Die Knechterin ließ nicht locker. Sowas wie im vorletzten Winter wollte sie nicht noch mal erleben: nach Hause kommen und die Wohnung wurde von fremden Menschen besucht. Weil die uns auch gleich lieb gewonnen hatten und sich soo sehr gern an uns erinnern wollten, haben sie auch einige Andenken mitgenommen. Also alles im Prinzip, was klein, teuer und schnell verkäuflich ist.

So kam es, dass nicht nur unser Erbschmuck wahrscheinlich nach Mazedonien ging, sondern auch, dass die Knechterin meinte, sowas mag sie nicht. Ihre Gäste wollte sie zumindest persönlich kennenlernen, bestenfalls bewirten.

Aber so schäbig wie sich die verhielten: Abends im Dunkeln die verschlossene Glastüre aufhebeln und dann schnell wieder verschwinden- das gibt´s bei uns nicht.

Wie sichert man eine zweiflügelige Glas- Terrassentür (und auch ein großes Fenster) ? Klar mit Licht und Lärm oder mit elektronischem Schnickschnack. Aber wie verhindert man das Aufhebeln? Denn bis bei Krach jemand da ist, sind die längst weg.

Es gibt handelsübliche Sicherheitseinrichtungen. Die sehen meist martialisch aus, sind oft teuer aber auch im Sommer dran, wenn wir die Tür benutzen wollen. Zu umständlich.

Das waren meine Aufgaben: Eleganz, Reversibilität, Sicherheit und Unauffälligkeit.

Genau dass, was ein Knecht braucht. Da musste fachliche Hilfe aus dem Baumarkt ran. Der Verkäufer bei Holz Possling nahm sich die Zeit, meine Problemdarstellung zu verstehen und wußte das sogar in Tips und Hinweise umzumünzen.

Schlußendlich habe ich die Variante für nicht mal 30,- EUR pro Eingang/ Fenster der Knechterin vorgestellt und erhielt schon beim ersten Anlauf die Freigabe:

Seitlich ein größeres Loch in beide Faschen gebohrt. Mit Montagezement aus der Spritzkanüle wird eine handelsübliche 14er Stahlhülse (ca. 12 cm tief) mit Innengewinde bündig sauber eingeklebt. So sieht man im Sommer je nur ein kleines Loch, dass auch noch verstöpselt werden kann. Im Herbst wird dort je links und rechts eine Gewindestange eingedreht, die ungefähr 10 cm aus der Wand hinausragt.

Ein quadratischer Hohlstahl 20 x 20 x 1,2 wird in entsprechender Länge an einer Seite mit der Flex so ausgespart, dass die Stange bündig zwischen die Wand auf die Gewindestangen aufgesetzt werden kann. Idealer Weise direkt hinter der Tür. So kann die Tür theoretisch aufgehebelt aber eben nicht geöffnet (nach innen eingedrückt) werden.

Die Einbrecher müßten das Glas zerschlagen um die stabile Stange irgendwie auszuhebeln- das aber wollen sie vermeiden. Effektiv, sicher und preiswert!

Was war ich stolz und konnte ganz ruhig in den Urlaub fahren.

Manchmal gibt man Dinge viel zu schnell auf. Und damit ein Stück weit sich selbst.

Es war so, dass unsere Ingeborg den Geist aufgab. Wir hatten sie schon abgeschrieben.

Auf der Suche nach einer neuen Spülerin bat ich einen Freund um eine Empfehlung. Statt einer Maschine empfahl er mir, mich mal wirklich drum zu kümmern. Es wäre eine Ehrensache, ein Familienmitglied nicht einfach nach Polen oder in die Ukraine abzuschieben. Was wohl passieren würde, wenn man mit dem Ding vor dem Recyclinghof anrollte.

