Seit Ewigkeiten lasse ich es mir so richtig wohl sein. Ich gehe nur meinen Freuden nach und streichle dabei zärtlich an meinen Lieblingen herum…

So jedenfalls würde meine Knechterin das nennen.

Genau genommen hocke ich seit gefühlten 14 Stunden in schmerzhafter Tiefkniestellung auf dem Betonboden der Garage und denke über mein Fehlverhalten nach.

Was habe ich nur getan?! Muss ich doch, wenn ich hier so Buße tue.

Konkret gesagt putze und pflege ich mit Werkzeug und Öllappen sämtliche technischen Großgeräte der Familie.

Was man so macht: nachziehen der Muttern und Schrauben, prüfen der Elektrik und herstellen der allgemeinen Betriebsbereitschaft für das Ende der Winterzeit.

Schließlich will die Knechterin gleich beim ersten Lärchengezwitscher wieder den alljährlichen Kampf der elektrischen Freilandschere mit den Heckenbrütern bis zum blutigen Ende führen…

Da muss man schließlich gewappnet sein.

Die faule Katze macht das ja nicht, die spielt auf der Straße lieber „wild rumrennen“ und freut sich, wenn die Autos schlingern!

An manchen Geräten ist gar nicht so viel zu tun. Der Bohrhammer ging ganz schnell und die Schneefräse hat schließlich noch den verkaufsüblich industriellen Ölfilm vorzuweisen. Zum Glück, bei diesem Wetter.

Ach bitte:

Wer kauft mir das spöttische Gesicht meiner Knechterin ab, wenn sie im Bekanntenkreis über die Sinnhaftigkeit und unbedingte Notwendigkeit meiner Neuerwerbung “Schneefräse” schwadroniert?

Hilft mir da jemand?

Hallo?!

Herbst ist auch iregendwie doof, dennnun wird´s echt ganz früh dunkel.

Seit wieder auf Winterzeit umgestellt wurde, weiß ich gar nichts mehr. Morgens im Dunklen zur Arbeit und Abends im Dunkeln zurück.

Dann bleibt zum Glück also völlig unklar, was ich so den ganzen Tag gemacht habe. Oder auch nicht.

Aber nicht nur das. Im letzten Herbst wurde ja bei uns eingebrochen.

“Glückwunsch”, sagte der Mann vom LKA, nachdem er wirklich die halbe Wohnung ganz und gar unnütz mit seinem schmierigen Pulver bestäubt und nichts gefunden hatte. Damit wollte er davon ablenken, dass ihm gerade seine volle Pulverdose runtergefallen und durch die Stube gekullert war.

„Glückwunsch, sie sind die ersten, die es in diesem Herbst getroffen hat…“

Na, Glückseligkeit sieht für mich anders aus und schmiert auch nicht so…

Keiner aus meiner Familie hatte in diesem Jahr schon wieder Lust auf einen Gruppenbesuch aus Moldawien. Man hatte sich schließlich schon ein ganzes Jahr entfremdet, nachdem diese Herrschaften sogar das Allerheiligste nach Wertsachen durchsuchten.

Also hatte ich für Licht und Lärm in der Dämmerung zu sorgen. Also ran an den Bildschirm und nach Lampen gesucht. Hat auch nicht lange gedauert und schon war was passendes dabei. Der Herrin gefiel meine Wahl, weil sie so die Haushaltskasse um eine weitere Leselampe und eine Leuchte für ihren Nachttisch schröpfen durfte. Wenn man eh schon Porto berappt…

Samstag soll bestes Wetter sein. Da steh ich draußen auf der Leiter und montiere Lampe und Bewegungsmelder an.
Mal sehen ob´s hilft.

Obwohl: was sollten sie jetzt noch klauen?

In diesem Jahr ist es irgendwie besonders. Erst dachte ich wie immer, aber nein. Irgendwie ist es diesmal richtig, richtig schlimm und hört nicht auf. Die Flatterhaftigkeit meines Hausdrachen findet kaum Winkel menschlichen Lebens, in denen kein Staub aufgewirbelt wird. Jedenfalls nicht in meinem. Die lange Winterzeit ließ sie scheinbar etwas an Trägheit zunehmen, die nun um so stärker abgeschüttelt werden muss. Vor allem durch die Tätigkeiten anderer.

Die Küken wurden zuerst vor diesen Angriffen geschützt. Es sind gerade Ferien und sie kamen per Kinderlandverschickung zu den Großeltern. Also blieb nur noch ich. Ich hatte auftragsgemäß alle Fliesen im Bad abgeschlagen und war gerade beim Fliesenkleber anrühren als sie meinte, wir sollten mal echt was für unsere eigene Altersvorsorge tun. Okay, dachte ich, vielleicht solltest du dir wirklich ein Hemd bei der Arbeit anziehen. Aber sie meinte es ernst.

Alterspyramide, Rentenlüge, Inflation und andere Horrormeldungen warf sie mir verbal in den Kleistereimer. Ich dachte schon, das wär´s dann und wollte grad losarbeiten aber im Weggehen ordnete sie an: „Kümmere dich mal darum, am besten morgen.“

Klar, dachte ich mit Blick auf das abgerissene Bad: kann man ja mal machen, wenn schon nichts zu tun ist…

Also am nächsten Tag erst mal bei der DVAG einen Termin für ein unverbindliches Beratungsgespräch gemacht.

Ich kann nur sagen: wenn man für sich selbst seine Altersbezüge vorgerechnet bekommt, sitzt man erst mal sehr, sehr blutleer da. Mir war angesichts der beklemmend niedrigen Zahlen stark schwindelig geworden. Was da in Zukunft auf uns zukommt, hätte ich ja auch nicht für möglich gehalten.

Na egal, die Fliesen sind bezahlt, jetzt müssen sie erst mal ran. Dabei kann ich ja schon mal drüber nachdenken, was für uns sinnvoll ist. Dass es dringend nötig ist, durfte ich ja inzwischen einsehen.

Hatte das Huhn also mal echt fett getroffen.