Irgendwann erwischt es jeden.
Unsern Schlitzpapierkorb im Hausflur zu Neujahr.
Er wollte einen Ausflug machen.
Aber nur weil Andy Bettflucht hatte und noch um 06:30 Uhr jemanden zum gemeinsamen Endverdichten brauchte.

Ich hatte schon seit Stunden genug, die Klingel ausgestellt war am schnarchen. Wusste er aber nicht und wollte sich bemerkbar machen.

Dazu bindet der Mann, der auf seinen Ehrennamen Schwarzpulver-Andy besteht, ein paar polnische Sondereinkäufe zusammen und steckt sie funkensprühend in unseren Briefkasten.

Ich das Blechteil später auf der anderen Flurseite jenseits des großen Rußflecks. Jedenfalls das meiste, bis auf die Briefklappe. Kein schöner Anblick!

Andy war lieber noch vor dem Knall getürmt, stand aber am nächsten Tag ganz brav auf der Schwelle.

Dann hat er stundenlang mit Lappen und Eimer die Wand gesäubert. Strafe muss sein.

Später hab ich den Rechnungsschlund wieder provisorisch aufgehängt. Der war doch noch gut! Dachte ich jedenfalls.

Und was hält schon länger als ein Provisorium?

Das Teil wird aber wohl kein ewiges Provisorium bleiben.

Weil nun auch die Tür nicht mehr aufgeht, muss man nämlich alle Briefe mit spitzen Fingern herausangeln.

Männer schaffen das schon irgendwie. Mit Geduld und Spucke allemal.

Aber erklär das mal Deiner Frau, die sich gerade den zweiten Fingernagel daran ruiniert hat…

Da die Nächte wieder kürzer werden treibt mich die präsenile Bettflucht vom Laken. Vor allem die Hand, die maßgeblich von ihr geführt wird. Also nicht meine. Sagt ja schon der Name.

Ich könnte ja noch so was von liegen bleiben! Da bin ich hart im Nehmen und halte zur Not auch mächtige Liegeschmerzen aus. Weit, weit über das Normale hinaus. Nur Liegeschmerzen- aber dafür richtig. Das könnte ich sogar ohne Tabletten hinziehen. Meinetwegen bis ein Arzt kommt und eine glattgelegene Wirbelsäule diagnostiziert!

Kann ich aber nicht. Da ist noch immer die Hand. Und ein kräftiger Ellenbogen dran, der jetzt mit hoher Frequenz und steigender Amplitude unaufhörlich in meine Rippen drischt.

„Auf jetzt!“ schallt es unnachgiebig von der gewaltbereiten Aufsteherfront neben mir. Ich muss los, Kaffee kochen, Stullen schmieren.

Wie nebenbei mutiert die Herrin am Frühstückstisch zum flügelschlagenden Gackerhuhn: „was ich mir überlegt habe: das Bad muss jetzt mal gemacht werden.“

„???“

„Die Fliesen sehen dermaßen schlimm aus, das es sogar ohne Familienknecht peinlich ist.“ Ich fand zwar rosa Fliesen schon beim Einzug unzeitgemäß, aber gerade jetzt? Während ich mit dem vor Schreck offenen Mund noch nach einer Verteidigungslösung sinne, sticht sie final  zu:

„Kümmre dich mal gleich darum, das wir da auch zügig fertig werden. Bis Ostern kriegst du  das ja wohl hin. Und mach den Mund zu beim Essen- was sollen denn die Kinder lernen?!“

Ich kann ja einiges. Manches auch besonders gut: essen, schlafen, Bier trinken, Fußball gucken, und dann noch essen, schlafen….

Fliesen verlegen gehört da leider gar nicht dazu. Das kann ich nicht mal “nur nicht so gut”. Sondern so richtig gar nicht. So sehr gar nicht, dass selbst fachliche Überwachung dabei unnütz wäre. Hab ich auch gar nicht das Werkzeug zu… Also muss wohl heimlich ein Helfer zum Fliesen verlegen rangeholt werden.

Denn ein Selbstversuch vor Jahren hatte mir gereicht. Direkt nach der ersten Frage des Fliesenmarktberaters folgte mein fachlich-mentaler Blackout: „Was haben sie denn am Boden, Zement- oder  Anhydritestrich mit Alkydharzversiegelung?“ In dem Moment wusste ich: Bad ist nicht deine Baustelle! Kümmern heißt ja nicht automatisch selbst machen.

Okay, wer Ärger mit der Knechterin vermeiden will, sollte sich Hilfe holen. Wer will einen ungeliebten Job jedes Frühjahr wieder machen, nur weil ein bisschen Zeug von der Wand fällt? Im web finden sich so tolle Ideen. Meist sind sogar Leute darunter, die davon was verstehen. Muss man einfach nur gut aussuchen.

Schließlich hat ein Familienknecht eben auch einen guten Ruf als termintreuer Realisierer zu verteidigen.

Ostern, pah, aber locker schaff ich das!