Fastenzeit / Das Hausrezept

Fastenzeit, Zeit der inneren Einkehr und Entsagung. Ohne Fleisch, Süßkram und Alkohol.

Ora et Labora!

Extremfasten kann aber auch sehr ungesund sein. Da fehlen dem Hirn wichtige Botenstoffe um Ströme weiter zu leiten. Dadurch baut man Aggressionen auf und die müssen bekanntlich raus.

Das Haushuhn flattert gackernd durchs Revier und plant. So Dinge eben, die fast kein Mensch braucht. Höchstens sie. Je nach Fastenintensität, Mond und Sonstigem werden das ganz, ganz schlimme Pläne.

Um Angestautes abzubauen begehen wir einen gemeinsamen, schönen Samstagvormittag.

Spricht die Knechterin und plant unseren guten Tag:

Nach erstem Hahnenschrei spazieren wir alle ungefrühstückt mit dem Handwagen durch die Gärten der Vorstadt und erfreuen uns an Natur und Frühblühern.

Wir gehen zur Gärtnerei,  juché!

Welch innig tiefe Freude empfinde ich! Kann ich doch mit der Familie von Regal zu Regal lustwandeln.

Hier wählen wir gemeinsam unsere neuen Blumentöpfe und Untersetzer in den Materialien und Farben dieser Saison aus. Dort prüfen wir ausgiebig die Handhabung  unserer neuen Gießkanne. (Die vom letzten Jahr passt ja nun nicht mehr). Dann –oh wie schön!- geht’s zu den Blümelchen! Wie erfreue auch ich mich an ihnen, begutachte gemeinsam mit der Liebsten Wuchs und Farbe. Wir spekulieren reichlich über zu erwartenden Blütengrößen. Bei jedem Topf wird mehrfach abgewogen. Dann fehlen noch Blumenbänkchen, Blumenerde, Dünger und, und, und.

Zu Hause angekommen, mache ich mich voll Freude an das Eintopfen und Pflanzen. Welche Pracht, denkt man abends, mit sich und der Welt nach diesem trefflichen Tagwerk ganz zufrieden.

Von Aggressionen keine Spur mehr bei ihr.

So sieht mein Tag aus:

Gute Mine im Gartenfachmarkt.

Zerre ausgemergelt gefühlte acht Stunden einen rostigen Wagen auf drei funktionierenden Rädern durch grob gepflasterte Gänge. 798 Pflanzen hochgehoben gedreht und wieder abgestellt. Also jeden verkaufbaren Topf dreimal.

Habe dreckige, zerstochene und dauerfeuchte Hände. Das Blumentopfwasser lief beim „höher!“ heben dauernd in die Achseln.

Mein Gesicht schmerzt vom versöhnlichen Zerrgrinsen.

Muss durchhalten, bis die Kinder ausflippen.

Dauert nicht mehr lang, draußen grillen sie Bratwurst.

Hucke dann unseren hoffnungslos überladenen Handwagen mit einer Hand 4 Km nach Hause. Über der Schulter liegt ein krümelnder Sack Blumenerde. Jammernde und nörgelnde Kinder sind im Schlepp.

Sorten- und Standortgeschwafel geht daheim von vorne los. Dann eingraben, den Plunder.

Warum wollen Frauen nur immer so Zeug? Ich mag keine Blumen. Jedenfalls jetzt nicht.

Jetzt will ich eine Motorsense! Ich heiße Conan und ich will j e t z t eine MOTORSENSE

Aber was kann ein Familienknecht schon wollen…

Jeder Mensch hat in seiner jetzigen Wiedergeburtsphase Ähnlichkeiten mit einem Tier. Meinen jedenfalls einige, die es zu wissen glauben. Das sei unter anderem abhängig vom Sternbild der Geburt. Und so sei jede Person irgend einem Tier zuzuordnen und hätte auch tief in sich drin entsprechende Eigenschaften.

Tante Ortrud zum Beispiel ist unbedingt Löwe. Jeder weiß das. Genauso wie jeder weiß, das ich das hier mit Rücksicht auf ihr Alter und Respekt vor ihrer Durchsetzungskraft in unserem Familienrudel nicht näher zu erläutern habe. Obwohl ich gern mal würde. Wie so vieles.

Meine Knechterin dagegen ist Huhn. Ganz klar, hundert Prozent Huhn! Meistens.
Das merkt man sofort im Frühling. Sobald die Temperaturen höher klettern, springt sie als erste von der Stange und gackert laut: „guck mal hier, das muss weg“, und „schau mal da, das machen wir jetzt aber mal neu“. Dabei schwingt sie die Flügel und scharrt in jeder nur erdenklichen Ecke mit den Füßen

- ganz klar Huhn.

Hinterher stellt sich oft heraus, dass mit besagtem „wir“ jetzt nicht direkt unbedingt wir a l l e gemeint sind. Meist bezieht sich das letztlich nur auf den einzigen tatsächlichen Zuhörer.

Schon die ersten Anzeichen des “Huhn- Seins”  bemerken die Kinder und ducken vollständig ab. Opa hat gerade dann seine Frühjahrsschwierigkeiten mit dem Hörgerät und ich steh also ganz allein inmitten des Schallwellenwindes bis mir die Haare nach hinten fliegen.

Bei der späteren Kritik an ausgeführten Arbeiten konkretisiert sich das „wir“ dann noch mehr und sehr deutlich auf ein eher anklagendes „du“.
Tja und ich weiß dann wieder, warum diese Seite nicht Pascha heißt.