Katzen-kratzen-Kratzbaum-gern

Der alte Gummibaum im Wohnzimmer verließ bereits mehrmals die Horizontale, um sich mit Hilfe der Katzen einmal flach zu legen.

Darum wurde sein häufigeres Begehren dieser Art auf direkte Weisung der Knechterin vom Familienknecht mittels Schnur und Hakendübel verhindert.

Das allerdings beendete nicht automatisch den Spieldrang der schnurrenden Gesellen. Die

schon-lange-nicht-mehr Mäuse-Fänger

machten sich aus meinem Geschrei und Gezeter gar nichts, wenn sie ihre Katzbalgereien mitten im tropischen Weichholzgewächs ausübten. Muss man das von den Tieren hinnehmen?

Ständig rissen die Viecher mit ihren Krallen tiefe Schlitze in die Gummibaumrinde oder knickten beim Springen die großen Blätter ab. Und die Pflanze hatte dann natürlich nichts Besseres zu tun, als auf diesen Umstand mit weißem Geklecker hinzuweisen.

Wer schon mal Gummibaumlösung aus dem Teppich waschen mußte, der weiß, wovon die Rede ist. Gott behüte, dass das Zeug auch noch einen Tag unbemerkt bleibt und aushärten kann!

So konnte es nicht weitergehen!

Die alternative Lösung war ein Kratzbaum. Das soll sie ablenken und den Spieltrieb lassen sie dann mehr an dem um die Stämme gewundenen Sisal aus, als an den Wänden und den Holzschränken. So steht es jedenfalls in der Beschreibung.

Sagt die Knechterin.

Gesagt getan. So wurde das neue Stubenmonster angeschafft.Kauf ganz einfach.

Zusammenbau ist mega- einfach und schon war das Teil zwischen Boden und Zimmerdecke

fest wie der christliche Glaube in Deutschland!

Bedauerlicher Weise erhielten die lieben Miezekätzchen genau den Platz, den ich als gepeinigter Familienknecht seit Jahren mit dem geheiligten Fernsehsessel für mich beanspruchte.

Die Entscheidung fiel mir aber ganz leicht, denn sie war ja zum Wohle der Katzen- sagte die Knechterin. Und eigentlich brauchen wir doch den großen Sessel auch gar nicht so dringend, meinte sie weiter…

Gut zu wissen, wer jetzt auf der Katzentreppe scheinbar eben mal so ganz nebenbei die Bedeutungsleiter an mir vorbei kletterte und mich links überholte.

Aber wahrlich, Katzen, denkt bei aller Freude daran, wer als Familien- Knecht der wirkliche Dosenöffner im Hause ist….

Die Welt ist irre da draußen- und ich will gern dabei sein. Da geht es dem Familienknecht wahrscheinlich genau so wie Hunderten anderen gleichgepeinigten Menschen auch.

Wie sie, sehnt er sich aus seiner Hamsterrolle heraus nach etwas Verrücktem, Ausgelassenem und etwas, das total von eben dieser Rolle ist. Zumindest wenigstens von der Rolle der Knechterin.

So sucht man sehnsüchtig im Netz und liest dann sowas: Nordseetaufe spezial bei dosensucher.de

Gott, haben die Leute da etwa Spaß gehabt ?!

Wie machen die das nur, dass die das überhaupt dürfen?

Haben die vielen, vielen Teilnehmer denn gar keine Knechterin? So eine wie ich, die schon vorher schreit, direkt in den Gedanken hinein. Also noch bevor man den klaren Gedanken zur Teilnahme kurz vor dem Aussprechen inwändig zu ordnen und zu formulieren vermag?

Was sagen deren Knechterinnen dazu? Und gibt es tatsächlich Exemplare, die ihre Partner sogar mitnehmen? Und dann vielleicht trotzdem Spaß haben? Fragen über Fragen tun sich auf.

Zeit, sich mit den Dingen, die z. B. dort bei der Nordseetaufe vorkommen, intensiver zu beschäftigen.

Was tun die da alle und wieso zum Teufel sollte es ihnen Spaß machen? Hilft nix, erst mal Lesen- und Video gucken. Ist schon irgendwie geil, im Kollektiv quer durch die Nordsee zu schippern um die Dosen zu finden.

