Sonntagmorgen halb sieben und es gab unten schon Krach. Dauernd drückt so ein Idiot auf die Klingel und wummert gegen die Haustür. Ich sitze am Küchenfenster und sehe einen blutverkrusteten und verdreckten Mann zitternd außen am Hauseingang sitzen. Er hat keinen Schlüssel und kommt nicht rein. Sitzt da wie nach intensiver Beendigung einer längeren Durstphase. Er hat nichts an außer Unterhosen und Fenripp. Aha, denke ich: also Durstende mit Poker!

Schaue näher hin. Der eigentlich sympathisch wirkende Typ tut mir nun leid. Es ist ja viel zu draußen kühl und er ist auch noch pitschnass von Kopf bis Fuß. Auch das noch! Eigentlich müsste doch gleich jemand kommen und sich um den bedauernswerten Menschen kümmern. Man sieht, dass er es nötig hat und auch sehnlichst erwartet. Macht aber keiner. Kann ich gucken wie ich will. Nachbarn sind das!

Dass er da sitzt geschieht ihm aber auch ganz recht, finde ich nun. Weil er einfach eine zu große Klappe hatte und seine Wette verlor. Und außerdem, weil er sich dauernd mit allen anlegt. Was muss er auch den Kids das Radfahren verderben, indem er im Hof ein Nagelbrett in der Fahrlinie an der Wäschestange vergräbt…

Fischt er dann als Wetteinsatz den Pool in Unterhosen sauber, dann kann es schon mal sein, dass die Kids sich ranschleichen und ihm die Klamotten klauen. Dann gehört es sich aber für ihn als gesetzten Mann auch wiederum nicht, denen in Unterwäsche brüllend hinterher zurennen. Merkt der gar nicht, was sich gehört?! Sind sowieso schneller mit den Rädern. Das weis er aber jetzt auch. Hätte dazu nicht erst im vollen Lauf auf dem Schotter hinfallen müssen. Ist er aber. Den Schrei und das Fluchen hat man bis hierher gehört. So sitzt er nun da unten und wartet. Geschieht ihm ganz recht, diesem Trottel. Muss man so einen peinlichen Typ als Nachbar dulden?!

Dann klappert es plötzlich und meine Knechterin steht unten in der Haustür. Ich höre sie sagen: Los komm jetzt bevor dich wer sieht, du schaust aus wie ein Penner. Und ich bin so glücklich, dass sie das sagt und folge ihr sofort nach oben. Den Mann an unserem Küchenfenster habe ich danach nicht mehr gesehen…