Archive for the ‘ RackaTacka ’ Category

Sind ja Ferien und da kann man was mit dem Racklewack unternehmen. Immer nur zu Haus, unter der Knute der Knechterin ist ja auch nichts.

Also ging es in den Kletterpark. Wir waren schon mal dort und kannten uns aus. Ahnen konnten wir aber nicht, dass dort in den letzten Monaten unglaublich investiert wurde. Neue Klettertouren, neue Schwierigkeiten und jede Menge neuer Spaß sind dazu gekommen. Die Kleinknechte jagten mich ganz schön über die Parcours. Aber ich war ordentlich vorbereitet. Dachte ich.

Kurz vor Ablauf der Zeit freute sich der Familienknecht: schon standen wir am Ausgang und es bestand inwändig dringender Anspruch auf ein ordentliches Astbier in der nahen gastlichen Stätte.

Doch nicht mit meiner Familie. Fast am Ausgang befindet sich nämlich auch der Aufstieg zum Parcour 11. Der ist auf dem Hinweisschild mit dem Wort EXTREM wohl nur ganz und gar unzureichend beschrieben.

Schon drängten alle, ich hätte doch noch ein paar Minuten und solle mich mal nicht so haben, schließlich hätte ich doch auch sonst…

Was soll ich also sagen, um meinen guten Ruf nicht zu ruinieren schwang ich mich auf die Leiter und hangelte dem Gaudi entgegen, leider nicht meinem.

Wer kennt nicht den Effekt, der eintritt, wenn eine Familie laut rufend nach oben schaut? Im Nu gafften die Neuankömmlinge, alle Umstehenden und das Personal zu mir hoch. Sie sahen dann auch nicht gerade den jungen Reinhold Messner, sondern eher den ältlich schnaufenden Yeti im Seilgewirr.

Ich hatte mich bei der Vorbereitung wohl etwas vergriffen. An Statt Unmengen von Muskeln hatte ich versehentlich jede Menge Hüftspeckiger Schwungmasse dabei.

Die paar aktiven Muskeln fühlten sich bereits abgegriffen an und waren echt sauer nach den ersten 8 Parcours. Mein Kopf hatte sich dem roten Helm gut angepasst. Farblich zumindest.
Jetzt wenigstens ein isotonisches Erfrischungsgetränk, ein Riegel oder sonstwas, Hauptsache es hilft…

Aus allen Richtungen prasselten wohlmeinende Tips auf mich ein.

Seehr hilfreich! Und bestimmt hätte ich sie alle umgesetzt, wenn mir das Blutsausen zwischen der Hechelatmung nicht dauernd die Ohren verstopft hätte.

Gelegentlich rutschte ich von einer Wand oder Schlaufe in den Sitzgurt um baumelnd abzuhängen. Natürlich mit voller Absicht, rief ich den Aufschreienden unten zu. Nur um die schöne Aussicht…hechel, hechel.

Nach gut 20 Minuten erreichte ich den Notausstieg nach dem ersten Drittel und kletterte nach unten. Sonst wären die Schwächlinge am Boden ja nur kalt geworden…

Der Typ bei der Helmrückgabe erklärte dem Kleinknecht auf Nachfrage, das einigermaßen gute Kletterer den gesamten 11er Parcour schon locker in 9 Minuten bezwingen.

Kacke, wer wollte das denn schon wissen?

Todesfall beim Knecht

Es war wohl Altersschwäche, multiples Organversagen oder etwas Schlimmeres. Am Ende jedenfalls stand es fest:

Die mit der großen Klappe ist nicht mehr. Sie hat von 2004 – 2012 bei uns gelebt und wir danken ihr dafür.

Eines Tages ließen fremde Männer sie hier zurück, ein Mädel aus gutem Hause. Da stand sie also rum, bekam von uns den Namen „Ingeborg“, wurde irgendwie integriert und seitdem wohnte sie bei uns.

Mietfrei. Für uns war sie eine dunkelgehäutete Schwarzarbeiterin.

Eine in Ämtern weitgehend unbekannte Angestellte ohne Sozialversicherungsnummer. Wir haben nie einen Cent an ihre Krankenkasse überwiesen, keine GEZ für sie gezahlt. Auch sonst war sie mit dem Wenigen, das man ihr geben musste ganz zufrieden.

Jahrelang war sie mitten unter uns. Immer fleißig, immer bemüht, das beste aus ihrem Dasein zu machen.

Stand immer nur still da und brummte.

In der letzten Zeit etwas lauter, das wohl. Aber im Großen und Ganzen waren wir recht zufrieden miteinander.

So sehen Intergrationssieger aus!