„Mann hier geht´s um deutsche Ingenieurskunst! Das ist eine gute SIEMENS, die geht doch nach 8 Jahren nicht kaputt! Externe Küchenmonteure nehmen die Kiste mit, messen sie durch, grinsen und machen sie anschließend innen nur sauber. Dann läuft sie ganz sicher wieder. Du bist nur zu faul, das ist es!“

Ende der Durchsage. Was war ich wütend- guter Freund!

Kein echter Familienknecht lässt so was auf sich sitzen. Na gut, dachte ich, wahrscheinlich hilft es ihr nichts, aber kaputter geht sie auch nicht.

Zuerst hab ich mich durch den Gedankenwust der einschlägigen Laien- und Handwerkerforen gelesen und interessante Tipps bekommen. Dann also ran an´s Gerät!

Netzstecker raus, Wasser abdrehen und in nur einer Stunde sah die Küche aus wie Wallensteins Lager, ich mittendrin schwitzend auf dem Küchenboden.

Was soll ich sagen, es war so, wie es im Forum stand: zwei Ventile waren etwas verkalkt und ein Riffelschlauch der Laugenpumpe war mit Fett zugeschmiert. Das darf er aber auch nach dieser Zeit.

Also: Ventile einfach gespült, Schlauch beidseitig einfach und leicht abgezogen und anschließend innen wieder frei gemacht. Zusammenbau, Probelauf: Reanimation erfolgreich.

Die Prozedur war letztlich so einfach wie das Reinigen der Waschmaschinen- Laugenpumpe. Nun schnurpelt die Ingeborg wieder fröhlich vor sich hin. Kosten: drei Stunden Zeit, eine halbe Rolle Küchenpapier, ein Lappen und einmal nur etwas Überwindung…

Mein Tip: Familienknechte dieser Welt, befleißigt Euch!

Und Danke SIEMENS, für die fleißige und eigentlich unkomplizierte Ingeborg. Sie hat nun noch viele schöne Jahre vor sich.

Todesfall beim Knecht

Es war wohl Altersschwäche, multiples Organversagen oder etwas Schlimmeres. Am Ende jedenfalls stand es fest:

Die mit der großen Klappe ist nicht mehr. Sie hat von 2004 – 2012 bei uns gelebt und wir danken ihr dafür.

Eines Tages ließen fremde Männer sie hier zurück, ein Mädel aus gutem Hause. Da stand sie also rum, bekam von uns den Namen „Ingeborg“, wurde irgendwie integriert und seitdem wohnte sie bei uns.

Mietfrei. Für uns war sie eine dunkelgehäutete Schwarzarbeiterin.

Eine in Ämtern weitgehend unbekannte Angestellte ohne Sozialversicherungsnummer. Wir haben nie einen Cent an ihre Krankenkasse überwiesen, keine GEZ für sie gezahlt. Auch sonst war sie mit dem Wenigen, das man ihr geben musste ganz zufrieden.

Jahrelang war sie mitten unter uns. Immer fleißig, immer bemüht, das beste aus ihrem Dasein zu machen.

Stand immer nur still da und brummte.

In der letzten Zeit etwas lauter, das wohl. Aber im Großen und Ganzen waren wir recht zufrieden miteinander.

So sehen Intergrationssieger aus!

Gestern hat sie inwändig still räsoniert, eine Weile getottert und dann brannte ihr irgendwann eine Sicherung durch. Sie hat  noch etwas rumgestunken und dann die Brocken hingeworfen.

Nun stehen wir ohne sie da und plötzlich muss man sich erinnern, wie das war: alles Geschirr selbst abwaschen.

Ich zog ihr noch das braune Holzkleid aus und später hole ich die Jungs in Orange zum Abtransport. Ja, so grausam ist es, denn der Tod gehört immer auch zum Leben dazu!

Aber bald scheint wieder die Sonne. Dann füllt der Chef wieder das Konto des Familienknechts und dann gehen wir los ins Küchenstudio, eine neue Angestellte zu kaufen.

Is halt nix, so ohne Geschirrspüler.

Danke Dir, liebe Ingeborg, wars ein braves Mädel, der Herr sei Deinen Teilen gnädig.

