Den familienknechtigen Ernährungsauswuchs missbilligend im Blick behaltend meinte die Herrin, es sei Zeit Sport zu treiben.

Also für mich jetzt.

Meinen Hinweis, ich würde in der Wohnung und sonst schon genug zu tun haben und könne mir die Zeit ja auch nicht aus den Rippen schneiden, ließ sie mit einigem Lob über meinen Fleiß auch gelten.

Ich freute mich innerlich über die anstehende Ruhe und war es –dämlicherweise- zufrieden. Allerdings nur kurz.

Dann holte sie zum Männerargumentevernichtungsschlag aus indem sie meinte, ich sollte trotzdem etwas Zeit erübrigen. Schließlich wäre ich zuletzt sehr schnappatmig und unbeweglich bei gewissen Übungen. Und sie wolle ja künftig nicht dauernd zu kurz kommen müssen…

Wer lässt sich das vorwerfen?! Kein Familienknecht!

Also kurz überlegt, dann ran ans Telefon und Unterstützung geholt.

Erste Wahl ist  Raimund. Aber statt mir Hilfsempfehlungen zu geben, meinte er noch, ich wäre in der Tat in letzter Zeit…

„Schöner Freund!“ dachte ich. Er erwähnte, in seinem Stall würde sich ob des Luxustumors in seiner Leibsmitte auch Widerstand regen. Der sei zwar liebenswert-besorgter Natur und hätte sich gottlob noch nicht küchenseitig ausgeprägt- aber man könne ja nie wissen. Vorsorge dahingehend und Bewegung an sich wäre vielleicht nicht verkehrt, er jedenfalls wäre dabei.

Na toll- wenn man mal Freunde braucht! Ich dachte eher, von ihm Ideen dagegen zu bekommen.

Was soll´s, dann eben Sport.

Wir zerbrachen uns bald darauf den Kopf und berieten mehrere Stunden im Kollektiv über die durchführbare Sportart.

Raimund und ich und eine anständige Flasche Whisky.

Wir sprachen lange. Vorsichtshalber erwähnte keiner das Wort Sport.

Raimund hatte dann die Idee.

Draußen stelzten gerade zwei Sportlerinnen im Postklimakterium mit ihrer Bewegungsfreude vorbei. Ich saß am Tisch und hörte nur das Klack-Klack der Sportwanderstäbe.

Aha, Nordic-Walking – die Stockenten.

Raimund stand am Fenster, drehte sich um und meinte:

„Das machen wir.“

„ ???! “

Ich schaute auf die Flasche und versuchte zu fragen: „wir gehen als Stockenten, meinst du das? War was mit dem Drink nicht in Ordnung?“

Ich fand den Fusel wie immer: schmeckte nach Pinselreiniger, drehte das Hirn und machte aus der Zunge langsam eine Rolltreppe.

Raimund meinte „Nein, nein wir machen das ohne Stöcker. Nicht wie die weibischen Stockenten, sondern wie die Männer, die Erpel eben. Wir erpeln!“

Ich hob den Kopf und sah ihn in dem Moment als Großbrillenerpel schnatternd vor mir. Ein irgendwie beängstigendes Bild, das man schnell runterschlucken musste.

„Echt, erpeln?“           „Jaaha!“

Also erpeln. Beschlossen und den Frauen zu ihrer Glückseligkeit verkündet. Als Zweites sammeln wir nun für die neue Sportart “Erpeln” jede Menge gute Argumente. Dann kommt die wichtige Ausrüstungsauswahl

(…und bald hoffentlich der erste Schnee und Weihnachten…)

… und dann wollen die Frauen ernsthaft etwas sehen. Ich glaub es geht los!