Gestern hat sie inwändig still räsoniert, eine Weile getottert und dann brannte ihr irgendwann eine Sicherung durch. Sie hat  noch etwas rumgestunken und dann die Brocken hingeworfen.

Nun stehen wir ohne sie da und plötzlich muss man sich erinnern, wie das war: alles Geschirr selbst abwaschen.

Ich zog ihr noch das braune Holzkleid aus und später hole ich die Jungs in Orange zum Abtransport. Ja, so grausam ist es, denn der Tod gehört immer auch zum Leben dazu!

Aber bald scheint wieder die Sonne. Dann füllt der Chef wieder das Konto des Familienknechts und dann gehen wir los ins Küchenstudio, eine neue Angestellte zu kaufen.

Is halt nix, so ohne Geschirrspüler.

Danke Dir, liebe Ingeborg, wars ein braves Mädel, der Herr sei Deinen Teilen gnädig.

TAE Stecker gesucht

Irgendwann trifft es auch den treusorgenden Familienknecht auf die unangenehmste Weise. Wie es sich gehört natürlich auch noch zu einer Zeit, wo man so was wirklich gar nicht gebrauchen kann.

So auch bei uns. Als die Knechterin vor kurzem wieder mal den frühlingshaften Hühnerscharrkurs mit Feudel und Eimer in heimischen Gemäuern absolvierte, ersann sie eine neue Idee:

Und kaum gedacht, wollte sie es auch schon getan sein lassen. Am Liebsten wie üblich von mir und dafür aber sofort.

„Schaaatz, kannst du mir mal bitte helfen…?“ drang es wieder mal an mein Ohr.  Wer kann da schon widerstehen? Noch dazu in meiner von Schmerzen und Erwartungsangst gebeugten Position!

Um dem geneigten Leser die Haltung zu verdeutlichen: Ich war soeben dabei, aus einem mit Haaren und weiteren undefinierbar verklebten Substanzen verschmierten Siphon des Waschbeckens den verlorengeglaubten Ohrring zu befreien. Und so schnell konnte ich den eben auslaufenden Geruchsverschluss auch nicht wieder dichten.

Sie rief noch einmal drängender und dann hörte ich, wie sie in einem Raum irgendwo mit aller Kraft Möbel zu verrücken begann.

Unsere schönen Sitzmöbel schickte sie wieder einmal auf eine ihrer berüchtigten Zimmerrreisen! Als ich das wahrnahm, sprintete ich die letzten Meter und riß dabei uneingedenk des dabei auftretenden Schmerzes noch eine Türklinke ab.

So kam ich vielleicht ein klein wenig später als ich es hätte tun sollen um Schlimmeres zu verhindern. Denn soeben hörte ich etwas krachen und darauf die massiv angeschwollene Stimme meiner Knechterin, die mir mehrere ungewohnt fäkalisierte Worte entgegen rief.

Als ich dazu kam und fragte, was los sei, lehnte sie schon mit vorwurfsvollem Blick am Sofa und deutete auf eine Ecke:

“Das da- und nur weil du dauernd so trödelst. Und jetzt sieh zu, wie du das wieder hinkriegst!“

Mein Blick tastete sich durch das Wohnzimmer und konnte nur die umgerissene Stehlampe erkennen. Die war noch von Tante Ortrud und hätte eh schon auf den Müll gehört. Also hielt sich der Verlust scheinbar erst mal in Grenzen.

Aber dann kam es: sie hatte beim unkontrollierten Möbelboule die gesamten Rückwandinstallationen herausgerissen und pulverisiert. Alle Kabel, Stecker und Dosen waren nur noch ein splitternder Schatten ihres früheren Ganzseins.

Große Kacke!

Es hat mich eine gehörige Zeit gekostet, erst mal den Schaden genau aufzunehmen, um mich dann auf die Suche zu machen, nach all den Verbindungsteilen, Unterputzdosen und dem TAE Stecker. Letzlicht fand ich es dann doch noch bequem und es passte alles in ein Päckchen.

Ganze 7 Stunden Arbeit hat sie mir allein für die Montagen aufgebürdet. Dafür musste sie mir aber auch einen lecker Bratapfelkuchen backen und versprechen, so was aber auch nie, nie wieder zu tun.

Außerdem konnte ich ihr nicht garantieren, dass alle Sender im TV wieder laufen. Besonders wenn Dieter Bohlen wieder bei Blöd-TV faselt.

Tja, Strafe muss sein!

Meine Knechterin als Haushuhn “par excellence” schielte ja längst auf einen neuen Bauklotz.

Sie nennt den Erwerb einer Immobilie Altersvorsorge für unsere Familie.

