Raimund war bei uns zu Besuch. Also nicht direkt bei uns allen.

Es war eher wie immer, mein Huhn war schon mal das Bett anwärmen gegangen. Denn sie mochte bei unseren hochphilosophischen Betrachtungen ungern still daneben sitzen. Auch gut.

Wir saßen bald in der Küche und staunten vor uns hin, dass wir in so kurzer Zeit so intensive Gespräche führen konnten.

Eigentlichwurde nicht viel gesagt. Nur wenn jemand von uns beiden noch mehr Eis als üblich ins Glas haben wollte. Sonst herrschte andachtsvolle Stille und Achtung vor der Kunst der nordbritischen Torfstecher. Die andauernde und umfängiche Vereinnahmung von schottischem Destillat half uns dabei zugegebenermaßen etwas. Verständnis für andere Menschen will eben gelernt und häufig geübt sein.

Da zog Raimund etwas aus der Tasche und meinte.  “Ich rauch nicht mehr”.

Fein, und was mag das dort sein? Es war eine elektrische Zigarette. Ohne Dampf und Tabakgestank. Freigegeben in jedem Restaurant und mit Dutzenden Geschmacksrichtungen zu haben.

Roch echt lecker, das Zeug. Den Rest des Abends mußte er Vanille- Duft in unsere Küche blasen.

Und zum ersten mal hab ich mich dabei wohl gefühlt, dass jemand in unserer Küche rauchte.

Ungewohnt viele Menschen fasten. Ich bemerke sie zahlreich wie nie zuvor.

Obwohl, gelegentlich darf man am tieferen Sinn etwas zweifeln. Vielleicht kommt es auf Art und Inhalt des Fastens an. Oder man sollte sich des Themas philosophischer nähern als ich. Mag sein. Aber für Sprechfasten ist mir wirklich kein Grund erkennbar. Trotzdem gibt es das.

Jugendliche reden so, treffen aber beim Rest der Bevölkerung auf gelegentliches Unverständnis. Vor allem bei denen, die über der Todesgrenze von 30 Geburtstagen als Gammelfleisch abhartzen.

Gerade die zwingen die Jugend regelrecht zum Sprechfasten. Hart am Altersstarrsinn kratzende Rentnerbarbies meinen ja, die Sprache vereinnahmt zu haben.

Auch die heutige Jugend grenzt sich gegen Vereinnahmung ab.

Aber mal voll krass alda!

Am Sprechfasten erkennen Vorsichhinsiechende gelegentlich das Bemühen der Jugend um soziale  Kontakte. Oder um eine eigene Identität.

Mit nur 300 Worten sind die durch, in ihrer Welt.

Tendenz stark fallend.

Wer sich heute in der gymnasialen Oberstufe Berlins um das Wohlergehen eines Freundes sorgt, der fragt:

„Ey Kanak, warsu Tarek zause?“

Antwort: „Alder, dem ist dem Problem. Der is vol am Schneckenstechen mit dem neue Tuss, isch schwör! Vol der Nahkampfsocke, weisstu wie isch mein alda“

Jaa, dieses feine, präpubertäre Kanakisch, das macht uns schon beim Lesen “vol krass Hummeltitten auf der Arm”.

Würde Goethe die angenommene Maximalrotation beenden, könnte man ihn zum Beispiel fragen: „Warßn jez wida?!“

Feingeistig antwortete er bestimmt: Kotzen.