Zeit der Wunder in Brandenburg

Ja, es ist Frühling, ein sehr warmer Frühling.

Und nun ist sie wieder da, die Zeit der Wunder.

In unserer Region äußert sich das so, dass alle wie wild geworden Spargel kaufen. Die halbe  Welt glaubt ja tatsächlich, die Unmengen von Beelitzer Spargel stammen wirklich alle aus der Region um Beelitz.

Die anderen können entweder denken oder haben kein Geld für Spargel.

Seriöse Berechnungen gehen davon aus, dass für die in den Verkauf gelangten Mengen an Beelitzer Spargel mehr als das halbe Land Brandenburg nur mit Spargelfeldern bestellt sein müsste.

Aber das geht ja nicht, denn die meisten Felder hierzulande werden durch den Energie-Unsinn der Quartalsirren vom Spreebogen mit Gen-Mais zugepflastert. Schließlich müssen die kapitalorientierten Gasfabriken, die sie gemeiner Weise „Biogasanlagen“ nennen, am köcheln gehalten werden.

Das sind die stinkenden Fabriken, deren Bauern den giftigen Abfall der Gasproduktion zur Grundwasserverseuchung anschließend noch auf den eigenen Feldern verklappen. Als ob es die intensiven Warnungen des Robert- Koch- Institutes gar nicht gäbe.

Ja, brav so!

„Was faseln die Klugscheißer in Berlin da auch,“ sagen sich die Bauern, „ich kann doch auf meinem Feld das Grundwasser vergiften wie ich will“!

Viel Spargel wäre mir dann doch lieber.

Obwohl, wer weiß wie lange sich die Spargelbauern noch gegen die gewinngeilen Banken zur Wehr setzen können.

Zur Zeit suchen die jeden noch so kleinen Flecken Erde unter ihre Fuchtel zu bringen. Schließlich wollen sie ja kräftig mitmischen bei der Verteilung der Anbauflächen an die meistbietenden Gasfabrikinvestoren.

Da soll sich noch einer wundern!

Hörst Du Grillen?

Es grillt wieder in Deutschland!

Da man sich hierzulande erbärmlich durch den langen, harten Winter hungerte, giert das ganze Land nun wieder nach eingelegter Luderatzung vom Edelstahltropfnetz über der Glut.

Hastig wird en passant an der Tanke nach den überteuerten Säcken kinderhandgekokter Hartholzkohle südländischer Tropenbestände gegriffen.

Zu Haus eilt man sogleich zum flüssigen chemisierten Schnellzünder um noch vorm Sonnenuntergang dem Nachbar durch Rauchzeichen bekannt zu geben, dass man auch dieses Jahr wieder dabei ist.

Eröffnet ist er wieder, der großartige Wettstreit der Käse-Fisch- und Wurstverbrenner. Es ist und bleibt auch in diesem Jahr die Domäne der Könner und Kenner- eine letzte Domäne der Männer. Eindrücklich untermalt vom zischen und ploppen der Bierflaschen. Die werden nur – und diesmal wirklich nur- zum Ablöschen der Bratenstücke benutzt.

Endlich kann Freundschaft und Nachbarschaft wieder öffentlich auf Terrassen, Balkonen und in Gärten zelebriert oder vorgegaukelt werden.

Wie all die Jahre meist bis Nachts um zwei.

Die Knechterinnen werden auch in diesem Sommer die niederen Arbeiten zu verrichten haben. Sie machen sich über das Putzgemüse und die Salatschüsseln her, um die benötigten Zutaten zur Fertigstellung unglaublicher Gaumengenüsse zeitgerecht reichen zu können.

Durch Stadt und Land ziehen erst die Marketender von Bofrost und Co und dann so dicke  Rauchschwaden, dass man meint, Wallensteins Lager ist gleich bei uns um die Ecke.

Zufrieden jauchzet Groß und Klein: hier grille ich, hier darf ich sein!