Wache morgens auf, meine Frau musste früher los. Aufwachen ist bei mir eine längere Prozedur. Kann schon mal ein, zwei Stunden dauern. Ein erster Im-Liegen-System-Check sagt: mir ist warm und ich spüre keinen Schmerz. Völlig unerwartet kommt das. Da  kriege ich schon mal ein mulmiges Gefühl. Schockstarre. Es ist so ungewohnt, dass ich erst mal tiefenprüfe, ob ich noch lebe, wo ich bin und was das soll. Dauert länger, führt aber wie üblich zu nichts. Bevor ich nun also die Augen öffne, denke ich nach, was das nun wieder zu bedeuten hat.

Was war gestern geschehen? Nur das übliche: Arbeit, viel Arbeit, noch mehr Arbeit und dann Hausarbeit als Familienknecht. Bis zum Umfallen. Anschließend Essen, ein warmes Wannenbad und dann ins Bett.

Normaler Weise gehe ich zum Bett, hebe die Decke an und schlafe noch während des Einsteigens sofort vor Erschöpfung ein. Mein zweites Bein bleibt draußen, das schaff ich dann nicht mehr mit rein. Klar, dass es morgens kalt ist.

Nun lieg du mal so als Bein, die ganze Nacht über eine Holzkante abgehängt, am offenen Fenster. Ohne Decke und dafür mit abgeklemmter Blutzufuhr. Was machste denn dann, na? Melden natürlich: Schmerz senden. Kommt ja auch an bei mir. Morgens.

Also Schmerz bemerkt, hat ja jetzt nicht lange gedauert bei mir. Vielleicht ein, zwei Sunden.

Langsam kommt die Erinnerung wieder. Als ich in der Wanne lag, telefonierte die Herrin mit ihrer Freundin Annika. Nein, nicht privat. Mehr so ganz bedeutungsvoll. Sie mussten schnell all die notwendigen Dinge für´s weitere Überleben absprechen. Total Frauenmäßig wichtig eben. Aber das könne ich als Mann ja sowieso nicht begreifen. Wegen meines bekannten  Chromosomenfehlers, sagt sie immer.

Frauentelefonate sind bekanntlich kurz. Einfach nur kurz. Gehen eigentlich immer ganz, ganz schnell. Punkt für Punkt wir da konzentriert abgearbeitet. Tack, tack, tack geht das da nur so. Alles was wirklich wichtig ist, jedoch stark eingeschränkt auf eben nur das, was unbedingt gesagt werden muss. Versteht sich, das k a n n gar nicht alles unter einer Stunde abgehakt sein.

Aha, Telefongespräch, soweit bin ich schon mal. Und dann muss ich da etwas gehört haben, das mich die ganze Nacht nicht schlafen ließ. Oder einen erheblich großen Teil der Nacht. Jedenfalls so lange, dass mein Körper beim Hinlegen noch irgendwie in der Lage war, die  sonst auswärts übernachtende Restextremität reflexartig heranzuziehen.

Und so scharf kombiniert, merke ich morgens sofort, dass etwas nicht stimmt. Schon super, so ein unglaubliches Körpergefühl zu haben, denke ich. Da will ich gleich mal aufstehen und mir den tollen Typen sofort im Spiegel ansehen! Also raus aus dem Bett, frisch in den Tag und ab zum Spiegel.

Der Anblick ist bitter. Er macht mich so enttäuscht wie gedankenleer. Ich hab jetzt irgendwie  den Faden verloren. Was war gleich noch mal? Es war auf alle Fälle wahnsinnig wichtig. Muss noch mal ganz von vorn anfangen. Gehe erst mal ins Bett