Archive for the ‘ Hilfe gesucht !! ’ Category

Jeder tut, was er kann. Ich als Familienknecht auch.
Obwohl die Knechterin meint, ich würde meist genau das tun, was ich eben nicht kann – oder gar nichts, aber das sehr konsequent.

Und genau darum habe ich mir vorgenommen, es ihr zu zeigen und jetzt sofort richtig berühmt zu werden.

Einfach so, weil ich das jetzt eben so will.
Lange, selbst für meine Verhältnisse sehr lange, hatte ich darüber nachgedacht, wie man das macht, „berühmt werden“.

Schon nach vier Tagen kam mir die Idee:
Erst mal sehen was ich denn so kann.

Montagmorgen am Küchentisch begann ich ganz radikal mit meiner gnadenlosen Selbsteinschätzung.
Ihr kennt das: so ein großes, weißes Blatt mit Spalte links für „kann ich“ und Spalte rechts für „kann ich nicht“.
Zuerst das Leichte, dachte ich mir: die Spalte „kann ich“.
Also nahm ich mir einen Kaffee, setzte ich mich ran und begann wie ein Irrer zu schreiben.

Zumindest rangesetzt, angefangen und dann drüber nachgedacht hab ich.
Leider war mein Blatt mit der schonungslos ehrlichen Bestandsaufnahme auch am Mittwoch noch fast leer.
Aber nur fast!
In jeder Pause zwischen dem Nachlassen der Kaffeewirkung und dem übermächtigen Sitzschlaf schaffte ich es mit schier übermenschlicher Kraft des Geistes, meine Wissensvorräte auf das Blatt zu bannen.

Jedesmal ziemlich genau einen Buchstaben.
Nun saß ich also da und vor mir stand nach tagelanger Hirnmassage „ G d i n f s t “.

- Ich rätselte drei Tage herum, was das bedeutet- kam aber nicht drauf.
So´n Mist, wenn berühmt werden gleich so mies anfängt, hab ich auf den Rest gar keine Lust.
Also Taktikwechsel!

Oft hilft innere Ruhe und Sammlung.

Sie führt zur erhöhten Konzentration und befördert uns in eine neue Qualität des Denkens.

Praktisch ganz von selbst – und das ist mir von allen anstrengenden Tätigkeiten immer noch die Liebste.

So war ich den Rest der Woche ganz bewußt und aktiv abstinent.

Richtig doll abstinent –jedenfalls was das Schreiben betrifft.

Hab mich so halt ganz konzentriert auf den großen Durchbruch vorbereitet.

Ich warte aktiv auf den Anstieg meines inneren Berühmtheitspegels und bringe ihn kurz vorm Überschwappen ganz gezielt auf´s Papier.

Aber Obacht!

Dabei hatte ich mich gestern in einer Phase des Power-Relaxing mental einmal so richtig verausgabt. Fast völlig verausgabt!

Sofort musste ich davon weg und bin nun für ein paar Tage wieder im cool-down.
Der Zustand hält jetzt wahrscheinlich noch eine ganze Weile so an.

- Ich muss halt erst mal wieder locker werden, bevor es weiter aufwärts geht.
Man soll sich auch nicht zu verbohrt in eine Idee hineinsteigern.

Airbag zum Reiten

Hatte ich gegenüber dem mit seinem Familienknecht treu mitleidenden Leser schon erwähnt, dass vornehmlich Nachwuchsknechterinnen einen Teil ihrer Freizeit einem privaten und doch elitären Vergnügen kaprizieren?
Sie lassen es sich angelegen sein, einige Tage im Jahr dem stundenweisen Reiten von Pferden zu widmen.

Es beginnt wie immer:

Sie entziehen ihren Knechten eine gehörige Menge Geldes und machen sich direkt auf den Weg, der sie wie üblich zuerst in ziemlich kostenintensive Ausstattungsläden führt.

