Archive for the ‘ Familienknechterfahrung ’ Category

Der Kleinknecht sah zur Einschulung in seinen Bewegungen noch recht bröckelig aus.

Um ihn nicht den Rest ihres Lebens als Bewegungstrollo durch die Gegend taumeln zu sehen legte die Knechterin fest:

“Der Junge muss Sport machen – er geht jetzt zum Karate!”

Na klar, das Glück trifft nur den, der vorbereitet ist. Und angesichts der um sich greifenden Gewalt bestimmter Jugendgruppen im öffentlichen Raum kann man nicht gut genug vorbereitet sein. Schließlich wollen alle Eltern ihre Kinder ohne Tritte an den Kopf heil vom Alexanderplatz nach Hause kommen sehen, da sind wir nicht anders als andere Familien.

Also Karate.

Sofort kamen mir gute und weniger gute Kampffilme in den Kopf. Bruce lee und Jacki Chan und Gott weiß wer noch. Ich sah damals vor meinem geistigen Auge unseren recht breiten Kleinknecht als ungelenken Karate-Kid und musste unwillkürlich laut loslachen.

“Warum trainiert er nicht Halma oder Mensch ärger dich nicht? Okay, wenn´s also schon unbedingt japanisch sein soll: warum tut es nicht auch Mikado?”

Als ich gerade eben wieder Luft bekam, bekräftigte sie ihren Entschluss durch leichtes Anheben der linken Augenbraue.

Oh, oh!

Ich kannte das Zeichen sehr wohl und war lieber sofort still. Natürlich war es damit entschieden und wir standen am nächsten Mittwoch pünktlich mit einem weißgewandeten Knäblein in der Turnhalle.

Schließlich war es ja auch mein Wunsch.

Also jetzt.

Etwas bange fragte ich nach der ersten Stunde den mit internationalen Erfolgen und Einsätzen geehrten Altmeister, ob daass denn mit dem kleinen, breiten Jungen dort überhaupt etwas werden könne in dieser Sportart.

“Lass mich mal machen,”  antwortete er, “dann wird´schon.”

Gesagt -getan. Alles sollte sich tatsächlich so schicken, wie der Meister es vorhersah.

Wir ließen den Kleinknecht inzwischen einige Jahre zweimal in der Woche zum Training und gelegentlich am Wochenende zum Wettkampf.

Derzeit bereitet er sich auf eine neue Gurtprüfung vor und übt dazu die Entfesselung aus Haltegriffen und Umklammerungen.

Schließlich soll ihm bald niemand mehr Pausenbrot oder Federtasche wegnehmen können…

Leider braucht er dazu abwechselnd neue Angreifer – die dann ratz-batz zu Opfern werden.

Regelmäßig steht in der Liste spontan ausgesuchter Schnellopfer der Familien-Knecht an erster Stelle.

Und genauso regelmäßig geht er beim Nahkampf auch als Zweiter durchs Ziel, dafür jedoch um so schneller.

Das beginnt meist schon beim Nachhausekommen an der Haustür.

Früher gab´s dort für den Papi einen Kuß. Heute soll ich den Kleinknecht auf seinen Befehl hin angreifen und würgen.

Ja toll, greif mal dein eigen Fleisch und Blut kraftvoll an und würge es. Ist gar nicht so einfach, ich hab doch keinen Genfehler.

Was hätte ich heute darum gegeben, wenn die Knechterin damals zum Rudern, Radfahren oder Schwimmen optiert hätte. Aber nein, es musste ja unbedingt Karate sein!

Ich hab inzwischen heimlich fast alles probiert, ihn davon abzubringen. Sogar mit einem Bundestrainer für Bobsport habe ich ihn bekannt gemacht um ihn dafür zu interessieren.

Natürlich blieb er bei Karate!

Und was bringt mir das ein? Alle Tage Hämatome, verdrehte Arme und gefühlt minutenlange Atemstille nach Treffern auf den Solarplexus.

Inzwischen bin ich – immerhin als ehemals ausgebildeter Turnierangler- beim Angreifen etwas vorsichtiger geworden. Auch und gerade bei den Würgegriffen. Die Entfernung dieser geht mir oft zu schnell und ist recht schmerzhaft.

Gestern beschwerte er sich darum über mein läppisches Zugreifen, indem er nach dem Erstangriff an der Haustür laut durch den Treppenflur brüllte:

“Oh Mann, nie würgst Du mich richtig! Du musst mich endlichg mal so richtig würgen, Papa!”

