Hab ich schon vom Urlaub berichtet?

Diesmal fing wirklich alles gut an. Tatsächlich kamen wir ohne wesentliche Verluste an Menschen und Material an.

Auf der Autobahn musste nur ich einen Kilometer auf dem Haltestreifen rückwärts fahren um unseren Köter wieder einzuladen, den wir an der Raststätte vergaßen.

Er ließ sich zwischendurch von anderen Reisenden mit Schnitzelchen füttern und war nicht sonderlich begeistert uns zu sehen, weil die Tüte noch gut gefüllt war.

Auf dem Urlaubshof konnte nach dem Quartiersbezug erst mal gut durchatmen. Aber den Mund sollte man schon schließen dabei.

Der wochenlange Regen dieses Sommers hat nämlich die Mückenpopulation ins Unermessliche wachsen lassen und die fliegen wirklich überall hin.

Ansonsten war alles wie erwartet und dafür dankte ich den Gastgebern. Die Kids trafen sich mit den anderen aus der Nachbarschaft sofort zum Ferienverbrüderungsschnellschwur.

Das Thema des Urlaubs: Star Wars!

Das kindliche „Gut“ gegen das imaginäre „Böse“

mit allen Scheußlichkeiten des Universums direkt bei uns.

Die Knechterin befahl mit Hinweis auf galaktische Unruhen und lauernde Reparaturkostenfallen sofort imperialen Dauerfrieden und ordnete die permanente Rückkehr  zur heimischen Milchstrasse an.

Ich dagegen wollte mal wieder „Ich bin dein Vater“ sagen und wiegelte mit Hinweis auf vererbbare Abenteuerlust ab. Ich genehmigte den Kindern fortwährende Ausflüge zu anderen Quadranten im Kampf gegen den Schleim der Ungerechtigkeit.

Leider vergaßen sie dabei gelegentlich, die Lichtschwerter wieder einzufahren.

Also ziemlich oft eigentlich.

Das begann am ersten Morgen in der Küche- rums war die Lampe unten.

Dann hinterließen sie beim Absturz Kondensstreifen an Rüdigers neuem Autolack und landeten am letzen Abend glücklich und unverletzt, jedoch mitten in der Haustürscheibe.

Aber sonst haben wir uns gut erholt! Für die Schäden werden wir einstehen- Ehrensache.

Nur stecke ich jetzt in einem mächtigen Dilemma: Natürlich weiß ich, dass ich den ERGO  Direkt Versicherungen gegenüber wahre Angaben machen muss.

Wie stricke ich  eine zu diesen imperialen Schadensmustern passende, wahre Geschichte  ohne einen außerirdischen, republikanischen Kugelblitzregen erfinden zu müssen?

Hallo Jedis! Hört mich jemand?

Lautes Gegacker Sonntagmorgens in der Küche:

sie wollte raus.

Jetzt sofort, bald-gleich!

Wohin? In den Urlaub fahren!

Warum die Knechterin immer erst im Juli zur besten Ferienzeit auf diesen Gedanken kommt? Na weil da alle fahren!

Außerdem habe ich manchmal den Eindruck,
sie würde sich dann ganz gern vor den Kleinknechten brüsten,
nur s i i e e gaaanz allein
wäre auf diese Superidee gekommen.
Papa fällt ja so was tolles nicht ein…

Das ganze Jahr über freue ich mich auf Urlaub und rede monatelang wie gegen eine Wand:

„Komm, lass uns heute schon mal was richtig Schönes raussuchen, jetzt finden wir noch was Feines und im Moment sind die Preise noch bezahlbar.“

Aber nein, da sind immer tausend andere Sachen zu erledigen. Und dauernd hagelt es von ihr beliebig Monatsarbeitsaufgaben wie:

„Du kümmere dich jetzt mal lieber um die Fliesen im Bad und die Wasseranschlüsse, das sieht aus da drin, so kann man ja nicht mal Gäste einladen. Und der Flur sollte auch schon längst gestrichen sein.“

Plobb – und schon ist sie weg, die schöne Urlaubsvorfreude…

Aber im Juli muss es dann schnell gehen. Dann mal eben so für Kind und Kegel und Köter einen Urlaub buchen ist eine echte Herausforderung.

Preiswert -versteht sich, sonst ist man ja kein richtiger Familienknecht.

Heuer geht es wieder an die Ostsee. In das gleiche Haus wie letztes Jahr. Wir treffen auch wieder auf die gleichen Bekannten wie im Vorjahr und vor allem die vielköpfig-vorlaute Rasselbande. Wir werden wieder jede Menge Spaß haben!

Diesmal werde ich mich aber viel besser präparieren:

Zuerst unendlich viel Spielzeug und Schnitzmesser für die Kids.

