Airbag zum Reiten

Hatte ich gegenüber dem mit seinem Familienknecht treu mitleidenden Leser schon erwähnt, dass vornehmlich Nachwuchsknechterinnen einen Teil ihrer Freizeit einem privaten und doch elitären Vergnügen kaprizieren?
Sie lassen es sich angelegen sein, einige Tage im Jahr dem stundenweisen Reiten von Pferden zu widmen.

Es beginnt wie immer:

Sie entziehen ihren Knechten eine gehörige Menge Geldes und machen sich direkt auf den Weg, der sie wie üblich zuerst in ziemlich kostenintensive Ausstattungsläden führt.

Edel ausgerüstet begeben sie sich sodann zum Pferdehof um bald auf einem Zossen ungebremst und scheinbar ganz und gar nur nach dem Pferdegusto wilde Kapriolen zu schlagen.
Nun, die Freude an den teils ungewollt-artistischen, equinen Einlagen ist sicher Ansichtssache.

Das eine oder andere Pferd vollführt nämlich hin und wieder gänzlich unerwartet gewaltige Bocksprünge oder plötzliche Richtungswechsel.

Oft sieht die Reiterin das ganz gelassen- und manchmal eben vom Boden aus.

Doch egal wie es ausgeht: überlebt die Amazone den wilden Ritt, wird für jegliche Ausbrüche des so edlen wie eigensinnigen Vierbeiners eine passende Begründung gefunden.

Völlig unabhängig von Art und Ausmaß des Unbill wird der große Grasfresser in jedem Fall geherzt, gepflegt und dazu mit Möhren und Leckereien vollgestopft.

Sogar gekuschelt wird, dass es nur so eine Art hat.
Leidensgenossen, gelb vor Neid kann man als Familienknecht werden, wenn die Schöne den Wallachhals umarmt und das Tier innig küsst! Welche Verschwendung!
Um die Ausfälle zahlender Reiterinnen gering zu halten, hat die Reiterhofindustrie Airbag-Westen entwickelt.

Die pusten sich schon auf, während die Peitschenhalterin den unerwartet schnellen Weg vom Sattel auf den Boden des Geläufs noch sucht ohne ihn finden zu wollen.

Freunde, geht hin und schaut Euch das einmal an!

Es ist bockkomisch, wie aus einer schlanken Amazone plötzlich eine aufgepustete Michelinfrau wird.

Obwohl, es erinnert einen an irgend etwas.

Manche Knechterinnen brauchen ohne solch eine Weste dafür spezielle Zuwendung…

Oder sie finden einen Familienknecht…

Mein Mini- Huhn will diesen Sommer wieder baden. Und das, obwohl Küken eigentlich wasserscheu sind.

Eigentlich hatte ich schon erfolgreich abgewinkt. Dieses Jahr würde das nichts werden, denn im Letzten Jahr hatten wir ja soo eine Pleite erlebt, argumentierte ich im Frühjahr. Eigentlich war der Drops für mich schon gelutscht.

Ganz vorwurfsvoll legten mir die Kids vor ein paar Tagen Kroki (ja, der hat jetzt plötzlich auch einen Namen!) mitten ins Bett. Kroki ist der etwas ausgeblichene Schwimmhilfenkaiman vom Vorjah. Natürlich war er bestens aufgepustet und guckte erstmal gaaanz traurig…

Ich sollte dem nun hilfsweise laut und deutlich erklären, warum i c h keinen Pool wollte, während alle Kinder im Haus doch so gern einen hätten…

Wer kann das schon übers Herz bringen, wo Kroki auch soo süß guckt? Na was soll´s für die Kinder muss man halt ran. Macht man ja auch gerne. Sagt mein Großhuhn mir zumindest immer.

Letztes Jahr hatten wir einen Gummipool mit oberem Luftring und einer Nutzlosfilterpumpe mit zwei Schläuchen im Garten. Der war wohl zu flach. Den fanden zwar alle Kinder aus dem Haus und der Umgebung toll. Die Katzen abends aber auch. Die waren total neugierig, was die schreiende Kinderschar tagsüber darin so lustig fand. Sobald es Abends ruhig war, kamen sie aus der Beobachtungsposition und schlichen um den Pool.

Sie wollten selbstverständlich auch reinschauen. Immer wenn sie sich daran aufrichteten, bewegte sich durch ihr Gewicht der Luftreifen etwas. Miezi & Co. bekamen dann immer einen Schreck und fuhren ruckartig die Krallen aus. Zisch! Wahrscheinlich kein Pool dieser Welt trug im September mehr Flicken als unserer! Wir kamen mit dem Kleben gar nicht hinterher.

Dieses Jahr sollte es anders werden. Nach Budgetkontrolle und Ansicht im Baumarkt entschieden wir uns für einen aus Wellmetall mit Folie innen. Der sollte das aushalten. Nun steht er im Keller und wartete auf den, der ihn aufbaut.

Mal sehen wer diesmal der Dumme ist. Ich hatte ihn ja schließlich schon geholt!