Nein, peinlich war mir das nicht, aber es bedurfte schon einiger erklärender Worte.

Uneingeweihte sollten dazu wissen, dass eine unserer Nachbarinnen beim Jugendamt arbeitet und noch sehr gut hört…

“Echte” Grippe ist eine doofe Sache.

Wer´s mal erleben musste, weiß, wovon die Rede ist. Klar, sagt der Eine oder Andere zum Familien-Knecht: “das bißchen Grippe bringt einen Mann doch nicht um.”

Schon, schon, aber so richtig angenehm ist´s auch nicht.

Vor Jahren hatte ich zeitlich versetzt mit der Knechterin eine Grippe auszuliegen. Ausliegen im wahrsten Sinne des Wortes. Ich war zwei Tage später erkrankt als sie. Sie hatte den Vorteil, schon immer vorher zu wissen, was mir an diesem Tage denn wehtun würde.

Wenn so üble Schmerzen durch den ganzen Körper wabern, ist´s wahrlich nicht angenehm.

Man kann sich nicht mal bewegen. Nichts von wegen: ich geh mal zum Arzt und setze mich dort 3 bis 4 Stunden ins Wartezimmer.

Nix da. Man ist so fertig, dass einem nichts übrig bleibt, als die Kassenärztliche Vereinigung um einen Hausbesuch zu bitten.

Der damals irgendwann erscheinende Arzt schüttelte nur den Kopf und meinte, das müsse man einfach ausliegen, da hülfe rein gar nichts. Keine Medikamente im Nachhinein, kein Hausmittelchen. Nur Ruhe und Ausliegen.

Klasse, war ich also doppelt bestraft. Erst die Grippe und dann auch noch tagelang direkt neben der Knechterin liegen und Wünsche und Ideen kommentieren müssen.

Seit dieser Tortour geh ich jedes Jahr los und lasse mich freiwillig pieksen.Was soll ich sagen: bisher hatte ich auch keine weitere schwere Grippe. Mag Glück sein, mag an der Impfung liegen. Jeder hat da so seine Theorie.

Klar, jedes Jahr gibt es die Mahner, die vor dem angeblichen Unsinn und den Nebenwirkungen der Impfung warnen, das Quecksilber als Haltbarmacher im Impfstoff monieren oder anderweitig die Politik der Medikamentenhersteller geißeln. Und ich bin der Meinung, dass daran auch meist eine ganze Menge dran sein kann.

Ist schon mutig genug, sich gegen die finanzfetten Lobbyisten und Oberzahler der Pharmabranche zu stellen. Und dass dann auch mit festen Argumenten, bestenfalls sogar Zahlen und Studien zu unterlegen ist doppelt honorig.

Aber gibt´s mal einen realistischen Tipp, wie man echte Grippe bei täglichem Umgang mit vielen Menschen wirkungsvoll vermeiden kann?

Ich würd das auch gern ohne Impfung versuchen- wenn Aussicht auf Erfolg besteht. Dieses Jahr geh ich noch hin.

Ich gestehe es ehrlich:

Der Familien-Knecht neigt gelegentlich zum Ausbruch.

Nun, wenn man tagein, tagaus im Haushalt der Knechterin betätigt wurde, dann wird selbst dem liebenswertesten Familien-Knecht manchmal der Kragen ein wenig zu eng.

Und dann muss er  r a u s !

Nicht oft, aber dann gerne richtig!

Natürlich nur so, dass es nicht auffällt und um Himmels Willen der Knechterin nicht aufstößt.

Was könnte ich sonst im nächsten Jahr vorbringen? Dann, wenn ich wieder mal raus wollte und mir mein Zankeisen die schlimmen Entgleisungen des Vorjahres laut vorhält – wie auch schon in den 11 Monaten zuvor.

Wie auch immer: jetzt mußte es mal wieder sein!

Früher waren es Michael Jackson oder Depeche Mode.

Diesmal kam ELSTERGLANZ nach Berlin.

Wenn der Name bisher manch einem noch als Polierpaste in Erinnerung ist, bringt er nun andere Dinge zum Glänzen:

Ohren und Augen – aber wie!

Raimund hatte die Idee und besorgte Karten für ein halbes Dutzend Leute. Glück, denn es war längst ausverkauft.

