Opa trank gern Cognac. Den hatte er in Frankreich schätzen gelernt. Dabei sagte er gelegentlich:

“Denkt dran, ich hab vorher nie geglaubt, dass ich später mal jahrelang beim Russen im Schacht schuften muss und nix zu trinken habe. Darum trinkt, wann immer ihr könnt- Prost!”

Prost Opa!

Manchmal dozierte er ein paar Gläschen später, dass sich einige prominente Trinker selbst ganz übel zugerichtet hätten. Arme Teufel.

Die hätten ihr eigenes Maß nicht erkannt und sich so ihre Gesundheit heftig ruiniert.

Bei ihm ginge das zum Glück nicht, denn er kämpfe ja immernoch darum, den jahrelangen Rückstand aufzuholen. Außerdem würde er sich viel bewegen und den Alkohol schon vor dem Trinken auf traditionelle Art mit jeder Menge geräucherten Speckstücken  praktisch “ausräuchern”.

So ginge das all die Jahre ganz gut, meinte er, und diese Lebenserfahrung müßte er unbedingt an uns Jüngere weitergeben. Man weiß ja schließlich nie, was kommt…

Andere wiederum, meinte Opa, sind dagegen regelrecht innerlich vertrocknet. Und das wäre eben auch nicht gut. Die würden furchtbar leiden unter ihrer inneren Ebbe. Wichtige Organe -vor allem die Leber- nähmen das sehr bald übel und würden sich krankhaft verändern.

Einmal eingesetzt, wäre dieser Prozeß dauerhaft und oft auch gar nicht mehr umkehrbar. Das würde man den Leuten dann auch bald ansehen.

Meist träfe das ältere Menschen. Vor allem gnatzige und grantige Frauen, die generell etwas gegen das Trinken hätten.  Deren Lebensaufgabe scheine es ja zu sein, den Männern deren eigenes Leben mit ihrem Gezeter zu versauen.

Opa war sich ganz sicher: “Leberzellulose” nennt sich das.

Wissenschaftlich bewiesen!

Ist so ´ne Art Gegenteil von einer Säuferleber. Das dauernde  innere Austrocknen verdickt das Blut und geht dann irgendwann “direkt in´n Kopp”.

Fragte einer, dann hatte er auch sofort ein paar Beispiele auf Lager:

“Die alte Waczyinski is so´n Fall, die is sich selbst ´ne Last, aber wenigstens nur für sich. Viel schlimmer is noch die olle Kummer, die läuft durch die Gegend und zetert überall laut gegen Alle und Jeden. Olle abgetakelte Fregatte!”

So guten Kontakt hatte man also früher zu seinen Mitmenschen. Und ziemlich deutlich waren damals noch die Feindbilder in der Gemeinde.

Zum Glück hatte Opa sein 40%iges Bekämpfungsmittel.

Cognac in Maßen war sein Schwert und Schild.

Und als guter Soldat seiner Zeit pflegte er seine Waffen und übte häufig mit ihnen. Er wollte eben für jeden Einsatz gut vorbereitet sein.

Tatsache soll man ja das Leben so leben, dass man zu jeder Zeit meint, alles getan zu haben, was so ging.

Obwohl, die Voraussetzungen sind ja nicht bei jedem gleich.

Wenn ich mich heute für den Reisekittel entscheide, ist ganz schnell die Kohle weg und ich muß zu Fuß nach Hause mauken. Vom Ärger mit der Knechterin mal abgesehen.

Andere hingegen werden mit dem berühmten goldenen Löffel im Mund geboren und haben großzügigere Möglichkeiten, ihr Leben zu gestalten.

Aber bloß kein Neid! Dafür hängt denen oftmals ein ganzer Sack mißgünstiger Zeitgenossen auf dem Buckel. Und so enden wie J.R. Ewing will man ja auch nicht.

Ich würde mir, als Familien-Knecht irgendwie zu Geld gekommen, erstmal mit einer gut gefüllten Kreditkarte für meine Knechterin etwas Luft verschaffen. Jawohl, so lieb hab ich sie!

