kamen mir gute und weniger gute Kampffilme in den Kopf. Bruce lee und Jacki Chan und Gott weiß wer noch. Ich sah damals vor meinem geistigen Auge unseren recht breiten Kleinknecht als ungelenken Karate-Kid und musste unwillkürlich laut loslachen.

“Warum trainiert er nicht Halma oder Mensch ärger dich nicht? Okay, wenn´s also schon unbedingt japanisch sein soll: warum tut es nicht auch Mikado?”

Als ich gerade eben wieder Luft bekam, bekräftigte sie ihren Entschluss durch leichtes Anheben der linken Augenbraue.

Oh, oh!

Ich kannte das Zeichen sehr wohl und war lieber sofort still. Natürlich war es damit entschieden und wir standen am nächsten Mittwoch pünktlich mit einem weißgewandeten Knäblein in der Turnhalle.

Schließlich war es ja auch mein Wunsch.

Also jetzt.

Etwas bange fragte ich nach der ersten Stunde den mit internationalen Erfolgen und Einsätzen geehrten Altmeister, ob daass denn mit dem kleinen, breiten Jungen dort überhaupt etwas werden könne in dieser Sportart.

“Lass mich mal machen,”  antwortete er, “dann wird´schon.”

Gesagt -getan. Alles sollte sich tatsächlich so schicken, wie der Meister es vorhersah.

Wir ließen den Kleinknecht inzwischen einige Jahre zweimal in der Woche zum Training und gelegentlich am Wochenende zum Wettkampf.

Derzeit bereitet er sich auf eine neue Gurtprüfung vor und übt dazu die Entfesselung aus Haltegriffen und Umklammerungen.

Schließlich soll ihm bald niemand mehr Pausenbrot oder Federtasche wegnehmen können…

Leider braucht er dazu abwechselnd neue Angreifer – die dann ratz-batz zu Opfern werden.

Regelmäßig steht in der Liste spontan ausgesuchter Schnellopfer der Familien-Knecht an erster Stelle.

Und genauso regelmäßig geht er beim Nahkampf auch als Zweiter durchs Ziel, dafür jedoch um so schneller.

Das beginnt meist schon beim Nachhausekommen an der Haustür.

Früher gab´s dort für den Papi einen Kuß. Heute soll ich den Kleinknecht auf seinen Befehl hin angreifen und würgen.

Ja toll, greif mal dein eigen Fleisch und Blut kraftvoll an und würge es. Ist gar nicht so einfach, ich hab doch keinen Genfehler.

Was hätte ich heute darum gegeben, wenn die Knechterin damals zum Rudern, Radfahren oder Schwimmen optiert hätte. Aber nein, es musste ja unbedingt Karate sein!

Ich hab inzwischen heimlich fast alles probiert, ihn davon abzubringen. Sogar mit einem Bundestrainer für Bobsport habe ich ihn bekannt gemacht um ihn dafür zu interessieren.

Natürlich blieb er bei Karate!

Und was bringt mir das ein? Alle Tage Hämatome, verdrehte Arme und gefühlt minutenlange Atemstille nach Treffern auf den Solarplexus.

Inzwischen bin ich – immerhin als ehemals ausgebildeter Turnierangler- beim Angreifen etwas vorsichtiger geworden. Auch und gerade bei den Würgegriffen. Die Entfernung dieser geht mir oft zu schnell und ist recht schmerzhaft.

Gestern beschwerte er sich darum über mein läppisches Zugreifen, indem er nach dem Erstangriff an der Haustür laut durch den Treppenflur brüllte:

“Oh Mann, nie würgst Du mich richtig! Du musst mich endlichg mal so richtig würgen, Papa!”

Nein, peinlich war mir das nicht, aber es bedurfte schon einiger erklärender Worte.

Uneingeweihte sollten dazu wissen, dass eine unserer Nachbarinnen beim Jugendamt arbeitet und noch sehr gut hört…

“Echte” Grippe ist eine doofe Sache.

Wer´s mal erleben musste, weiß, wovon die Rede ist. Klar, sagt der Eine oder Andere zum Familien-Knecht: “das bißchen Grippe bringt einen Mann doch nicht um.”

Schon, schon, aber so richtig angenehm ist´s auch nicht.

Vor Jahren hatte ich zeitlich versetzt mit der Knechterin eine Grippe auszuliegen. Ausliegen im wahrsten Sinne des Wortes. Ich war zwei Tage später erkrankt als sie. Sie hatte den Vorteil, schon immer vorher zu wissen, was mir an diesem Tage denn wehtun würde.

Wenn so üble Schmerzen durch den ganzen Körper wabern, ist´s wahrlich nicht angenehm.

Man kann sich nicht mal bewegen. Nichts von wegen: ich geh mal zum Arzt und setze mich dort 3 bis 4 Stunden ins Wartezimmer.

Nix da. Man ist so fertig, dass einem nichts übrig bleibt, als die Kassenärztliche Vereinigung um einen Hausbesuch zu bitten.