Endlich war´s soweit. Im Berliner ASTRA ging die Post ab. Der Zuschauer wurde mit “Schienenersatzverkehr” geködert, durch den Boxring geleiert und vom Bundesnachrichtendienst bewertet.

G E N I A L !

Hätten die Jungs aus Eisleben nicht mal eine halbe Stunde Pause zwischendurch gemacht – es gäbe jetzt einen totgelachten Familien-Knecht zu beweinen.

Wir hatten das tatsächlich angenehme Privileg der Stehpätze. Es bewahrte uns vor völlig blau geschlagenen Schenkeln.

Irgendwann drehte sich Raimund um, wischte ein paar Tränen aus dem Auge, schüttelte den Kopf, und meinte stöhnend:

“Oh Mann- wie weit draussen sind die denn!?”

Als Familien-Knecht hob ich die Schultern und dachte:

“Irgendwo im Proxima Centauri oder Beteigeuze.”

Wahrscheinlich enden sie als Supernova und kommen als Geist des Komischen über die Welt.

Hoffentlich, die Welt hätte es nötig!

Die Jungs sind “voll auf Kleber!”

Seitdem gibt es unter den vielen Besuchern in Berlin weiter die vorherrschende Ansprache:

” L l l l -eute ! ”

Und jeder weiß, was gemeint ist, wenn es heisst:

“Junge, hier is Helmpflicht”

Viele neue Fans hat ELSTRGLANZ in Berlin mit diesem Programm ganz sicher gewonnen.  Manchmal erwischt sich sogar der Familien-Knecht beim Pfeifen der “Oberarztpolka”.

Ganz klar ist immer noch Rambo der beste Koch der Welt- mach Eier!

Elsterglanz- Verehrer nutzen eine Geheimsprache: den Mansfelder Dialekt.

Wissende erkennen sich an der wie nebenbei eingeworfenen Feststellung: “Na klar hab ich ne Eisenbahnplatte”.

Dann ist allen alles klar und es beginnt das große “Im-Kreis-Grinsen”.

Man mag ihn einfach, den tierlieben Kaltmacher.

… denn so eh kleenes Kaninchen…

Bleibt nur noch eine Liebeserklärung von mir: “Kommt mich mal schön wieder, Meiner!”

Als erblich bedingter Kleinknechtaufzieher ist man ständig lauernden Gefahren ausgesetzt, auch unbekannten. Meist merkt man es gar nicht – oder eben zu spät.

Gelegentlich kommen dem Familien-Knecht einschlägige Meldungen der Öffentlichkeit zu Hilfe, die solche Gefahren signalisieren. Man muss sie dann allerdings erkennen, annehmen und umsetzen.

Kürzlich ließ der BGH in einer Urteilsverkündung wissen, dass Eltern von pubertierenden Musicdownloadern doch nicht generell für alles verantwortlich sind. Sie sind also nicht automatisch Zahlmeister für alles, was sich durch die sich permanent ändernde Synapsenvertromung der Entwicklungshirnträger ereignet.

In dem geurteilten Fall war es wohl so, dass die Eltern ihre Kinder über die Gefahren der vermeintlich illegalen Musikschacherei vorab aufgeklärt hatten und ihnen dieses Tun auch untersagten.

Wie von den Eltern leider nicht zu verhindern war, haben die Kids trotzdem heimlich Songs auf irgend einer (vielleicht gar nicht als solche zu erkennenden) Tauschbörse eingestellt.

Üble Sache das, zumal systemisch geiernde Anwälte mit hochentwickelter Software permanent das Netz und einschlägige Tauschbörsen nach sowas scannen. Folglich fischten sie die anbietenden Kinder heraus und wollten Ihre Aufzuchtmeister zu extremen Zahlungen verknacken. Es sollte nach ihrem Gusto auch gern ein Exempel statuiert werden.

Doch die braven Eltern ließen sich nicht von dödeligen Amtsrichtern vereimern und gingen durch die Instanzen bis zum BGH.

Vielen Dank an die Eltern und ihren Anwalt dafür!

Dort erst stellte man kindliches Tun wieder als solches auf die Beine und erteilte den Anwälten und der Musikindustrie mit Blick auf die Wirklichkeit des Lebens eine kräftige Watsche.

Aber nur weil die Eltern ihre Kinder zuvor ordentlich belehrt haben!

Folglich trug mir die Knechterin auf, Gegenmaßnahmen gegen derartige Anwaltsforderungen einzuleiten. Sofort!