Edel ausgerüstet begeben sie sich sodann zum Pferdehof um bald auf einem Zossen ungebremst und scheinbar ganz und gar nur nach dem Pferdegusto wilde Kapriolen zu schlagen.
Nun, die Freude an den teils ungewollt-artistischen, equinen Einlagen ist sicher Ansichtssache.

Das eine oder andere Pferd vollführt nämlich hin und wieder gänzlich unerwartet gewaltige Bocksprünge oder plötzliche Richtungswechsel.

Oft sieht die Reiterin das ganz gelassen- und manchmal eben vom Boden aus.

Doch egal wie es ausgeht: überlebt die Amazone den wilden Ritt, wird für jegliche Ausbrüche des so edlen wie eigensinnigen Vierbeiners eine passende Begründung gefunden.

Völlig unabhängig von Art und Ausmaß des Unbill wird der große Grasfresser in jedem Fall geherzt, gepflegt und dazu mit Möhren und Leckereien vollgestopft.

Sogar gekuschelt wird, dass es nur so eine Art hat.
Leidensgenossen, gelb vor Neid kann man als Familienknecht werden, wenn die Schöne den Wallachhals umarmt und das Tier innig küsst! Welche Verschwendung!
Um die Ausfälle zahlender Reiterinnen gering zu halten, hat die Reiterhofindustrie Airbag-Westen entwickelt.

Die pusten sich schon auf, während die Peitschenhalterin den unerwartet schnellen Weg vom Sattel auf den Boden des Geläufs noch sucht ohne ihn finden zu wollen.

Freunde, geht hin und schaut Euch das einmal an!

Es ist bockkomisch, wie aus einer schlanken Amazone plötzlich eine aufgepustete Michelinfrau wird.

Obwohl, es erinnert einen an irgend etwas.

Manche Knechterinnen brauchen ohne solch eine Weste dafür spezielle Zuwendung…

Oder sie finden einen Familienknecht…

Seit Ewigkeiten lasse ich es mir so richtig wohl sein. Ich gehe nur meinen Freuden nach und streichle dabei zärtlich an meinen Lieblingen herum…

So jedenfalls würde meine Knechterin das nennen.

Genau genommen hocke ich seit gefühlten 14 Stunden in schmerzhafter Tiefkniestellung auf dem Betonboden der Garage und denke über mein Fehlverhalten nach.

Was habe ich nur getan?! Muss ich doch, wenn ich hier so Buße tue.

Konkret gesagt putze und pflege ich mit Werkzeug und Öllappen sämtliche technischen Großgeräte der Familie.

Was man so macht: nachziehen der Muttern und Schrauben, prüfen der Elektrik und herstellen der allgemeinen Betriebsbereitschaft für das Ende der Winterzeit.

Schließlich will die Knechterin gleich beim ersten Lärchengezwitscher wieder den alljährlichen Kampf der elektrischen Freilandschere mit den Heckenbrütern bis zum blutigen Ende führen…

Da muss man schließlich gewappnet sein.

Die faule Katze macht das ja nicht, die spielt auf der Straße lieber „wild rumrennen“ und freut sich, wenn die Autos schlingern!

An manchen Geräten ist gar nicht so viel zu tun. Der Bohrhammer ging ganz schnell und die Schneefräse hat schließlich noch den verkaufsüblich industriellen Ölfilm vorzuweisen. Zum Glück, bei diesem Wetter.

Ach bitte:

Wer kauft mir das spöttische Gesicht meiner Knechterin ab, wenn sie im Bekanntenkreis über die Sinnhaftigkeit und unbedingte Notwendigkeit meiner Neuerwerbung “Schneefräse” schwadroniert?

Hilft mir da jemand?

Hallo?!

Haustiere aller Länder, vermehret Euch!

Egal wo und egal was. Die Knechterin nimmt am Ende jede Kreatur auf, die sie in Gottes großem Tierreich heimatlos wähnt.

