Die Knechterin ist weg.

Macht echte Mädchenferien mit ihren Mädels und hat mich hier allein gelassen. Ganz allein!

Sitze nun schon seit ´ner Woche täglich für ein paar Stunden in der Depri-Ecke und schmolle. Nicht wegen der Knechterin, das ist schon in Ordnung.

Aber was soll das für ein Sommer sein? Haben schon September und noch immer ist nicht richtig Sommer gewesen. Kalt und Nass vom Himmel: das ist nicht schön und treibt einen in die Verzweifelung. Und zum Schmollen.

Aber ich, ich bin ja ein Steher! Ich kämpfe tapfer dagegen an.

Bevor es so weit ist, dass es mich völlig runter zieht, setze ich mich jeden Nachmittag mal ruhig mit einem Tumbler in die Küche und genehmige mir einen ordentlichen Muntermacher.

Und dann noch einen, weil man ja auf einem Bein nicht stehen kann. Manchmal, also meistens dann noch einen auf die erhoffte Wetterbesserung und doppelt hält besser.

Aber allein macht das auch keinen Spaß. Bald dürstet es mich nach Weisheit und Gesellschaft.

Irgendwann tippe ich wahllos eine im Telefon gespeicherte Nummer an. Wenn sich eine  Männerstimme meldet rufe ich in den Hörer: „Is so Schittwetter, kommste quatschen? Ich hab Whisky da…“

Wer könnte schon einen Freund seelisch verkümmern lassen, wenn er so flehentlich nach Hilfe ruft?

Und außerdem ist ja noch der Schottentee da.

Keinen Abend war ich in den letzten Tagen allein. Geredet wird ja unter Männern zum Glück nicht so viel. Ist auch nicht nötig: das Wetter ist wie´s ist.

Man muss nur etwas gegen die verdammten Depressionen tun.

Machen wir, versprochen

Als Familienknecht habe ich ein tiefes Vertrauen darauf, dass das Leben weiter geht und sich alles irgendwie richten wird. Und damit meine ich keinen Fatalismus in Reinkultur, sondern eine Art tief innewohnendes Gottvertrauen auf die Weisheit meiner Knechterin. Nur manchmal bringt sie mich damit an den Rand des Wahnsinns. Also genaugenommen jetzt.

Die Analyse unserer Altersvorsorge ließ sie erkennen, dass zügiger Handlungsbedarf gegeben sei. Erst einmal für mich. Denn schließlich müsse man sich die Arbeit ja gerecht teilen.

Und das sieht so aus, dass ich vorerst mal den leichten Teil übernehme:

Ich suche intensiv nach den mir von ihr vorgegebenen Kriterien nach Immobilien in Berlin. Dann schau ich mir die besten 30 – 40 vorab an und gebe die Top 5 zur Entscheidungsvorlage an sie ab.

Dann beginnt ihr schwerer Teil: Sie wägt ab, ob tatsächlich alle 5 in Frage kommen und dann schauen wir uns die übrigen gemeinsam an, bevor sie entscheidet. Toll, was?

Das führt dazu, dass ich bis zu viermal am Tag durch die Stadt düse, fast nebenbei noch arbeite und dann zum Ausgleich am Abend meine Bad- Baustelle bis gegen Mitternacht weiterführe. Und da ist er dann, der Rand des Wahnsinns.

Wie lange das so weiter geht kann jetzt noch niemand sagen. Permanenter Stress bei gleichzeitigem Termindruck und anhaltender Abstinenz soll ja schon zu Geistesschäden geführt haben. Manch einer wurde vielleicht schon beim Gedanken an Gottvertrauen gleich zu ihm befohlen…