Gestern Abend, während sich andere Männer vermutlich die Sportschau ansehen durften, habe ich eine

“Ihr Kleinknechte sollt keine Musik illegal downloaden und/oder zum Tausch im Netz anbieten sowie andere verbotene Dinge tun”- Rede notiert.

Heute wurden dann Kind und Kegel vor laufendem Video und mit ernster Mine belehrt.

Vielleicht schützt es nicht vor allem -ähnlich wie Versicherungen- aber wenigstens kann man sich bei entsprechenden Anwürfen unter Hinweis auf das bereits ergangene BGH-Urteil vor Schlimmerem bewahren. Ich bin mir nämlich nicht immer sicher, dass unsere Kleinknechte dauerhaft die Finger von der Musikzockerei lassen. Wie auch?

Zur Nachahmung ausdrücklich allen Eltern empfohlen!

Der Kleinknecht jammert seit Tagen und trägt mit großem Engagement üble Laune vor.

Alles begann, nachdem er freiwillig in die neue Schule gewechselt war.

Er könne doch soo niemanden aus seinem Gymnasium zu sich nach Hause einladen.

(???)

Da sind seiner Meinung nach tausend Sachen, die erst mal gar nicht gehen.

Vom unbeschäftigten Rest der um meine üppige Freizeit ach so besorgten Familienbande bekommt er natürlich Recht.

Nicht nur das, sogar direkten Zuspruch.

So ginge es auf keinen Fall weiter, es müsse jetzt ein ganz ein anderer Wind hier rein… sofort!

“Ich verstehe ja…” versuche ich einen Einwand, den die Knechterin direkt im Ansatz in eine Zustimmung umzuwandeln weiß.

“Na dann ist ja alles klar”, höre ich, “fang schon mal mit den Plüschtieren an, zieh die Haken und Dübel raus und schmier die Löcher alle mit Acryl zu…”

Der ungeübte Knechtleser sollte an dieser Stelle wissen, dass sich um die ausufernde, textile Zooplage der Knechtsfamilie Legenden ranken.

Zum Beispiel die, das die Knechterin schon beim Einzug darauf bestand, dass alle ihre Lieben aus Kindertagen mit umziehen.

Sie hatte damals sehr viele Lieben. Und jeder gute Besucher brachte der kleinen Süßen damals Plüschtiere aus aller Welt mit…

Im Prinzip kamen alle Wochen neue hinzu. Große und kleine, einschließlich des dicken blitzblauen Rummelhundes vom Schießbuden-Hauptgewinn.

So zogen hier damals viele stinkalte, mottenzerfressene Gnome und schlimmeres ein. Und inzwischen kamen noch viele, viele hinzu.

Nichts, aber auch gar nichts davon durfte je in den Müll- auch wenn sie längst dort hin gehörten.

Durch Herrinnen-Definition und Ukas-di-Mufti wurde nämlich allen, sogar den krümelnden und teilamputierten Viechern, eine jeweils eigene Seele vergeben.

Mehr Familienbindung als Seele geht bekanntlich nicht. Was also sollte ich tun?

Im Laufe der Zeit gelang es mir, jeweils 20 bis 30 kleine Exemplare zu separieren und sie so dem Teilvergessen anheim fallen zu lassen.

Später fielen die dann jeweils in eigens vom Handel bereitgestellte Vakuum- Aufbewahrungsboxen. Zum Konservieren wurde mit dem Staubsauger die Luft aus diesen Tüten rausgesaugt und dann ab mit den bizarren Plastiksärgen in die hinterste Ecke der Kammer.

Wehe dem, der einmal unvorbereitet die Türe öffnet und dem plastinierten Pluto ins Auge schaut! Der bekommt einen Schreck, der wirklich Nerven zehrt.

Nun durften also mit höchstem Segen all diese Milbengrüfte in das Kabinet des Schreckens- zur Aufbewahrung für die nächste Generation.

Die Ärmsten dieser nächsten Generation, wenn die nur wüßten!

Es gilt also, die Jungs zu ihren Kameraden und damit um die Ecke zu bringen.

Juchee !

Inzwischen sind ein gutes Dutzend der 1200 x 900 großen Knittertüten hinzugekommen und noch ist kein wirkliches Ende abzusehen.

Mein geliebter Staubsauger mußte schon umziehen deswegen.

Als hätte der keine Seele.

Aber es ist ja halt nur meiner…