So´n Mist!

Eigentlich war doch ganz ordentlich der Weltuntergang angesagt. Alles seit langer Zeit original überliefert, von bekannten Wahrsagern bestätigt und von Gott-weiß-wem alles abgesegnet.

Leute standen wie beim Böllerkauf reihenweise an, um sich in den plötzlich vor ihnen aufreißenden Boden zu stürzen…

Normaler Weise wären wir heute zeitreisend irgendwo im schwarzen Loch des Universums unterwegs.

Aber nix, kein Allerweltbeben und kein jüngstes Gericht.

Ich selbst hatte zwar an den ganzen Mumpitz überhaupt nicht geglaubt. Nur auf Weihnachtsgeschenke hab ich aus Sparsamkeitsgründen vorsichtshalber verzichtet verzichtet wie auf eine Riesterrente. Also gar nix gekauft.

Nur ganz vorsichtshalber wollte ich als guter Familien-Knecht wenigstens etwas vorbereitet sein und hab schon mal für uns alle Reise- Stullen geschmiert. Mit Gurke! Die liegen jetzt paketweise im Kühlschrank. Und wer isst die jetzt – he?

Wenigstens hätte ich selbst nie gedacht, dass ich meine eigene Jagdwurst statt des jüngsten Gerichts essen müßte.

Nun hat der Wecker, dieses fiese Geschmeiß, morgens wie üblich sein ungeliebtes Brüllen vorgetragen. Wie jeden Tag hieß es früh raus und dann rein in die Tretmühle…

Das tägliche Knechteleben – wie es halt im Buche steht. Mit noch viel mehr Ärger!

Denn plötzlich findet Weihnachten nun doch wieder statt. Und nicht genug damit! Zu allem Elend sogar noch in diesem Dezember. Doof jetzt, Weihnachten und so hatte ich ja eigentlich komplett abgewählt.

So kommts eben, wenn man sich einmal auf gutgemeinte Ratschläge und “absolut sichere” Vorhersagen verläßt. Und nun?

Verflixter grüner Pfeffer, wo bekomme ich für Knechterin und die ganze Blase nun noch ein paar akzeptable Geschenke her?

Die Tanke an der Ecke ist noch nicht wirklich in annehmbarer Sortimentstiefe auf mein zeitlich eingeengtes Bedürfnis sortiert.

Alexanderplatz fällt total aus. Niemand mag das nächste “Isch-hasse-scheißdeutsche-Feiertag-ey” -Opfer einer bekifften Horde testosteronisierender Jungmohamedanermännchen mit “voll-krass-alder-BMW” und “isch-mach-disch-platt”-Messern sowie ihrer “Brüüdaaa” mit “voll-krass-Ähre” werden.

Ich lieg dann wochenlang komatös und hemdsärmelig an Schläuchen in der Charité herum. Die “polizeibekannten jungen Heranwachsenden” aus den bekannten “Problemkiezen”verkrümeln sich derweil nämlich hinterher wie üblich zu Renovierungsarbeiten in ihre warmen Länder. Dort geben sie entspannte Interviews, während die Berliner Justiz -natürlich mit Recht!- christliche Weihnachtsmilde walten läßt. Kommt mir nicht in die Tüte.

Und wer dient dann meiner Knechterin und mimt für die Kleinknechte den Ruprecht?

Also nix da.

In den Berliner Hauptbahnhof, früherer Hort und Zufluchtstelle aller “hab-ich-glatt-vergessen!” -Knechtezeiten traut man sich ja nun nicht mehr ohne Helm rein.

Nachdem man dort die früher  mal so herunterklatschenden Fassadenteile verklebte, fällt einem nun neuerdings die Decke in dicken Brocken auf den Kopf.

Bliebe als letzter Ausweich für einen gepflegten Nacht-und-Nebeleinkauf eigentlich noch derlängst eröffnete

Flughafen Berlin-Brandenburg-International.

Aber ach Quatsch, wir haben ja noch nicht 2020…

Komme also langsam in Hektik. Denke nun schon den ganzen Tag ganz angestrengt darüber nach und finde keine Lösung.

Das einzig probate Mittel gegen grassierende Hektik ist bekanntlich: Ruhe bewahren. Totale Ruhe und Entspannung- dann kommen schon die Ideen.

Oohhmm….

Meine gutmeinende innere Stimme ruft mir pauenlos zu:  finde Deine Mitte, suche Deinen Halt tief in Dir.

Das geht mit ein paar Übungen und einer Tasse Tee sehr gut:

Man muss es nur selbst ein wenig wollen.

Apropos wollen: was wollen denn Frauen jeden Alters außer Schuhe immer ?

Handtaschen! Aber wie um alles in der Welt da jetzt noch rankommen, morgen ist doch…

Einkaufssonntag – ich bin gerettet.

Obwohl: die ewig kramige Gelenkschleuder allein machts ja noch nicht.

Das hoffentlich schnuckelige Plastilinkroko ist aber immerhin ein prima Anfang.

Den Inhalt kann ich mir ja dann auch noch aussuchen.

Schlicßlich hab ich ja der Knechterin Bankkarte.

Die Abrechnung sieht sie erst ab 27. und ob wir bis dahin nicht doch ein wenig untergegangen sind, werden wir sehen.

Bleibt zumindest zu hoffen!

Sonst wirft sie mir wieder ein ganzes Jahr lang vor, ich hätte als Ewigvergesser gerade mal in letzter Sekunde…

Und ich muss ihr dann jedesmal wortreich versichern, das Ding wäre soo superhip-cool-begehrt, dass ich es wochenlang vorher bestellen mußte und froh war, dass dieses heiße Teil überhaupt noch geliefert wurde…

Weltuntergang hat doch von Zeit zu Zeit auch was Gutes.