Manchmal gibt man Dinge viel zu schnell auf. Und damit ein Stück weit sich selbst.

Es war so, dass unsere Ingeborg den Geist aufgab. Wir hatten sie schon abgeschrieben.

Auf der Suche nach einer neuen Spülerin bat ich einen Freund um eine Empfehlung. Statt einer Maschine empfahl er mir, mich mal wirklich drum zu kümmern. Es wäre eine Ehrensache, ein Familienmitglied nicht einfach nach Polen oder in die Ukraine abzuschieben. Was wohl passieren würde, wenn man mit dem Ding vor dem Recyclinghof anrollte.

„Mann hier geht´s um deutsche Ingenieurskunst! Das ist eine gute SIEMENS, die geht doch nach 8 Jahren nicht kaputt! Externe Küchenmonteure nehmen die Kiste mit, messen sie durch, grinsen und machen sie anschließend innen nur sauber. Dann läuft sie ganz sicher wieder. Du bist nur zu faul, das ist es!“

Ende der Durchsage. Was war ich wütend- guter Freund!

Kein echter Familienknecht lässt so was auf sich sitzen. Na gut, dachte ich, wahrscheinlich hilft es ihr nichts, aber kaputter geht sie auch nicht.

Zuerst hab ich mich durch den Gedankenwust der einschlägigen Laien- und Handwerkerforen gelesen und interessante Tipps bekommen. Dann also ran an´s Gerät!

Netzstecker raus, Wasser abdrehen und in nur einer Stunde sah die Küche aus wie Wallensteins Lager, ich mittendrin schwitzend auf dem Küchenboden.

Was soll ich sagen, es war so, wie es im Forum stand: zwei Ventile waren etwas verkalkt und ein Riffelschlauch der Laugenpumpe war mit Fett zugeschmiert. Das darf er aber auch nach dieser Zeit.

Also: Ventile einfach gespült, Schlauch beidseitig einfach und leicht abgezogen und anschließend innen wieder frei gemacht. Zusammenbau, Probelauf: Reanimation erfolgreich.

Die Prozedur war letztlich so einfach wie das Reinigen der Waschmaschinen- Laugenpumpe. Nun schnurpelt die Ingeborg wieder fröhlich vor sich hin. Kosten: drei Stunden Zeit, eine halbe Rolle Küchenpapier, ein Lappen und einmal nur etwas Überwindung…

Mein Tip: Familienknechte dieser Welt, befleißigt Euch!

Und Danke SIEMENS, für die fleißige und eigentlich unkomplizierte Ingeborg. Sie hat nun noch viele schöne Jahre vor sich.

Hörst Du Grillen?

Es grillt wieder in Deutschland!

Da man sich hierzulande erbärmlich durch den langen, harten Winter hungerte, giert das ganze Land nun wieder nach eingelegter Luderatzung vom Edelstahltropfnetz über der Glut.

Hastig wird en passant an der Tanke nach den überteuerten Säcken kinderhandgekokter Hartholzkohle südländischer Tropenbestände gegriffen.

Zu Haus eilt man sogleich zum flüssigen chemisierten Schnellzünder um noch vorm Sonnenuntergang dem Nachbar durch Rauchzeichen bekannt zu geben, dass man auch dieses Jahr wieder dabei ist.

Eröffnet ist er wieder, der großartige Wettstreit der Käse-Fisch- und Wurstverbrenner. Es ist und bleibt auch in diesem Jahr die Domäne der Könner und Kenner- eine letzte Domäne der Männer. Eindrücklich untermalt vom zischen und ploppen der Bierflaschen. Die werden nur – und diesmal wirklich nur- zum Ablöschen der Bratenstücke benutzt.

Endlich kann Freundschaft und Nachbarschaft wieder öffentlich auf Terrassen, Balkonen und in Gärten zelebriert oder vorgegaukelt werden.

Wie all die Jahre meist bis Nachts um zwei.

Die Knechterinnen werden auch in diesem Sommer die niederen Arbeiten zu verrichten haben. Sie machen sich über das Putzgemüse und die Salatschüsseln her, um die benötigten Zutaten zur Fertigstellung unglaublicher Gaumengenüsse zeitgerecht reichen zu können.

Durch Stadt und Land ziehen erst die Marketender von Bofrost und Co und dann so dicke  Rauchschwaden, dass man meint, Wallensteins Lager ist gleich bei uns um die Ecke.

Zufrieden jauchzet Groß und Klein: hier grille ich, hier darf ich sein!