Der damals irgendwann erscheinende Arzt schüttelte nur den Kopf und meinte, das müsse man einfach ausliegen, da hülfe rein gar nichts. Keine Medikamente im Nachhinein, kein Hausmittelchen. Nur Ruhe und Ausliegen.

Klasse, war ich also doppelt bestraft. Erst die Grippe und dann auch noch tagelang direkt neben der Knechterin liegen und Wünsche und Ideen kommentieren müssen.

Seit dieser Tortour geh ich jedes Jahr los und lasse mich freiwillig pieksen.Was soll ich sagen: bisher hatte ich auch keine weitere schwere Grippe. Mag Glück sein, mag an der Impfung liegen. Jeder hat da so seine Theorie.

Klar, jedes Jahr gibt es die Mahner, die vor dem angeblichen Unsinn und den Nebenwirkungen der Impfung warnen, das Quecksilber als Haltbarmacher im Impfstoff monieren oder anderweitig die Politik der Medikamentenhersteller geißeln. Und ich bin der Meinung, dass daran auch meist eine ganze Menge dran sein kann.

Ist schon mutig genug, sich gegen die finanzfetten Lobbyisten und Oberzahler der Pharmabranche zu stellen. Und dass dann auch mit festen Argumenten, bestenfalls sogar Zahlen und Studien zu unterlegen ist doppelt honorig.

Aber gibt´s mal einen realistischen Tipp, wie man echte Grippe bei täglichem Umgang mit vielen Menschen wirkungsvoll vermeiden kann?

Ich würd das auch gern ohne Impfung versuchen- wenn Aussicht auf Erfolg besteht. Dieses Jahr geh ich noch hin.

Ich gestehe es ehrlich:

Der Familien-Knecht neigt gelegentlich zum Ausbruch.

Nun, wenn man tagein, tagaus im Haushalt der Knechterin betätigt wurde, dann wird selbst dem liebenswertesten Familien-Knecht manchmal der Kragen ein wenig zu eng.

Und dann muss er  r a u s !

Nicht oft, aber dann gerne richtig!

Natürlich nur so, dass es nicht auffällt und um Himmels Willen der Knechterin nicht aufstößt.

Was könnte ich sonst im nächsten Jahr vorbringen? Dann, wenn ich wieder mal raus wollte und mir mein Zankeisen die schlimmen Entgleisungen des Vorjahres laut vorhält – wie auch schon in den 11 Monaten zuvor.

Wie auch immer: jetzt mußte es mal wieder sein!

Früher waren es Michael Jackson oder Depeche Mode.

Diesmal kam ELSTERGLANZ nach Berlin.

Wenn der Name bisher manch einem noch als Polierpaste in Erinnerung ist, bringt er nun andere Dinge zum Glänzen:

Ohren und Augen – aber wie!

Raimund hatte die Idee und besorgte Karten für ein halbes Dutzend Leute. Glück, denn es war längst ausverkauft.

Endlich war´s soweit. Im Berliner ASTRA ging die Post ab. Der Zuschauer wurde mit “Schienenersatzverkehr” geködert, durch den Boxring geleiert und vom Bundesnachrichtendienst bewertet.

G E N I A L !

Hätten die Jungs aus Eisleben nicht mal eine halbe Stunde Pause zwischendurch gemacht – es gäbe jetzt einen totgelachten Familien-Knecht zu beweinen.

Wir hatten das tatsächlich angenehme Privileg der Stehpätze. Es bewahrte uns vor völlig blau geschlagenen Schenkeln.

Irgendwann drehte sich Raimund um, wischte ein paar Tränen aus dem Auge, schüttelte den Kopf, und meinte stöhnend:

“Oh Mann- wie weit draussen sind die denn!?”

Als Familien-Knecht hob ich die Schultern und dachte:

“Irgendwo im Proxima Centauri oder Beteigeuze.”

Wahrscheinlich enden sie als Supernova und kommen als Geist des Komischen über die Welt.

Hoffentlich, die Welt hätte es nötig!

Die Jungs sind “voll auf Kleber!”

Seitdem gibt es unter den vielen Besuchern in Berlin weiter die vorherrschende Ansprache:

” L l l l -eute ! ”

Und jeder weiß, was gemeint ist, wenn es heisst:

“Junge, hier is Helmpflicht”

Viele neue Fans hat ELSTRGLANZ in Berlin mit diesem Programm ganz sicher gewonnen.  Manchmal erwischt sich sogar der Familien-Knecht beim Pfeifen der “Oberarztpolka”.

Ganz klar ist immer noch Rambo der beste Koch der Welt- mach Eier!

Elsterglanz- Verehrer nutzen eine Geheimsprache: den Mansfelder Dialekt.

Wissende erkennen sich an der wie nebenbei eingeworfenen Feststellung: “Na klar hab ich ne Eisenbahnplatte”.

Dann ist allen alles klar und es beginnt das große “Im-Kreis-Grinsen”.

Man mag ihn einfach, den tierlieben Kaltmacher.

… denn so eh kleenes Kaninchen…

Bleibt nur noch eine Liebeserklärung von mir: “Kommt mich mal schön wieder, Meiner!”