Kaum war unser Meerschweinchen verendet und die 3-tägige Staatstrauer vorbei, wurde über die Anschaffung eines Kleintierzoos nachgedacht.

Die Unterbringung des Viehzeugs ist bei dieser Verschwörungen zwischen Kindern und Knechterin üblicherweise kein Thema.

Selbst die vorsichtigste Frage danach würde mit einem „ach, Papa fuddelt da schon irgendwas…“ abgebürstet, wenn sie denn überhaupt gestellt werden würde. Was ich nicht glaube.

Der Familienknecht wird über die getroffenen Entscheidungen erstmal nur derart informiert, dass ihm am Samstagmorgen alle mitteilen, dass wir in Berlin gemeinsam einkaufen fahren…

Hoppla, da merkt auch der wohlmeinendste und schläfrigste Knecht auf. Noch nie hat die Familie einfach nur so eine gemeinsame Einkaufstour gemacht. Immer steckte ein Ziel dahinter.

Mitten während der Fahrt wird die Zielrichtung geändert und eine neue Marschrichtungszahl ausgegeben. So in der Art: „Wir wollten dich überraschen, wir fahren nicht einkaufen sondern zum …“

So wie damals, als ich mich in kurzen Hosen, T-Shirt und Sandalen überraschend im Sportkletterwald wieder fand. Der Ausrüster hat mich von oben bis unten irritiert gemustert  und gefragt, ob ich sooo wirklich klettern will. Was sollte ich darauf antworten?

Nun, ich hatte ja keine Ahnung und so was auch noch nie gemacht.

Zur Überlegung ob ich gewollt hätte kam ich gar nicht. Aber nun war ich schon mal da, und dann gibt es da noch ein ehernes Gesetz:

ein Familienknecht kneift nicht!

Also nickte ich, ließ mir das Gurtzeug umschnallen und stand zwei Stunden später als Vollkörperhackfleisch aus allen Rohren blutend wieder vor ihm. Sein mitleidiger Blick war vielsagend. Er sah mir an, dass ich zwischen den Bäumen Rutschpingpong gespielt hatte und er nutzte mich direkt als schlechtes Bekleidungsbeispiel für die nächste Gruppe.

Heute war es nicht ganz so schlimm.

Wir fuhren zum Tierheim und haben eine Kaninchendame geholt, damit unseres nicht so allein ist. Dabei hat der Familienknecht nicht mit ausgesucht, sondern sich im Hintergrund –sprich: an der Kasse- aufgehalten.

nebenbei, was die Menschen dort für einen Dinest an den Tieren leisten ist aller Ehren wert und darum hab ich auch noch schnell einen Schein in die große Tierheimspendenbox geworfen. Wir werden weiter unsere Tiere von dort holen.

Aber so erfuhr ich auch erst zu Hause durch ein lautes, nachdenkliches Ui, jui, jui… des Kleinknechts, dass die Kaninchendame vielleicht nicht ganz allein ist.

Na das hat uns gerade noch gefehlt: eine ganze Kiste voll Karnickel. Ich werde den allen Namen geben: Ragout, Rotkohl, Klößchen…

Aber im Ernst, ein paar aus der Kiste bringen wir dann wieder in Tierheim Berlin. Hoffe ich.

Es sind genau diese Momente, die das Leben komplett zerreißen und einen Familienknecht am Boden zerstören. Es zermürbt mich und macht mich völlig fertig.

Mit einem einzigen Ringeldingelding ist alles kaputt. Da hat man auf noch eins gar keine Lust mehr.

Müde und matt von der Wochenarbeit kam ich ins traute Heim. Und doch war ich sehr aufgeregt, ich hatte so dringendes zu berichten.

Gerade war ich dabei, der Familienknechterin von all den fantastischen Unglaublichkeiten in meiner Firma zu erzählen, für die ich mich aber so was von doll zum absoluten Schweigen verpflichtet hatte. So sehr zum Schweigen also, dass ich es ihr s o f o r t alles haarklein erzählen musste.

