Vielfach hört man in dieser Zeit nicht mehr davon reden, wie fröhlich das Weihnachtsfest war, wie sehr man doch die Ankunft des Kindlein erwartet und wie glücklich man in der Kirche den Segen empfangen hatte.

Meist wird der Familienknecht genötigt über die Pein seiner vielfachen und umfänglichen Leibesfüllungen zu berichten:

„Was gab´s denn bei Euch an Heilig Abend- und am ersten und zweiten Feiertag?“

Wer möchte dabei schon einfache Gerichte benennen und so alle Gourmetreputation im Ansatz verspielen?

Traut sich das noch einer?

Selbst der vollgefressenste Popanz, der immer nur als gieriger Gourmand unterwegs ist, lässt sich da schnell noch etwas einfallen…

Aber nicht nur der, sondern auch der ehrbare Bürger. Und so habe ich auch in diesem Jahr wieder eine handvoll Gerichte aus einem Feinschmeckerbuch auswendig gelernt und mir angeschaut, wie man so was machen müsste, wenn man es denn wollte und könnte.

Also nicht mit Hintergedanken, sondern nur so -zur Notwehr praktisch.

Was war es aber nicht wieder für ein üppiges Fest. Tante Ortrud sorgte andauernd für wenig Bewegung, pünktliches Einhalten der Mahlzeiten mit viel Naschereien zwischendurch. Und reichlich Kuchen –aber um Himmels Willen nie ohne Sahne.

Kennt das noch einer- dieses üble Gefühl, wenn man einfach nichts mehr essen kann.

Rien ne va plus !

Was hilft dem gemeinen Hausknecht gegen seinen Magendruck – ausser viel Essen und Schnaps, wie die Tante meint?

Warten auf Aschermittwoch- und dann aber richtig fasten!

Ist am Ende des Geldes noch viel Monat übrig, handelt es sich um einen Extremmonat. Einen, mit mehr als zwanzig Tagen. Der leere Kühlschrank wirft die Frage auf: wie weiter?

Am Kalender steht die Lösung! Nichte Paulinchen hat Geburtstag. Die süüße, kleine Pauline! Da fahren wir hin.

Kindergeburtstage sind am Monatsende viel mehr, als nur

gerade recht.

Mal rein theoretisch angenommen, jemand sähe darin eine Möglichkeit, mit Hilfe der Familie des Geburtstagskindes über den Restmonat zu kommen. Das wäre schon ein recht böser Mensch.

Der bräuchte dazu aber auch eine verdammt gute Vorbereitung!

Er durchforscht seinen Haushalt nach leeren Dosen und Behältnissen. Die Meisten und Größten dürfen nichts mit der zu besuchenden Familie zu tun haben. Sonst bleiben sie noch dort. Das sollte nicht passieren!

Würde jemand -mal weiter theoretisch angenommen- so denken, dann wäre das bestimmt nicht in Ordnung. Und man würde sich von diesen Personen klar distanzieren.

Auf alle Fälle brauchen diese Menschen unbedingt ein Geschenk.

Womit erfreut man die liebe, kleine Nichte?

Die Frage stellt sich solchen Menschen nicht!

Jedenfalls nicht so.

Die berechnenden Menschen würden überlegen, was hilfreich wäre.

Ein Kleid von Name it ist sicher.

Sie verschenken das zuckersüße Kleidchen Miva in der Farbe rosa/pink und ziehen es dem Kindlein auf der Feier an. Andere Gäste nutzen diesen Anlass, die Jubilarin zu lobpreisen und werden so unwissentlich zu Werkzeugen gemeiner Menschen. In Kürze ist es sein Lieblingskleidchen, das es nicht mehr hergeben mag.

Oft und vernehmlich loben die eigennützigen Menschen dann die Küche ihrer Gastgeber.

Die mitgebrachten Behälter überreichen sie nach der Abendmahlzeit als angebliche Rückgabe. Einer Diskussion über die Eigentümerschaft unbekannter Dosen entziehen sie sich mit dem Hinweis, diese ja eben wieder mitnehmen zu können.

Dann passiert, was diese egoistischen Menschen bezwecken:

Gute Gastgeber geben fremde Dosen nur gefüllt heraus. Und in große Behältnisse muss man eben viel einfüllen. Wie sähe das denn sonst aus? So werden sie randvoll mit den Leckereien der Feier gefüllt und mitgegeben. Wobei “Leckereien” neuerdings auch Merkwürdigkeiten nach veganen Rezepten beinhaltet.

Ergebnis: die berechnenden Menschen wären dort gern wieder gesehen. Und gut zu essen hätten sie nun auch noch!

Aber das ist ja wirklich nur ein angenommenes und rein theoretisches Gedankenspiel. Daran, dass es wirklich so üble Zeitgenossen gibt, glaubt sowieso niemand. Höchstens vielleicht ein paar ganz Wenige. An Hand dieser Beschreibung wird aber ohnehin niemand erkannt.

Und mit uns hat das schon rein gar nichts zu tun! Wir geben unseren Gastgebern ausschließlich deren eigene Dosen zurück. Ganz selbstverständlich und völlig ohne Hintergedanken.

Wir haben ja auch gar kein Paulinchen in unserer Familie. Die heißt nämlich ganz anders und ausserdem ist ihr Kleidchen Miva auch nicht rosa/ pink, sondern weiß/blau!

Aber dass wir gerade Monatsende haben, ist nun wirklich Zufall.