Jedesmal zog ich die Augenbrauen hoch und schüttelte ungläubig den Kopf, wenn für neue Liebe oder andere Katastrophen im Film eine defekte Heizung herhalten mußte.

Kein Schwein glaubt doch heute noch, dass es sowas gibt.

Ich auch nicht. Bis vorletzte Woche. Kurz vor Weihnachten.

Der Knechterin war kalt. Sie fragte leicht gereizt, warum ich die Heizung abgestellt hätte. Die erneut überhöhten Gaspreise würden schließlich erst ab dem neuen Jahr gelten.

Kühl war mir auch. Ich meinte, es läge irgendwie am Verhältnis. Doch das kam eben nur dazu.

Also mußte ich auf Ursachenforschung gehen. War nicht schwer. Die Heiztherme war aus und ging auch nicht mehr an.

Es wollte der Gang der Geschichte, dass sich irgend so ein Vollpfosten 2004 eine angeblich hochmoderne FERROLI – Heizung mit modernster Brennwerttechnik aufschwatzen ließ. Die wäre eigentlich so gut wie deutsche Qualität und eben nur viel billiger…

Eine Heizung aus Italien- das ist schon mal ein Widerspruch in sich. Und “eigentlich” hätte damals sehr stutzig machen müssen!

Vollidiot, wer sich das Teil verkaufen ließ! Ich habe schon viele Geräte aus Italien gesehen, die nicht dauerhaft funktionierten und am Ende schlecht waren.

Aber hier bei uns?      Jaaa! – leider!

Der angerufene Werkskundendienst riet sofort, diese angeblich moderne Brennwerttherme zu demontieren und wegzuwerfen. Es gäbe keine Dichtungen und Ersatzteile mehr und überhaupt würde man als Werkskundendienst  Ferroli-Geräte, die älter als 5 Jahre sind nicht mehr anrühren. Man wüßte schließlich, was einen da erwarte…

Erklärt mal einem deutschen Installateur, dass eine Brennwerttherme nach so wenigen Jahren nicht mehr reparabel sei! Der kann im Schlaf ein halbes Dutzend ordentliche Thermenhersteller aufzählen, deren Geräte problemlos 15, 20 und mehr Jahre  laufen. Und Ersatzteile gibt es immer.

Nicht so bei dem Italo- Scheuß von Ferroli!

Selbst beim Hersteller in Viersen riet man von einer Reparatur ab, es würde zur Zeit keine benötigten Ersatzteile, vor allem Dichtungen, dafür geben. Ob und wann neue produziert würden, wäre absolut unklar…

Na toll, so fuhr ich um Weihnachten erst einmal los und organisierte Elektroheizungen für unsere Räume. Kost ja nix und Strom ist bekanntlich billig….

Wer heute so was erwirbt ist selbst schuld! Ich kann nach diesen Erfahrungen nur vor Ferroli warnen! Wer sich sowas kauft muss sehr, sehr verzweifelt sein.

Oder er ist ein überaus großer Freund der bekannten mittelmeerischen Laxheit mit dem Hang zu intensiver Selbstgeißelung.

Leute, wacht auf und informiert Euch!

Zum Glück hatten wir einen ordentlichen deutschen Handwerksbetrieb an unserer Seite.

Schnell, kompetent und zuverlässig.

Die wollten wirklich das Ding mit allen Mitteln in Gang bringen- schon mal aus Gründen der Handwerkerehre.

Während dessen verbarchten wir das Jahresende mit jaulenden Stromgebläsen und vor allem ohne Bad und Dusche.

Da geht man zum Jahresende besonders gern ins Konzert…

Nachdem zwischen den Jahren tagelang mit größtem Engagement wirklich alle Möglichkeiten der Reparatur und Ersatzteilbeschaffung erfolglos ausgeschöpft waren, empfahl man uns schlußendlich eine neue.

Ferroli und die sonstigen Geräte dieser Firmengruppe wurden natürlich ausgeschlossen. So einen Ärger wollte ich meiner Knechterin nicht noch einmal zumuten.

Bestellung, Lieferung und Montage in zwei Arbeitstagen.

Gerät von Remeha läuft wie geschmiert. Service top, Ersatzteile für Jahre sicher.

Also mein Tip an alle Familien-Knechte: kauft beim Handwerker Eures Vertrauens und vor allem niemals Ferroli!

Ich selbst werde es auch nie, nie wieder tun; versprochen!

Der Kleinknecht sah zur Einschulung in seinen Bewegungen noch recht bröckelig aus.