Eigentlich das ewige Spiel: alle sind auf der Suche.
Nach dem Woher und Wohin, dem Wieso und Warum und oft auch dem von wem und wieviel. Hier haben Menschen ihre inneren Beweggründe kombiniert mit dem Drang zu Mutter Natur und dem technischen Fortschritt. Und offensichtlich Freude. Eine Markierung genügt heute oft schon dafür.

Wenn man von Bieren, leckeren Matjesbrötchen und Prosecco liest und Massenwanderungen zu Fuß und zu Rade mitbekommt kann man sogar den Spaß entdecken. Müßte man eigentlich gar keine Bilder haben.

Auch im Nordeenebel glasklar, dass diese Allerhalligen-Cruise 2012 eine runde Sache war. Schade, ging diesmal am Knecht vorbei.

Ich bleib aber dran und versuch Geocaching erst mal auf´m Land, bei uns im Moor. Vielleicht hat ja die Knechterin gar keine Lust darauf, durch die Botanik zu schlendern und Piepse zu orten. Dann kann es im nächsten Jahr was werden mit meiner Teilnahme- woll´n mal sehen!

Schuhe virtuell und dann wirklich

Immer höfter hege ich den Verdacht: das Leben digitalisiert sich zunehmend. Immer mehr Dinge des Lebens finden nur noch virtuell statt. Bald sind wir alle selbst nicht mehr unser Chef, sondern nur noch Halbleiter.

Früher rief man im Sekretariat der Schule an und meldete das Kind krank. Nachmittags kam ein Mitschüler. Er brachte Grüße, Trost und Hausaufgaben. War alles überstanden, gab man dem Kind einen Entschuldigungszettel mit und das war´s dann.

Heute erklärt einem die Sekretärin kurz, dass solche Anrufe gar nicht erst entgegengenommen würden. Man müsse sich schon per E-Mail an die Lehrerin direkt wenden und den Arztbeleg könne man gleich mal einscannen. Die Hausaufgaben sendet die Lehrerin dann umgehend per Mail. Natürlich vergißt sie nicht, das Abgabedatum einzufügen…

So ähnlich ist das auch mit meinen Schuhen. Mit breiten Europäerfüßen trabte ich in den Sportladen, nannte dem Verkäufer meine Wünsche und Belastungsparameter. So erhielt ich damals Turnschuhe und konnte sie sogar noch selbst nach Hause tragen.

Heute gibt es ja nicht mal mehr “TURNSCHUHE”! Sind alles exklusive Running Shoes oder sonstige super special Botten. Aber ich geb gerne zu: die Auswahl ist geil.

Da bättert man im Netz von einer Seite zur anderen und findet die irrsten Farben, Formen und Gestaltungen. Inzwischen kann man sich ja sein Fersenkleid auch farblich zu den Klamotten passend designen. Am Ende stehen sie schon am nächsten Tag meist als Paket auf dem Küchentisch, wenn ich nach Hause komme. Paßt!

Aber die Fachverkäufer/Innen werden mir fehlen. Die, die immer mit dem Daumen auf dem Schuh rumdrückten um zu fühlen, ob der Schuh auch wirklich gut paßt.

Was macht eigentlich Al Bundy heutzutage?

Kriegt er eine Rente oder steht der irgendwo in der Versandpampa am Band und schnürt Schuhpakete?

Lecker kochen- Kürbissuppe á la créme

Manchmal geschehen dem Familienknecht wundersame Dinge.

So geschehen vor wenigen Tagen. Wir waren auf dem Weg zu Verwandten in Randberlin und hielten an einer Gärtnerei an, um Blumen für die Dame des Hauses auf dem Wege frisch zu kaufen.

Auf dem Verkaufstresen der scheinbar netten Gärtnersfrau fanden sich viele interessante Gewächse, darunter ein ganz besonders schöner und glänzender Kürbis. Als ich fragte, ob es sich um eine essbare Sorte handelte sah mich die Gärtnerin ungläubig an. Sie suchte mit den Augen gleichentrüstete Kunden und intonierte nach ihrem Sucherfolg laut in der Art einer Altberliner Backwarenverkäuferin:

“Sagn se bloß se kenn keen Hockaido- Mann den müssn se nich mal scheeln!”

Nein, mußte ich zugeben, kannte ich bis dahin nicht. Sieht ausländisch aus und was der Knecht nicht kennt…

“Passn se uff,…”

Schon diktierte sie mir ihr Rezept in den Kopf.