Das mit der Luft ginge ganz gut, indem ich das maximale Tagesbudget hübsch weit nach unten setzte. So müßte die Knechterin praktisch tagelang dauershoppen.

Sie wäre darüber überglücklich und ich hätte jede Menge ruhige Zeit für mich gewonnen.

Dann würde ich erstmal in Ruhe nachdenken…

Bleibt noch die bohrende Frage, wie man am besten zu Geld kommt.

Vielleicht macht man es wie die Männer in Berlin und gräbt einen Tunnel in die Bank

Fastenzeit / Das Hausrezept

Fastenzeit, Zeit der inneren Einkehr und Entsagung. Ohne Fleisch, Süßkram und Alkohol.

Ora et Labora!

Extremfasten kann aber auch sehr ungesund sein. Da fehlen dem Hirn wichtige Botenstoffe um Ströme weiter zu leiten. Dadurch baut man Aggressionen auf und die müssen bekanntlich raus.

Das Haushuhn flattert gackernd durchs Revier und plant. So Dinge eben, die fast kein Mensch braucht. Höchstens sie. Je nach Fastenintensität, Mond und Sonstigem werden das ganz, ganz schlimme Pläne.

Um Angestautes abzubauen begehen wir einen gemeinsamen, schönen Samstagvormittag.

Spricht die Knechterin und plant unseren guten Tag:

Nach erstem Hahnenschrei spazieren wir alle ungefrühstückt mit dem Handwagen durch die Gärten der Vorstadt und erfreuen uns an Natur und Frühblühern.

Wir gehen zur Gärtnerei,  juché!

Welch innig tiefe Freude empfinde ich! Kann ich doch mit der Familie von Regal zu Regal lustwandeln.

Hier wählen wir gemeinsam unsere neuen Blumentöpfe und Untersetzer in den Materialien und Farben dieser Saison aus. Dort prüfen wir ausgiebig die Handhabung  unserer neuen Gießkanne. (Die vom letzten Jahr passt ja nun nicht mehr). Dann –oh wie schön!- geht’s zu den Blümelchen! Wie erfreue auch ich mich an ihnen, begutachte gemeinsam mit der Liebsten Wuchs und Farbe. Wir spekulieren reichlich über zu erwartenden Blütengrößen. Bei jedem Topf wird mehrfach abgewogen. Dann fehlen noch Blumenbänkchen, Blumenerde, Dünger und, und, und.

Zu Hause angekommen, mache ich mich voll Freude an das Eintopfen und Pflanzen. Welche Pracht, denkt man abends, mit sich und der Welt nach diesem trefflichen Tagwerk ganz zufrieden.

Von Aggressionen keine Spur mehr bei ihr.

So sieht mein Tag aus:

Gute Mine im Gartenfachmarkt.

Zerre ausgemergelt gefühlte acht Stunden einen rostigen Wagen auf drei funktionierenden Rädern durch grob gepflasterte Gänge. 798 Pflanzen hochgehoben gedreht und wieder abgestellt. Also jeden verkaufbaren Topf dreimal.

Habe dreckige, zerstochene und dauerfeuchte Hände. Das Blumentopfwasser lief beim „höher!“ heben dauernd in die Achseln.

Mein Gesicht schmerzt vom versöhnlichen Zerrgrinsen.

Muss durchhalten, bis die Kinder ausflippen.

Dauert nicht mehr lang, draußen grillen sie Bratwurst.

Hucke dann unseren hoffnungslos überladenen Handwagen mit einer Hand 4 Km nach Hause. Über der Schulter liegt ein krümelnder Sack Blumenerde. Jammernde und nörgelnde Kinder sind im Schlepp.

Sorten- und Standortgeschwafel geht daheim von vorne los. Dann eingraben, den Plunder.

Warum wollen Frauen nur immer so Zeug? Ich mag keine Blumen. Jedenfalls jetzt nicht.

Jetzt will ich eine Motorsense! Ich heiße Conan und ich will j e t z t eine MOTORSENSE

Aber was kann ein Familienknecht schon wollen…