Schnee zur Ferienzeit

Die Kleinknechte haben lange drauf gewartet und gehofft.

Mir war das weiße Zeug noch von den beiden Vorjahren zuviel. Aber nun kommt es ins Gleichgewicht und es wird alles wieder gut:

Schnee ist angesagt!

Aber was musste ich zuvor schon alles erleiden?

Die Knechterin hatte meine scheinbar unnützen Anschaffungen für den kommenden Winterdienst sogar öffentlich gegeißelt.

Ich gebe zu, den Kaufzeitpunkt hätte man noch etwas optimieren können. Aber das hätte die BSR auch machen können und trotzdem mußten dort die Fahrzeuge und Salzvorräte schon lange vor der angesagten Glätte angeschafft werden.

Dadurch gleich meine Reputation als Familienknecht in Zweifel zu ziehen, war wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen.

Meine liebes altes Zankeisen !!

Wie glücklich habe ich doch gestern auf mein Kachelmännchen geschaut und mit Freude den nahenden Schneefall beobachtet!

Frohen Herzens konnte ich angesichts des zu erwartenden Schneefalls nun daran gehen, auszupacken und das Wunderwerk einsatzbereit zu machen.

Was für eine tolle Maschine!

Blitzblank wird es alles sein bei uns und Oma Kasulkes Gehweg mach ich auch noch mit!

Angeben werd ich damit- wie eine Tüte Wintermücken!

Pah, Schneefall – wen juckt´s?

Immer das Genörgel!

Kaum hatte die Knechterin den völlig falschen Eindruck gewonnen, ich hätte nicht genug zu tun, sann sie auf Fremdbeschäftigung.

Also auf meine.

Die Fassade meines Gesichtes passte nicht mehr. Zumindest nicht zu ihr.

Daran sollte grundlegend was geändert werden.

Irgendwas muss bei Männern immer geändert werden, ob mal will oder nicht.

Ich wollte eigentlich nicht. Zumindest nicht sofort, denn irgendwie will man dann ja doch immer...

Müssen wollen jedenfalls.

Aber später gefällt es dann auch. Zuerst meidet man gern den Aufwand an Zeit, Nerven und Gewohnheitsänderung.

Eine sportliche Kurzhaarfrisur durfte ich mir im Sommer sofort zulegen müssen, nachdem angeblich erste graue Haare sichtbar wurden (die sich übrigens hinterher ganz bestimmt als ungünstige Lichtreflektion herausstellten!).

Nun ist es meine Brille. Okay, hab ich dann bald eingesehen, dann muss das jetzt wohl sein.

Seit ein Optiker, mit grottenschlechten Fernsehspots versucht, rand-debilen Gruftis die gute alte Brille mit seinem Familiennamen zu verbinden, mag ich seine Allerwelts- Hartzgestelle nicht haben.

Allein der Gedanke, das Schieleisen aus der „Für-Millionen-Deutsche“-Serie zu tragen, ist mir unangenehm.

Nur, wer hat schon dauernd Zeit ins Geschäft zu rennen?

Zum Glück holt man seine Brillen heute einfach. Ich hab mehrere zu Hause eine Zeit lang ausprobiert und durfte mich am Ende sogar gleich für zwei heiße Teile entscheiden.Die Knechterin wahr wohlgelaunt...

Dass sie rattenscharf gut aussehen ist ganz klar, denn die Knechterin wollte sie unbedingt für mich haben.

Und weil es so schön war, hab ich mir noch eine entspiegelte Sonnenbrille in meiner Stärke mit allem Schnick und Schnack geholt.

Alles außer der Reihe und ohne Weihnachtsanrechtsverlust. Manchmal hat mein altes Zankeisen auch wirklich richtig gute Ideen.

Opa hat festgestellt: so eine Brille verleiht auch dem dämlichsten Antlitz einen Schimmer von Intelligenz.

Das hab ich nicht ganz verstanden.

Kann mir jemand helfen?

Sonntag Mittag und am Tisch ist es still. Nur mein Blut pocht in den Schläfen. Sonst pocht da gar nichts und ich bin sprachlos.

Die wollen nicht. Verweigern.
Machen einfach nicht mehr mit.
Einfach so und man kann nichts tun.

Ich habe alles probiert. Mein Zankeisen auch.
Also wir. Da waren wir uns einig.
So viele Worte umsonst, alle Überzeugungsarbeit ist dahin.
Was haben wir nicht alles probiert:

Voressen, Beispiel geben, gemeinsam üben, Kinderkochtage nach Kochbuch. Sogar den „Wir kochen gesund“ -Kurs im FEZ Berlin haben wir besucht.
War schon ätzend:
Hinfahren, warten, Kosteklecks essen, loben, und wieder nach Hause fahren zum Kleidung waschen- alles für den Zweck der guten Ernährung. Aber nichts davon ist heute geblieben.

Direkt nach Schnitzel und Semmelbröseln zieht das undankbare Racklewack die Teller weg. Kein Gemüse!!!
Auf meine Frage: „Aber warum nicht?“ rufen sie:

„Nein, nein Papa, wir wollen nicht sterben, wir wollen doch noch so gern leben!“

In meinen, sagen wir mal wohlmeinend,
ungläubigen Gesichtsausdruck hinein
fragten sie: „Ging EHEC etwa völlig an dir vorbei? An Gemüse kann man sterben, weißt du das etwa nicht?!“

Ich pack das nicht noch mal!
Keinen Lebensmittelskandal haben wir als Argument für Gemüse ausgelassen:

Schweinepest, Dioxin und Nikotin im Hühnerfleisch, Antibiotika beim Putensteak, Rinderwahnsinn, und, und, und…

Wir waren auf einem guten Weg und dann das.Um etwas Überzeugungsarbeit zu leisten, bestell ich beim Pizzaservice eine riesen Pizza mit allerlei Gemüse drauf; wie Tomaten, Zwiebeln, Brokkoli, Auberginen und natürlich lecker Käse oben drauf. Da macht Gemüse essen wieder Spaß!

Aber ich bleibe dabei:
Nur böse Menschen können darüber nachdenken,
dass ausländische Fast Food Firmen
an Viren forschen.
Es gibt keine Weltverschwörung<.

Und wenn doch, dann wenigstens mit viel Geschmacksverstärker!