Immer höfter hege ich den Verdacht: das Leben digitalisiert sich zunehmend. Immer mehr Dinge des Lebens finden nur noch virtuell statt. Bald sind wir alle selbst nicht mehr unser Chef, sondern nur noch Halbleiter.

Früher rief man im Sekretariat der Schule an und meldete das Kind krank. Nachmittags kam ein Mitschüler. Er brachte Grüße, Trost und Hausaufgaben. War alles überstanden, gab man dem Kind einen Entschuldigungszettel mit und das war´s dann.

Heute erklärt einem die Sekretärin kurz, dass solche Anrufe gar nicht erst entgegengenommen würden. Man müsse sich schon per E-Mail an die Lehrerin direkt wenden und den Arztbeleg könne man gleich mal einscannen. Die Hausaufgaben sendet die Lehrerin dann umgehend per Mail. Natürlich vergißt sie nicht, das Abgabedatum einzufügen…

So ähnlich ist das auch mit meinen Schuhen. Mit breiten Europäerfüßen trabte ich in den Sportladen, nannte dem Verkäufer meine Wünsche und Belastungsparameter. So erhielt ich damals Turnschuhe und konnte sie sogar noch selbst nach Hause tragen.

Heute gibt es ja nicht mal mehr “TURNSCHUHE”! Sind alles exklusive Running Shoes oder sonstige super special Botten. Aber ich geb gerne zu: die Auswahl ist geil.

Da bättert man im Netz von einer Seite zur anderen und findet die irrsten Farben, Formen und Gestaltungen. Inzwischen kann man sich ja sein Fersenkleid auch farblich zu den Klamotten passend designen. Am Ende stehen sie schon am nächsten Tag meist als Paket auf dem Küchentisch, wenn ich nach Hause komme. Paßt!

Aber die Fachverkäufer/Innen werden mir fehlen. Die, die immer mit dem Daumen auf dem Schuh rumdrückten um zu fühlen, ob der Schuh auch wirklich gut paßt.

Was macht eigentlich Al Bundy heutzutage?

Kriegt er eine Rente oder steht der irgendwo in der Versandpampa am Band und schnürt Schuhpakete?