Jede Silbe betonend, langsam und deutlich hämmerte sie Handhabungen und Gewürze ein. So konnten zum Glück auch die Umstehenden und alle ankommenden Kunden auf dem Parkplatz gleich mitspeichern.

Viele Fragezeichen taten sich im Hirn des Bratkartoffelverzehrers auf: Curcuma, Ingwer, Macis, Coriander- sowas kommt in Suppen und soll auch noch schmecken?

“Und wenn se dit jetz nich jerafft ham, kiekn se in´t Kochbuch, lesen könse doch, wat? Macht siehmfuffzich- und den schnieken Kürbis schenk ick se obendruff! Dankn se nich so doll, sonst wer ick noch rot, komm se lieba ma wieda.”

Was soll ich sagen, die Knechterin fuhr schnurstracks in einem Fachgeschäft für Küchenausrüstungen vorbei, kaufte Topf und Pürierstab. Zuhause dann wurde gekocht und probiert. Also erst mal ich.

Echt lecker. Und zu der Gärtnerin fahren wir trotzdem wieder hin.

Belehrung lohnt sich!

Sind ja Ferien und da kann man was mit dem Racklewack unternehmen. Immer nur zu Haus, unter der Knute der Knechterin ist ja auch nichts.

Also ging es in den Kletterpark. Wir waren schon mal dort und kannten uns aus. Ahnen konnten wir aber nicht, dass dort in den letzten Monaten unglaublich investiert wurde. Neue Klettertouren, neue Schwierigkeiten und jede Menge neuer Spaß sind dazu gekommen. Die Kleinknechte jagten mich ganz schön über die Parcours. Aber ich war ordentlich vorbereitet. Dachte ich.

Kurz vor Ablauf der Zeit freute sich der Familienknecht: schon standen wir am Ausgang und es bestand inwändig dringender Anspruch auf ein ordentliches Astbier in der nahen gastlichen Stätte.

Doch nicht mit meiner Familie. Fast am Ausgang befindet sich nämlich auch der Aufstieg zum Parcour 11. Der ist auf dem Hinweisschild mit dem Wort EXTREM wohl nur ganz und gar unzureichend beschrieben.

Schon drängten alle, ich hätte doch noch ein paar Minuten und solle mich mal nicht so haben, schließlich hätte ich doch auch sonst…

Was soll ich also sagen, um meinen guten Ruf nicht zu ruinieren schwang ich mich auf die Leiter und hangelte dem Gaudi entgegen, leider nicht meinem.

Wer kennt nicht den Effekt, der eintritt, wenn eine Familie laut rufend nach oben schaut? Im Nu gafften die Neuankömmlinge, alle Umstehenden und das Personal zu mir hoch. Sie sahen dann auch nicht gerade den jungen Reinhold Messner, sondern eher den ältlich schnaufenden Yeti im Seilgewirr.

Ich hatte mich bei der Vorbereitung wohl etwas vergriffen. An Statt Unmengen von Muskeln hatte ich versehentlich jede Menge Hüftspeckiger Schwungmasse dabei.

Die paar aktiven Muskeln fühlten sich bereits abgegriffen an und waren echt sauer nach den ersten 8 Parcours. Mein Kopf hatte sich dem roten Helm gut angepasst. Farblich zumindest.
Jetzt wenigstens ein isotonisches Erfrischungsgetränk, ein Riegel oder sonstwas, Hauptsache es hilft…

Aus allen Richtungen prasselten wohlmeinende Tips auf mich ein.

Seehr hilfreich! Und bestimmt hätte ich sie alle umgesetzt, wenn mir das Blutsausen zwischen der Hechelatmung nicht dauernd die Ohren verstopft hätte.

Gelegentlich rutschte ich von einer Wand oder Schlaufe in den Sitzgurt um baumelnd abzuhängen. Natürlich mit voller Absicht, rief ich den Aufschreienden unten zu. Nur um die schöne Aussicht…hechel, hechel.

Nach gut 20 Minuten erreichte ich den Notausstieg nach dem ersten Drittel und kletterte nach unten. Sonst wären die Schwächlinge am Boden ja nur kalt geworden…

Der Typ bei der Helmrückgabe erklärte dem Kleinknecht auf Nachfrage, das einigermaßen gute Kletterer den gesamten 11er Parcour schon locker in 9 Minuten bezwingen.

Kacke, wer wollte das denn schon wissen?