Zugegeben, es war angesichts des seit Tagen fortlaufenden Regens nicht besonders schön, erst hinterher die Schuhe auszuziehen. Aber es war zumindest der Nachricht und der gegebenen Situation entsprechend angemessen- meinte ich.

Gerade hatte ich begonnen und geschickt den ersten erzählerischen Spannungsbogen aufgebaut, klingelte das Telefon:

Ringeldingelding! — ? Und dann noch mal.

Die Knechterin rief gleich nach der Vorstellung der Anruferin  (natürlich eine Anruferin, was sonst?)

„Hallo Heidi, toll dass du anrufst“ und begann ein nach Frauenart typisches Ganzlangezeitgespräch ohne Luftholen…

Aber das wusste ich da noch nicht. Eigentlich wähnte ich mich selbst ja noch im Erzählfluss und dachte an ein Kurztelefonat.

Derweil stand meine Erzählhälfte auf und verschwand laut schnatternd in der Küche.

Heidi…, den Namen kannte ich irgendwoher- kann vielleicht eine Kollegin von früher sein.

Sie kommt bestimmt gleich wieder, hoffte ich.

War ja schließlich spannend, was ich zu sagen hatte…

Nach einer Viertelstunde flog die Tür auf aber die Knechterin fragte mich nur kurz nach dem Namen des jungen Tierarztes, der vor elf Jahren einmal unseren vormaligen Hund behandelt hatte…

Da wusste ich in etwa, wie lange sich die Beiden nicht gesprochen hatten und konnte abschätzen, wann die lange Geschichte im Hier und Jetzt des Jahres 2012 etwa zu Ende sein würde.

Na prima, dachte ich, nun kann ich genau an der Stelle weiter warten, an der sie eben hereinkam und mich mitten beim intensiven Warten unterbrach.

Was haben Frauen nur so lange zu erzählen? Urlaub, Männer, Sex, Autos?

Oder Sex im Urlaub mit Männern in Autos??

Ich werd´s nie erfahren.

Wenn das schon so lange dauert, könnte ich mir wenigstens die Schuhe ausziehen. Die sind jetzt eh trocken.

Eine halbe Stunde später -so nahm ich mir nun fest vor- esse ich dann zur Strafe erst ganz allein  Abendbrot, nehme anschließend ein ausgiebiges Wannenbad bei Kerzenlicht und wenn sie dann noch immer telefoniert, … dann treib ich´s aber richtig bunt!

Dann setze ich mich an den Computer, denke lange, lange nach und werde einen bitterbösen Artikel in mein Blog schreiben.

Über fremde Frauen nämlich, Frauen die ganz doll herzlos sind und ihren Männern nicht mal zuhören können. Sie hat es also selbst in der Hand.

Aus völlig unbegründeter Furcht vor Rache der Knechterin werde ich vorsichtshalber keine Namen veröffentlichen. Es könnte sich jemand fälschlicherweise angesprochen fühlen…

Aber soweit wird meine Liebste es nie und nimmer kommen lassen!

Sicher ist sie gleich fertig und hört mir weiter zu.

Allein die Nichtexistenz meines anonymen Pamphlets über weibliche Ungezogenheit beweist ja wohl  hinreichend, dass die Vermutung eines längeren Knechterinnentelefonates eine völlig unbegründete Annahme war…

Dann fiel es mir doch ein: Heidi ist bestimmt diese langweilige ehemalige Nachbarin, die mal ein Vierteljahr neben der ungeehelichten Jungknechterin wohnte.

Sie quatschte der Knechterin damals oft die Taschen voll, bevor sie in die städtische Irrenanstalt verbracht wurde.

Nee, versteh ich schon, Heidi ist heut wichtig…

Aber eins hab´ ich mir fest vorgenommen: über Heidi schreibe ich auch noch, und dann nenne ich sie auch HEIDI!