Meine Knechterin als Haushuhn “par excellence” schielte ja längst auf einen neuen Bauklotz.

Sie nennt den Erwerb einer Immobilie Altersvorsorge für unsere Familie.

Also muss ich los und suchen und suchen.
Wahrscheinlich es ist einfach ihre Art vor zu sorgen, daß ich schneller altere.

Denn das steht ja wohl fest wie der christliche Glaube in Deutschland:
An der Seite meiner Knechterin kann man richtig gut alt werden.

Jawohl, und zwar schneller und stärker, als man es je für möglich hielt!
Nach vielen Versuchen hatte ich ein Objekt gefunden. Es war ganz gut für uns und liegt im Budget. Das reichte aber nur bis hierher.
Eben fiel ihr mir nichts- dir nichts ein, ob ich auch daran gedacht hätte, dass unser neues Heim einen Treppenlift aufnehmen kann. Falls Oma oder Tante Ortrud bei uns einziehen…
Treppenlift?! Ja klar – nee!

Wie konnte ich nur darauf nicht achten?! Tausend Sachen hab ich noch nicht bedacht.

Z. B. an die ökologische Verwertung künftig zu wünschender Enkelwindeln hatte ich noch nicht gedacht…
Nun sitz ich wieder bei der Prüfung der Unterlagen- wehe wenn das nicht drin ist. Die Dinger sind heutzutage ja zum Glück nicht mehr die Fahrstuhlmonster von damals. Da passt schon was.

Oma zerren wir irgendwie liebevoll die Holztreppe rauf.

Und für die besonders liebe Tante Ortrud ist es ganz einfach. Da besorge ich vom ehemaligen Luftwaffengeschwader einen ausgedienten Schleudersitz.

Uuups…

Vielfach hört man in dieser Zeit nicht mehr davon reden, wie fröhlich das Weihnachtsfest war, wie sehr man doch die Ankunft des Kindlein erwartet und wie glücklich man in der Kirche den Segen empfangen hatte.

Meist wird der Familienknecht genötigt über die Pein seiner vielfachen und umfänglichen Leibesfüllungen zu berichten:

„Was gab´s denn bei Euch an Heilig Abend- und am ersten und zweiten Feiertag?“

Wer möchte dabei schon einfache Gerichte benennen und so alle Gourmetreputation im Ansatz verspielen?

Traut sich das noch einer?

Selbst der vollgefressenste Popanz, der immer nur als gieriger Gourmand unterwegs ist, lässt sich da schnell noch etwas einfallen…

Aber nicht nur der, sondern auch der ehrbare Bürger. Und so habe ich auch in diesem Jahr wieder eine handvoll Gerichte aus einem Feinschmeckerbuch auswendig gelernt und mir angeschaut, wie man so was machen müsste, wenn man es denn wollte und könnte.

Also nicht mit Hintergedanken, sondern nur so -zur Notwehr praktisch.

Was war es aber nicht wieder für ein üppiges Fest. Tante Ortrud sorgte andauernd für wenig Bewegung, pünktliches Einhalten der Mahlzeiten mit viel Naschereien zwischendurch. Und reichlich Kuchen –aber um Himmels Willen nie ohne Sahne.

Kennt das noch einer- dieses üble Gefühl, wenn man einfach nichts mehr essen kann.

Rien ne va plus !

Was hilft dem gemeinen Hausknecht gegen seinen Magendruck – ausser viel Essen und Schnaps, wie die Tante meint?

Warten auf Aschermittwoch- und dann aber richtig fasten!

Jeder Mensch hat in seiner jetzigen Wiedergeburtsphase Ähnlichkeiten mit einem Tier. Meinen jedenfalls einige, die es zu wissen glauben. Das sei unter anderem abhängig vom Sternbild der Geburt. Und so sei jede Person irgend einem Tier zuzuordnen und hätte auch tief in sich drin entsprechende Eigenschaften.

Tante Ortrud zum Beispiel ist unbedingt Löwe. Jeder weiß das. Genauso wie jeder weiß, das ich das hier mit Rücksicht auf ihr Alter und Respekt vor ihrer Durchsetzungskraft in unserem Familienrudel nicht näher zu erläutern habe. Obwohl ich gern mal würde. Wie so vieles.

Meine Knechterin dagegen ist Huhn. Ganz klar, hundert Prozent Huhn! Meistens.
Das merkt man sofort im Frühling. Sobald die Temperaturen höher klettern, springt sie als erste von der Stange und gackert laut: „guck mal hier, das muss weg“, und „schau mal da, das machen wir jetzt aber mal neu“. Dabei schwingt sie die Flügel und scharrt in jeder nur erdenklichen Ecke mit den Füßen

- ganz klar Huhn.

Hinterher stellt sich oft heraus, dass mit besagtem „wir“ jetzt nicht direkt unbedingt wir a l l e gemeint sind. Meist bezieht sich das letztlich nur auf den einzigen tatsächlichen Zuhörer.

Schon die ersten Anzeichen des “Huhn- Seins”  bemerken die Kinder und ducken vollständig ab. Opa hat gerade dann seine Frühjahrsschwierigkeiten mit dem Hörgerät und ich steh also ganz allein inmitten des Schallwellenwindes bis mir die Haare nach hinten fliegen.

Bei der späteren Kritik an ausgeführten Arbeiten konkretisiert sich das „wir“ dann noch mehr und sehr deutlich auf ein eher anklagendes „du“.
Tja und ich weiß dann wieder, warum diese Seite nicht Pascha heißt.