(Schnitzen hält sehr lange ruhig!)

Autan gegen Mücken, die besten Witze für Vermieter Rüdiger und jede Menge Magenbitter gegen die fette Nachbarin hab ich schon besorgt.
Kuschelkaiman Kroki ist im Koffer und für die Knechterin noch eine Überraschungsluftmatratze.
Das Auto ist fit und für mich nehme ich ein gutes Buch von Anne mit.

Kann eigentlich losgehen. Bin gespannt, was dabei raus kommt. Wünscht mir Glück!

½ Treppe tiefer. Der einzige Sitzplatz dort, wo mal ein Fensterbrett war. Bevor der Soldat die Scheibe einschlug und sein MG abstellte.

Große Baukunst, stelle ich anerkennend fest. Eine Handbreit Fensterholz an den Seiten reicht aus, um etwa zwei Kilo zerzutschter Kaugummimasse aufzunehmen. Die alten Plombenzieher sorgen für die einzig  feste Verbindung zum Rahmen. Besonders an der Seite, wo ein Kartonstück Koljas zerborstene Scheibe ersetzten. Ich erkenne darauf Werbung für Igelit- Schuhe und begreife die Historie der Kautschuksammlung. Sogar die DDR hatte Igelit- Giftbotten in den 50ern verboten.

Dann ein Gedanke: das ist gar nicht echt hier. Die filmen das und ich bin das Trottelgesicht! Oben die Brüllkuh, das war Anke Engelke und gleich kommt der Gesichtskomiker Pastewka als Chef. Klar, muss ja so sein. Denen werd ich´s zeigen, über solchen Schabernack bin ich aber so was von erhaben!

Ich setzte mein wissendes Gesicht auf und die Umhängetasche auf den Rücken. Dann taste ich mit den Händen die Wände Stück für Stück nach Infrarotkameras ab. Müssen doch da sein. Ich finde keine. Als ich schwitzte, hörte ich auf zu suchen. Es musste schon fast eine halbe Stunde vergangen sein.

Nun wurde ich trotzig und wollte auch den ganzen Rest von dem Laden sehen. Schlimmer konnte es ja nicht werden. Ich fühlte mich angesichts der Zustände schon mal sehr, sehr sicher und überlegen.

Dann hörte ich ihn kommen. Er fluchte etwas nach, das die Treppe hoch hetzte. Etwas war ein kräftiger English Bulldog-Rüde. Der Köter witterte anscheinend unsere Hündin und warf sich sofort begattend auf mein linkes Bein. Wer schon mal so einen Köter am Bein hatte, der weiß, warum das rubbelnde Monster nicht einfach abzuschütteln war. Er machte weiter.

Mir war das so peinlich. Der Typ ging einfach grinsend vorbei, drehte sich oben um und sagte verständnisvoll wienerisch näselnd: „weenns fertig seid, kommts einfach nach.“

Es dauerte eine Weile aber irgendwann ließ er von mir ab. Ich richtete meine Krawatte und den Anzug sorgsam, strich mir das Haar aus dem Gesicht und ging nach oben. Nun kam mein großer Auftritt. Ich wollte meine ganze Überlegenheit ausspielen. Das gesamte Firmenpersonal erwartete mich bereits am Tresen. Alle Beide.

Das Kinn nach oben reckend stellte ich mich ihm vor. „Ja fein“, sagte er, „und was wolln `S jetzat?“ Er blieb stehen und vermittelte nicht den Eindruck, dass er mich ins Büro bitten wollte. Ich sprach ihn auf den Termin für die ausgeschriebene Position an. Er hob er die Augenbrauen und fragte: „Sie wissen schon, dass wir ein seriöses Unternehmen sind und gewisse Ansprüche ans Personal stellen?“

„Na ja“, gab ich so verständnislos wie verärgert zurück und unterstrich meine Worte mit einer den Raum umfassenden Geste. „Na ja, so hoch werden die kaum sein“

„Schaut hier net nach vuiel Geld aus, aber für Grundansprüche reicht´s schon noch“ antwortete er. Er bemerkte mein fragendes Gesicht und wies auf einen Spiegel hinter mir. Ich drehte mich um: und bekam einen Schock.

Das, das, das  war ich nicht! Nie im Leben!

Ein verrußtes Monster mit verschmiertem Gesicht in verdreckten Sachen starrte mich an. Ich begriff: der Flur, die Wände, schwitzen im Gesicht, Spinnenweben- oh!

In meinem Kopf hämmerte es: Abflug, sofort!Ich war so froh, ihm nicht eine meiner neu gedruckten Visitenkarten gegeben zu haben. Auf der Treppe hörte ich, wie er zu ihr sagte: „Net a mal waschen können´s sich, aber große Kohle machen bei uns.“ Aber da war ich schon fast unten.