Männer sind doch Romantiker. Vielleicht bloß auf eine andere, vielleicht eher etwas unbemerkt- subtilere Art. Jedenfalls können sie es mehr sein, nach dem Lesen dieser Zeilen.

Der Familienknecht krümelt nun in Geschlechtersolidarität etwas bröselige Lebenserfahrung auf den gut in Alkohol eingelegten Männerbrägen.

Hier die Männeranweisung zur Harmonie- und Ruheerlangung in der Partnerschaft:

Etwa die Hälfte der Menschheit steht auf lebenslange romantisch- rosa Brillen. Mit allem, was ihrer Meinung nach dazugehört. Von rosa Barbie mit Pferdchen über „die erste Liebe für immer“  bis zur „Hochzeit ganz in weiß“. Sogar noch viel weiter. Warum tut hier nichts zur Sache, denn es ist sowieso nicht zu verstehen.

Oft ganz unverhofft kommt wie aus dem Hinterhalt die Probe für Familienknechte. Ein von ihr wie nebenbei leise hingesäuseltes „weißt du noch wie…?“

Männer: hier gilt es sofort zu reagieren!

Ganz egal was ihr gerade Wichtiges tut. Selbst wenn Fußball läuft. Ja, sogar dann!

Macht in dem Moment, um alles in der Welt, bloß das Richtige. „Alles in der Welt“ heißt in dem Fall: zu eurem dringend notwendigen Erhalt der Ruhe und des anhaltenden Seelenfriedens. Sei klug, mach aus dem direkten Frontalangriff eine win-win-situation.

Kurze Überlegung: welche Optionen bestehen:

  1. Desinteressiert irgend etwas kurz dahinsagen um Ruhe zu haben.

Ergebnis: Völliger Zusammenbruch der Romantikschiene bei der Herrin. Man kann es fast metallisch knacken hören! Sie mutiert auf der Stelle zum gemeinen Zankeisen. Alle Heiligen und die Familie anrufend, traktiert sie dich mit Vorwürfen aller Art und allen Alters. Üblicher Weise endet die Schimpftirade in sofort zu erledigenden Abreitsaufträgen. Wie der Zufall es will, meist sind es schwere und schmutzige Arbeiten, die man ewig vor sich her schob.

  1. Interessiert aufrichten, leichte Sabberpose einnehmen, Kopf anschrägen und den innerlichen Honigpinsel eintunken. Nach kurzem Überlegen genau auf die Situation eingehen und noch zwei, drei Kleckse Romantik draufwatschen. Kann ruhig viel sein. Keine Angst, zuviel geht nicht

Ergebnis: Sie liebt dich unendlich und schwelgt kurz mit dir in Erinnerungen (jetzt nicht nachlassen, irgendwas geht da noch!) Entweder setzt sie sich zu dir und kuschelt  (und vielleicht geht da jetzt sogar noch was mehr… ).

Oder sie geht weiter ihrem Krimskrams nach. Wenn das passiert, hast du auch gewonnen. Nun kannst du direkt die Früchte Deiner Arbeit pflücken. Du kannst den sauer erarbeiteten Lohn für deine kurzzeitige Entsagung intensiver Gedankengänge einstreichen. Sag einfach: „Ach Schatz bist du so lieb und bringst mir noch ein Bier, ja?“

Keine, wirklich keine Frau kann dir j e t z t diesen Wunsch abschlagen!

Wir haben Dutzende Kartons mit Kinderkleidung und Krimskrams in der Wohnung. Wohin mit all dem Krempel? Immer sagt meine Frau: “Ach nö, das kann man vielleicht noch gebrauchen, oder irgend jemand in der Familie bekommt ein Kind”. Passiert tatsächlich manchmal. Aber dann sind ihr die Sachen zum weggeben doch noch zu schade. Macht ja ausserdem eine Menge Arbeit, das Aussortieren.

Bleiben die Kartons. Früher hab ich mich tierisch drüber aufgeregt. Die Dinger hab ich hin- und – hergeschoben und treppauf, treppab getragen. Jedesmal hab ich mich darüber geärgert.

Mach ich jetzt nicht mehr, den Stress geb ich mir ab jetzt nicht mehr. Ich hab nämlich ein Führungskräfteseminar besucht.

Dabei lernt man neben einigen blasierten Verhaltensweisen: Man muss delegieren können! Arbeiten einfach abgeben, klar anweisen, sich dann erstmal nicht mehr drum kümmern. Später kontrollieren, bewerten und evtl. sanktionieren.

Ach sooo läuft das?! Ja, so einfach kann das Leben sein.

Natürlich wendet der Familienknecht sein neues Managerwissen über Arbeitsdelegierung und Problemlösung zu Hause sofort konsequent an. Meine Frau rollte leicht drohend mit den Augen, tat plötzlich sehr beschäftigt und meinte, ich solle nicht immer so viel herumliegen lassen, jetzt erstmal aufräumen und dann mit dem Hund rausgehen, als hier so rumzulungern und Quatsch zu erzählen. Schade, sie hatte diese intellektuelle Herausforderung also noch nicht dirket verstanden. Oder angenommen.

Einen zweiten Versuch wollte ich nicht starten, aus Furcht, sie wendet das Gehörte später gegen mich an. Meine Frau lernt sehr schnell, wenn sie einen Vorteil erkennt. Und will. Der Vorteil des Arbeit Anweisens lag ja wohl auf der Hand.

Okay, dachte ich: mußt eben weiter unten ansetzen in der Hierarchie. Bei den Kindern, das kannst du. Solltest du. Hab auch gleich Erfolg verbucht und gute Erfahrungen gemacht. Also eher nur Erfahrungen.

Die Nachzucht ist ja so wunderbar direkt. Bis ca. 12 Jahren winken Kinder gleich bei der Problemansprache noch höflich ab und lenken direkt auf ein “total gaaanz wichtiges” Schulthema ein. Ab etwa 13 Jahre sind sie dafür ziemlich merkfrei und haben erstmal für ein paar Jahre Hirndurchzug. Sie sparen sich angesichts der angesprochenen Globalproblematik auch wirklich jede Regung und drehen reaktionsfrei ab. Peng, Tür zu.

Aber man hat mal drüber gesprochen. Und das Gelernte anzuwenden ist ja auch schon ´ne gute Übung.

So hab ich mir die Kartons vorgeknöpft und denen nach genauem Hinsehen erklärt, sie sollen sich verdünnisieren. Und zwar ohne mich. Und sie sollen das mal schön mit sich selbst ausmachen. Die haben wenigstens nicht sofort opponiert. Obwohl, sofort ist ja auch eher ein dehnbarer Begriff. Nun warte ich erstmal ab, bis die da schon drin lebenden Motten das Problem sozusagen von innen heraus für mich aufgefressen haben.

Ich brauch nur Ausdauer. Wenn ich weiß, das Andere für mich arbeiten, hab ich sehr viel davon. Gut zu wissen, dass man diese kleinen Haushaltshelfer hat.

Fazit:

Endlich mal etwas, das klappt, wie geplant und von mir angewiesen.

Familienknecht sein kann so einfach sein- wenn man eine echte Führungspersönlichkeit ist und neu erworbenes Wissen zielsicher anwendet.