Um ihn nicht den Rest ihres Lebens als Bewegungstrollo durch die Gegend taumeln zu sehen legte die Knechterin fest:

“Der Junge muss Sport machen – er geht jetzt zum Karate!”

Na klar, das Glück trifft nur den, der vorbereitet ist. Und angesichts der um sich greifenden Gewalt bestimmter Jugendgruppen im öffentlichen Raum kann man nicht gut genug vorbereitet sein. Schließlich wollen alle Eltern ihre Kinder ohne Tritte an den Kopf heil vom Alexanderplatz nach Hause kommen sehen, da sind wir nicht anders als andere Familien.

Also Karate.

Sofort kamen mir gute und weniger gute Kampffilme in den Kopf. Bruce lee und Jacki Chan und Gott weiß wer noch. Ich sah damals vor meinem geistigen Auge unseren recht breiten Kleinknecht als ungelenken Karate-Kid und musste unwillkürlich laut loslachen.

“Warum trainiert er nicht Halma oder Mensch ärger dich nicht? Okay, wenn´s also schon unbedingt japanisch sein soll: warum tut es nicht auch Mikado?”

Als ich gerade eben wieder Luft bekam, bekräftigte sie ihren Entschluss durch leichtes Anheben der linken Augenbraue.

Oh, oh!

Ich kannte das Zeichen sehr wohl und war lieber sofort still. Natürlich war es damit entschieden und wir standen am nächsten Mittwoch pünktlich mit einem weißgewandeten Knäblein in der Turnhalle.

Schließlich war es ja auch mein Wunsch.

Also jetzt.

Etwas bange fragte ich nach der ersten Stunde den mit internationalen Erfolgen und Einsätzen geehrten Altmeister, ob daass denn mit dem kleinen, breiten Jungen dort überhaupt etwas werden könne in dieser Sportart.

“Lass mich mal machen,”  antwortete er, “dann wird´schon.”

Gesagt -getan. Alles sollte sich tatsächlich so schicken, wie der Meister es vorhersah.

Wir ließen den Kleinknecht inzwischen einige Jahre zweimal in der Woche zum Training und gelegentlich am Wochenende zum Wettkampf.

Derzeit bereitet er sich auf eine neue Gurtprüfung vor und übt dazu die Entfesselung aus Haltegriffen und Umklammerungen.

Schließlich soll ihm bald niemand mehr Pausenbrot oder Federtasche wegnehmen können…

Leider braucht er dazu abwechselnd neue Angreifer – die dann ratz-batz zu Opfern werden.

Regelmäßig steht in der Liste spontan ausgesuchter Schnellopfer der Familien-Knecht an erster Stelle.

Und genauso regelmäßig geht er beim Nahkampf auch als Zweiter durchs Ziel, dafür jedoch um so schneller.

Das beginnt meist schon beim Nachhausekommen an der Haustür.

Früher gab´s dort für den Papi einen Kuß. Heute soll ich den Kleinknecht auf seinen Befehl hin angreifen und würgen.

Ja toll, greif mal dein eigen Fleisch und Blut kraftvoll an und würge es. Ist gar nicht so einfach, ich hab doch keinen Genfehler.

Was hätte ich heute darum gegeben, wenn die Knechterin damals zum Rudern, Radfahren oder Schwimmen optiert hätte. Aber nein, es musste ja unbedingt Karate sein!

Ich hab inzwischen heimlich fast alles probiert, ihn davon abzubringen. Sogar mit einem Bundestrainer für Bobsport habe ich ihn bekannt gemacht um ihn dafür zu interessieren.

Natürlich blieb er bei Karate!

Und was bringt mir das ein? Alle Tage Hämatome, verdrehte Arme und gefühlt minutenlange Atemstille nach Treffern auf den Solarplexus.

Inzwischen bin ich – immerhin als ehemals ausgebildeter Turnierangler- beim Angreifen etwas vorsichtiger geworden. Auch und gerade bei den Würgegriffen. Die Entfernung dieser geht mir oft zu schnell und ist recht schmerzhaft.

Gestern beschwerte er sich darum über mein läppisches Zugreifen, indem er nach dem Erstangriff an der Haustür laut durch den Treppenflur brüllte:

“Oh Mann, nie würgst Du mich richtig! Du musst mich endlichg mal so richtig würgen, Papa!”

Nein, peinlich war mir das nicht, aber es bedurfte schon einiger erklärender Worte.

Uneingeweihte sollten dazu wissen, dass eine unserer Nachbarinnen beim Jugendamt arbeitet und noch sehr gut hört…