Also muss ich los und suchen und suchen.
Wahrscheinlich es ist einfach ihre Art vor zu sorgen, daß ich schneller altere.

Denn das steht ja wohl fest wie der christliche Glaube in Deutschland:
An der Seite meiner Knechterin kann man richtig gut alt werden.

Jawohl, und zwar schneller und stärker, als man es je für möglich hielt!
Nach vielen Versuchen hatte ich ein Objekt gefunden. Es war ganz gut für uns und liegt im Budget. Das reichte aber nur bis hierher.
Eben fiel ihr mir nichts- dir nichts ein, ob ich auch daran gedacht hätte, dass unser neues Heim einen Treppenlift aufnehmen kann. Falls Oma oder Tante Ortrud bei uns einziehen…
Treppenlift?! Ja klar – nee!

Wie konnte ich nur darauf nicht achten?! Tausend Sachen hab ich noch nicht bedacht.

Z. B. an die ökologische Verwertung künftig zu wünschender Enkelwindeln hatte ich noch nicht gedacht…
Nun sitz ich wieder bei der Prüfung der Unterlagen- wehe wenn das nicht drin ist. Die Dinger sind heutzutage ja zum Glück nicht mehr die Fahrstuhlmonster von damals. Da passt schon was.

Oma zerren wir irgendwie liebevoll die Holztreppe rauf.

Und für die besonders liebe Tante Ortrud ist es ganz einfach. Da besorge ich vom ehemaligen Luftwaffengeschwader einen ausgedienten Schleudersitz.

Uuups…

Jeder tut, was er kann. Ich als Familienknecht auch.
Obwohl die Knechterin meint, ich würde meist genau das tun, was ich eben nicht kann – oder gar nichts, aber das sehr konsequent.

Und genau darum habe ich mir vorgenommen, es ihr zu zeigen und jetzt sofort richtig berühmt zu werden.

Einfach so, weil ich das jetzt eben so will.
Lange, selbst für meine Verhältnisse sehr lange, hatte ich darüber nachgedacht, wie man das macht, „berühmt werden“.

Schon nach vier Tagen kam mir die Idee:
Erst mal sehen was ich denn so kann.

Montagmorgen am Küchentisch begann ich ganz radikal mit meiner gnadenlosen Selbsteinschätzung.
Ihr kennt das: so ein großes, weißes Blatt mit Spalte links für „kann ich“ und Spalte rechts für „kann ich nicht“.
Zuerst das Leichte, dachte ich mir: die Spalte „kann ich“.
Also nahm ich mir einen Kaffee, setzte ich mich ran und begann wie ein Irrer zu schreiben.

Zumindest rangesetzt, angefangen und dann drüber nachgedacht hab ich.
Leider war mein Blatt mit der schonungslos ehrlichen Bestandsaufnahme auch am Mittwoch noch fast leer.
Aber nur fast!
In jeder Pause zwischen dem Nachlassen der Kaffeewirkung und dem übermächtigen Sitzschlaf schaffte ich es mit schier übermenschlicher Kraft des Geistes, meine Wissensvorräte auf das Blatt zu bannen.

Jedesmal ziemlich genau einen Buchstaben.
Nun saß ich also da und vor mir stand nach tagelanger Hirnmassage „ G d i n f s t “.

- Ich rätselte drei Tage herum, was das bedeutet- kam aber nicht drauf.
So´n Mist, wenn berühmt werden gleich so mies anfängt, hab ich auf den Rest gar keine Lust.
Also Taktikwechsel!

Oft hilft innere Ruhe und Sammlung.

Sie führt zur erhöhten Konzentration und befördert uns in eine neue Qualität des Denkens.

Praktisch ganz von selbst – und das ist mir von allen anstrengenden Tätigkeiten immer noch die Liebste.

So war ich den Rest der Woche ganz bewußt und aktiv abstinent.

Richtig doll abstinent –jedenfalls was das Schreiben betrifft.

Hab mich so halt ganz konzentriert auf den großen Durchbruch vorbereitet.

Ich warte aktiv auf den Anstieg meines inneren Berühmtheitspegels und bringe ihn kurz vorm Überschwappen ganz gezielt auf´s Papier.

Aber Obacht!

Dabei hatte ich mich gestern in einer Phase des Power-Relaxing mental einmal so richtig verausgabt. Fast völlig verausgabt!

Sofort musste ich davon weg und bin nun für ein paar Tage wieder im cool-down.
Der Zustand hält jetzt wahrscheinlich noch eine ganze Weile so an.

- Ich muss halt erst mal wieder locker werden, bevor es weiter aufwärts geht.
Man soll sich auch nicht zu verbohrt in eine Idee hineinsteigern.